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Antibiotikaverbrauch in Ställen deutlich gesunken

21. September 2017

Foto: landpixel

L P D - Deutschlands Tierärzte haben den Einsatz von Antibiotika seit 2011 deutlich reduziert, und sie greifen nur in geringem Maße auf sogenannte Reserveantibiotika zurück. Diese Kernaussagen zitiert der Landvolk-Pressedienst aus Veröffentlichungen zum Antibiotika-einsatz in der Nutztierhaltung. Dazu zählt die Auswertung der Antibiotikaabgabemengen an Tierärzte, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) seit 2011 jährlich veröffentlicht, aber auch Daten zum Antibiotikamonitoring bei Schweinen und Geflügel des Qualitätssicherungssystem QS. Die Mengenbilanz des BVL beschreibt seit Beginn der Statistik im Jahr 2011 einen anhaltend positiven Trend, die Menge der an Tierärzte abgegebenen Antibiotika in Deutschland hat sich von 1.706 Tonnen im Jahr 2011 auf 742 Tonnen im Jahr 2016 mehr als halbiert. Diese Mengenstatistik umfasst aber alle Tierarten, vom Hamster bis zum Bullen, wie Tierärzte betonen.

Einen Blick auf den Antibiotikaeinsatz bei Schweinen und Geflügel erlaubt die QS-Statistik. Sie weist einen Rückgang der insgesamt auf veterinärmedizinische Verordnung - und nichts anderes ist in der Tierhaltung erlaubt - verabreichten Antibiotikamengen von 697 Tonnen im Jahr 2014 auf 485 Tonnen in 2016 aus. Im QS-System zeigt sich für Schweine und Geflügel von 2015 auf 2016 somit ein noch deutlicherer Mengenrückgang als in der Gesamtbilanz des BVL – auch bei den „kritischen“ Wirkstoffen wie Cephalosporinen der 3. und 4. Generation, Fluorchinolen, Makroliden und Polypeptid-Antibiotika (Colistin). Damit entkräftet die QS-Statistik zweifelsfrei den Vorwurf einiger landwirtschaftskritischer Gruppen, Nutztierhalter würden mit der Verwendung von sogenannten Reserveantibiotika in Ställen die Antibiotika-Resistenzproblematik verschärfen. Das Landvolk Niedersachsen weist diesen Vorwurf ebenfalls entschieden zurück. „Unsere Tierhalter haben in Zusammenarbeit mit den Tierärzten ein deutlich gestiegenes Problembewusstsein gegenüber dem Einsatz von Antibiotika entwickelt und sind sich im Rahmen des One-Health-Ansatzes ihrer Verantwortung sehr bewusst“, erläutert Landvolkvizepräsident Albert Schulte to Brinke. Zudem müsse nach Einschätzung des Landvolkes der Begriff „Reserveantibiotika“ eindeutig definiert werden. Denn während in der Tiermedizin sogenannte „Reserveantibiotika“ nur einen geringen Anteil an der Gesamtmenge ausmachen,  müssen je nach Quellenangabe etwa 200 bis 300 Tonnen der Humanantibiotika diesen „kritischen“ Wirkstoffen zugeordnet werden. Eine zunehmende Gefahr der Resistenzverbreitung sehen Experten im Zuge der zunehmenden Globalisierung. In vielen Ländern sind Antibiotika freiverkäuflich, werden unsachgemäß eingesetzt, oder  es werden Antibiotika-Rückstände unsachgemäß bei der Herstellung entsorgt.  Nicht selten sind auch Reiserückkehrer, insbesondere aus Asien, mit multiresistenten Erregern besiedelt. (LPD 71/2017)

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