Jedes zehnte Bier wird in Niederschsen gebraut
26. Februar 2009
L P D - Mit knapp 11,4 Mio. Hektoliter (hl) Bier liefern Niedersachsens Brauereien fast jedes zehnte in Deutschland gebraute Bier und liegen deutschlandweit nach Nordrhein-Westfalen und Bayern auf Rang drei. Bei der Zahl der Braustätten dagegen rangiert Niedersachsen mit 59 nach Umfragen des Landvolk-Pressedienstes unter ferner liefen. Nahezu jede zweite der bundesweit 1.319 Brauereien war 2008 in Bayern angesiedelt. Die norddeutschen Brauereien sind dagegen durch ihre Größe und günstige Lage zu Exportmärkten strukturell im Vorteil. Bei alkoholischen Getränken steht das Bier in der Gunst ganz oben, vier von fünf in Deutschland konsumierten alkoholischen Drinks waren Bier. Allerdings ist die Lust aufs Bier seltener geworden. Im Jahr 1998 trank jeder Deutsche noch 127,5 Liter Bier, das waren mehr als 20 Liter mehr pro Person als im vergangenen Jahr.
Abgesehen von einem kurzen Anstieg des Bierabsatzes zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, sank der Durst auf den Gerstensaft in den vergangenen Jahren kontinuierlich und ist 2008 in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Prozent zurück gegangen, in Niedersachsen sogar um vier Prozent. Zudem steigt der Druck von außen, international handelnde Großbrauereien drängen mit Macht auf den deutschen Markt und drücken die Preise. Die Verbraucherpreise allgemein stiegen 2008 gegenüber dem Vorjahr um 4,7 Prozent, der Preis für das kühle Blonde hinkte trotz gestiegener Rohstoff- und Energiepreise mit einem Plus von 3,3 Prozent hinterher. Der deutsche Brauerbund schaut dennoch relativ gelassen in die Zukunft. Grund dafür ist die auf dem deutschen Reinheitsgebot fußende, weltweite einmalige Qualität des deutschen Bieres. Mit Innovationen wie Bier-Mix-Getränken in vielfältigen Geschmacksrichtungen will die deutsche Brauwirtschaft auf dem hart umkämpften Getränkemarkt auch in Zukunft bestehen.
Starken Schwankungen unterlag auch der Preis für die Gerste als wichtigem Rohstoff der Bierbrauer. Während die Landwirte im Februar 2008 für eine Tonne (t) Braugerste noch 260 Euro erlösten, rutschte der Preis ein Jahr später auf nur noch 150 Euro/t. Die Preisschwankungen wirken sich sehr direkt auf die Anbauflächen auf. Nach dem Preistief 2007 mit durchschnittlich 115 Euro/t haben die Braugerstenanbauer in Niedersachsen die Fläche auf 15.000 Hektar (ha) reduziert, der Preisanstieg 2008 führte zu einer Ausdehnung auf 25.000 ha. Hans-Jürgen Seele als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des niedersächsischen Braugersteanbaus befürchtet daher auf Grund der derzeit niedrigen Preise einen erneuten Anbaurückgang auf 20.000 ha bei der bevorstehenden Frühjahrsaussaat. Die Vermälzungskapazitäten ließen aber eine deutlich größere Anbaufläche zu. (LPD 8/2009)