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Kein Erntewetter in Sicht

27. Juli 2017

Foto: Landpixel

L P D - Zu kalt oder zu warm, zu nass oder zu trocken und dann auch noch zu windig – Landwirte sind vom Wetter abhängig und müssen sich damit arrangieren. Aber was die Getreide- und Rapsanbauer derzeit ertragen müssen, geht weit darüber hinaus. Erntereif stehen die Pflanzen auf dem Acker, trotzdem bleibt der Mähdrescher in der Scheune und die Landwirte schauen sprachlos in den grauen Himmel, aus dem es seit Tagen ergiebig regnet. 100 Liter je Quadratmeter und mehr in nur 24 Stunden lassen den Erntebeginn vorerst ins Wasser fallen. Im Frühsommer hingegen, als Raps und Getreide jeden Tropfen Regen dringend zur Ertragsbildung benötigt hätten, war es deutlich zu trocken und die Erwartungen an die Erntemenge ohnehin schon verhalten, schreibt der Landvolk-Pressedienst. Die Gerste ist weitgehend abgeerntet, aber der Dauerregen wird seine Spuren in Weizen, Roggen oder Triticale hinterlassen. Die Pflanzen verlieren durch die Nässe ihre Standfestigkeit und knicken wegen der schweren Ähren ab. In diesem sogenannten Lagergetreide hält sich die Feuchtigkeit noch länger als im stehenden Bestand. Zudem ändern sich die Backeigenschaften des Brotgetreides, da bei Feuchtigkeit das Enzym Alpha-Amylase in den Körnern gebildet wird. Der Landhandel misst die Backeigenschaften in Roggen und Weizen anhand der Fallzahl. Sollte diese zu niedrig sein, weil das Enzym die Stärke zersetzt, kann das Getreide nicht mehr zum Backen sondern nur noch als Tierfutter verwendet werden.

Bevor die Mähdrescher nach der Regenperiode wieder starten können, müssen nicht nur die Körner trocken sein. Die Böden sind wassergesättigt und je nach Beschaffenheit tagelang nicht befahrbar. Abgesehen davon, dass die schweren Maschinen sich trotz optimaler Bereifung im Schlamm festfahren könnten, würden sie auf dem nassen Acker Schäden an der Bodenstruktur verursachen. Außerdem werden die Straßen mehr als in trockenen Jahren verschmutzt. Die Landwirte hoffen auf Rücksicht und Verständnis der Autofahrer und auch der Nachbarn und Anwohner, auch wenn es abends mal wieder später wird. Mit der Rapsernte, die normalerweise vor der Weizenernte erledigt wird, sind viele Landwirte vor dem Regen nicht mehr fertig geworden. Pflanzen und Schoten verfärben sich langsam grau. Die größte Gefahr im reifen Raps ist der Verlust der Samen durch aufplatzende Schoten. Sind diese durch Regen und Sonne bereits mürbe geworden, können die Samen schon durch die Erschütterungen bei der Ernte ausfallen. Nach dem Ende des Regens müssen die Landwirte sich in diesem Jahr entscheiden, ob sie zuerst den Raps dreschen, damit nicht der Ertrag nicht verloren geht, oder ob sie mit dem Weizen beginnen, bevor sich die Qualität weiter verschlechtert. Egal, wie diese Entscheidung ausfällt, im Moment wäre den niedersächsischen Bauern alles lieber als weiterhin tatenlos in den grauen Himmel zu schauen. (LPD 55/2017)

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