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455 Hektar Grünkohl wecken Heimatgefühle

16. Oktober 2017

Foto: Archiv

L P D - Mehr als 20.000 Hektar werden in Niedersachsen für den Gemüseanbau genutzt. Auf 455 Hektar davon wächst Heimatgefühl, Tradition und auch ein wenig „Spleen“ mit, schreibt der Landvolk-Pressedienst. Grünkohl hat für die Niedersachsen eine ganz besondere Bedeutung, die sich auch nicht änderte, als das herzhafte Gemüse zu Smoothies zerschreddert oder Einzug in den Wok gehalten hat. Die „Oldenburger Palme“ ist niedersächsisches Nationalgericht und war bereits Trendgemüse und Superfood, bevor diese Wörter Eingang in den täglichen Sprachgebrauch fanden. Dem Grünkohl zu Ehren werden Wanderungen abgehalten, Könige und Königinnen gekrönt und ganz Gaststätten nebst Festgesellschaften in sanften Kohlduft gehüllt. Bereits bei der Zubereitung trifft der Grünkohl, regional auch Braunkohl bezeichnet, auf deftige Beilagen. Im Topf, je größer desto besser, tauschen Kasseler und Bauchfleisch über Stunden Raucharoma gegen Kohlaroma, damit auf dem Teller alles perfekt harmoniert. Goldgelbe Kartoffeln vom niedersächsischen Acker, in manchen Regionen auf jeden Fall auch Bregenwürste, geräuchert oder ungeräuchert, vollenden das Menü, ein „Klarer“ hilft bei der Verdauung.

Die Grünkohl-Hochburg in Niedersachsen mit 330 Hektar ist die Weser-Ems-Region. Konkurrenz beim Anbau macht lediglich Nordrhein-Westfalen mit um die 500 Hektar Fläche. Abgesehen von Schleswig-Holstein mit etwa 25 Hektar Anbaufläche ist der Grünkohlanbau in den anderen Bundesländern nicht weiter erwähnenswert. Die Gesamtfläche lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr bundesweit bei 1.132 Hektar. Mit dem ersten Frost wird die Grünkohl-Saison eingeläutet. Mit dem Geschmack der krausen Blätter hat der Frost allerdings nichts mehr zu tun, sondern lediglich damit, dass dann die Saison für alle anderen Gemüsesorten endet, die kühlen Temperaturen machen Appetit auf Deftiges. In Zeiten begrenzter Lager- und Transportmöglichkeiten war die Gemüseauswahl bis zum Frühjahr sehr beschränkt. Neben Grünkohl gedeihen nur Rosenkohl und Porree im Winter noch im Freiland. Inzwischen ist aus der Not eine Tugend geworden und die Niedersachsen fiebern dem ersten Grünkohlessen der Saison entgegen. Um die Wartezeit zu überbrücken, empfehlen die niedersächsischen Gemüseanbauern einen Blick in den Saisonkalender. Derzeit werden noch zahlreiche andere heimische Gemüsesorten geerntet. Möhren, Kohlrabi, Weißkohl, Steckrüben, Pastinaken, Bohnen, Brokkoli und vieles mehr können die Verbraucherinnen und Verbraucher direkt beim Erzeuger sowie auf dem Bauern- und Wochenmarkt erntefrisch einkaufen. (LPD 77/2017)

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