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Schweinehalter sehen "keinen Königsweg"

24. November 2016

Foto: LSZ

L P D - Niedersachsens Sauen- und Schweinehalter sind verunsichert.Als einziger EU-Mitgliedstaat stellt Deutschland die Tierhalter vor die Frage, welche Form der Schweinemast sie ab 2019 umsetzen wollen. Zum 31.12.2018 sollen die Schweinemäster und Sauenhalter auf die betäubungslose Ferkelkastration verzichten. Verschiedene Alternativen werden zurzeit diskutiert, aber Hermann Wester als Vorsitzender des Ausschusses Schwein und Veredelung im Landvolk Niedersachsen sieht derzeit keine echte Alternative. „Ein Königsweg zeichnet sich für uns nicht ab“, fasst der Emsländer Wester die Abwägung aller Vor- und Nachteile zusammen. Zurzeit könne leider keines der Ausstiegsszenarien als praxisreif bezeichnet werden, gleichwohl sei die Landwirtschaft aufgeschlossen gegenüber allen Lösungen, wenn sich diese in der Praxis umsetzen ließen und der Markt dies mittrage. Derzeit werden männliche Ferkel kastriert, um den unerwünschten Ebergeruch im Schweinefleisch ausschließen zu können.

Verschiedene Alternativen zum Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration hat der Ausschuss diskutiert und kritisch verglichen. Dazu zählen beispielsweise die Jungebermast, aber auch die Jungebermast mit Impfung bzw. Immunokastration sowie verschiedene Verfahren zur Kastration unter Vollnarkose. Für die Vollnarkose werden die Tierhalter nach derzeitigem Stand ebenfalls zwischen zwei Verfahren wählen können. Hier stellt sich allerdings das Problem, das bei diesen Alternativen ein Tierarzt zugegen sein muss. Für andere durch den Landwirt anwendbare Verfahren sind hingegen noch keine wirksamen Mittel zugelassen. „Derzeit können unsere Landwirte also noch nicht abschätzen, wie sie ab 2019 ihre männlichen Schweine werden halten können“, verdeutlicht Wester. Er befürchtet, dass sich insbesondere kleinere Halter wegen der mangelnden Perspektiven aus der Schweine- und noch mehr Sauenhaltung verabschieden werden. Schon zwischen 2010 bis 2015 gab fast jeder dritte Sauenhalter in Niedersachsen auf. Die Zahl reduzierte sich von 3.400 auf aktuell 2.200, besonders hoch war der Rückgang bis 2013, als sich die Betriebe auf die Gruppenhaltung tragender Sauen umstellen mussten. Einen ähnlichen Strukturschub befürchtet das Landvolk durch die Umstellung auf die betäubungslose Kastration der Ferkel. Diese deutsche Regel wird im Ausland nicht gelten, daher werden weiter betäubungslos kastrierte Ferkel auf den deutschen Markt gelangen. (LPD 91/2016)

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