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Von der Bauernhilfe zum Weltkulturerbe

29. Januar 2018


L P D - In diesem Jahr am 30. März wäre Friedrich Wilhelm Raiffeisen 200 Jahre alt geworden. Grund genug für den Deutschen Raiffeisenverband, eine Geburtstagstorte anzuschneiden und den Gründer der Genossenschaftsidee gebührend zu feiern. Schließlich ist inzwischen jeder vierte Deutsche Mitglied einer Genossenschaft. Die von Raiffeisen ab 1846 gegründeten Vereine waren karitative Hilfsvereine. Zu Beginn der Industrialisierung hungerten weite Teile der Bevölkerung, Missernten verschärften diese Situation. Raiffeisen entwickelte den Ansatz der  gemeinschaftlichen Hilfe zur Selbsthilfe in verschiedenen Vereinen. Er sah zugleich die gewaltigen Fortschritte in der Landwirtschaft. Vielen Bauern fehlte allerdings das Geld, um an diesem Fortschritt teilhaben zu können und in ihre Betriebe zu investieren. Raiffeisen wollte keine Almosen verteilen, sondern über günstige Kredite die Selbsthilfe anschieben. Aus einem Wohltätigkeitsverein wurde der „Heddersheimer Darlehenskassenverein“, die erste Genossenschaftsbank nach heutigem Verständnis. Raiffeisen sah den Schlüssel zu Wohlstand in der Bildung der Menschen und setzte sich außerdem für den Wegebau ein, um landwirtschaftliche Produkte besser transportieren zu können.

Aus den Notgemeinschaften haben sich längst leistungsfähige Unternehmen im Bankensektor, im Gewerbe und in der Agrarwirtschaft entwickelt. In über 100 Ländern mit mehr als 900.000 Genossenschaften und rund 500 Mio. Mitgliedern wird heute die Idee Raiffeisens gelebt. Die Genossenschaftsidee hat sich weit über den landwirtschaftlichen Bereich hinaus entwickelt. Das Modell der gesellschaftlichen Selbstorganisation hat weltweit 800 Mio. Menschen veranlasst, Mitglied in einer Genossenschaft zu werden. In Genossenschaften treffen sich Menschen mit gleichen Interessen, um sich für soziale, kulturelle oder ökonomische Projekte einzusetzen.

Am 30. November 2016 wurde die Genossenschaftsidee und -praxis als erster deutscher Beitrag in die UNESCO-Liste des Immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen. „In den vergangenen Jahren erlebten Genossenschaften weltweit einen Gründungsboom, vor allem in der Kultur- und Kreativszene. In Genossenschaften begegnen sich Menschen als Miteigentümer am gemeinsamen Projekt auf Augenhöhe. Das fordert und fördert Engagement, Gestaltungswillen und Solidarität“ begründet der Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe die Entscheidung. (LPD 8/2018)

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