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"Dachkirschen“ reifen nur dank Hummeln

16. April 2018

Foto: Landvolk

L P D - Noch ist es nicht soweit, aber Bernd Eckhoff rechnet bereits zum Start in die letzte Aprilwoche mit den ersten Kirschblüten im Alten Land. „Die ganz frühen Sorten blühen in den nächsten Tagen, aber es kommt sehr auf den Standort und das Kleinklima an“, sagt der Obstexperte vom Kreisbauernverband Stade gegenüber dem Landvolk-Pressedienst. Auf www.bluetenbarometer.de wird der aktuelle Stand der Kirsch- und Apfelblüte angezeigt. Wenn das Wetter sich hält, rechnet Eckhoff etwa zum 20. April mit der Vollblüte der Kirschen. „Das ist ein durchschnittlicher Termin, und das ist auch gut so“, erläutert er. Blühen die Bäume früher, ist die Gefahr von Spätfrösten ein großes Risiko. Das war im vergangenen Jahr so passiert. Die Bäume standen früh in Blüte, als es noch einmal richtig kalt wurde. Für die Obstbauern folgte das Desaster: Die Blüten erfroren, landesweit wurde kaum eine Kirsche geerntet. „Das Jahr 2016 wollen die Landwirte hier an der Elbe ganz schnell vergessen!“ sagt Eckhoff und blick hoffnungsvoll auf die kleinen Knospen im sogenannten Mausohr-Stadium und wünscht sich „passendes“ Blütenwetter. „Zur Bestäubung darf es nicht zu kalt oder zu nass sein. Bei Kälte fliegen Bienen und Hummeln nicht, und bei Nässe fliegt der Pollen nicht. Aber auch Hitze mögen die fleißigen Bestäuber nicht“, erklärt Eckhoff.

Zwischen Hamburg und der Elbmündung, im Alten Land und im Kehdinger Land befindet sich das größte Obstanbaugebiet Nordeuropas. Auf 9.000 Hektar wachsen dort Obstbäume, 90 Prozent davon sind Apfelbäume, fünf Prozent Kirschbäume sowie einige Pflaumen und Birnen. „Immer mehr Kirschbäume stehen im geschützten Anbau. Die Bäume werden überdacht, um die empfindlichen Früchte vor Regen und Hagel zu schützen“, schildert Eckhoff.  Nachteilig kann sich die Beschattung auswirken, aber auch bei der Bestäubung kann es zu Beeinträchtigungen kommen, da die Bienen hier orientierungslos sind. Für die sogenannten Dachkirschen müssen deshalb Hummeln die Bestäubung übernehmen. Und wenn alles passt, können sich Kirschenliebhaber ab Ende Juni auf die ersten roten und süßen Früchte aus heimischem Anbau freuen! (LPD 29/2018)

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