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Gemeinsame Aufgabe: resistente Keime vermeiden

04. August 2014

L P D - In öffentlichen Diskussionen über Antibiotika-Resistenzen in Krankenhäusern wird der landwirtschaftlichen Tierhaltung gerne die alleinige Schuld zugeschoben. Wie der Landvolk-Pressedienst berichtet, sprechen die Fakten jedoch für eine gemeinsame Herausforderung von Human- und Veterinärmedizin. „Nach Untersuchungen des Robert-Koch-Institutes sind Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) aus der Nutztierhaltung nur sehr selten verantwortlich für MRSA-Infektionen beim Menschen“, sagt Dr. Friedrich Delbeck vom Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Studien würden vielmehr zeigen, dass haMRSA (im Krankenhaus übertragene MRSA) auch bei Katzen und Hunden vorkommen. Ergebnisse der Freien Universität Berlin zeigen, dass das enge Zusammenleben im Laufe der Zeit zu einem permanenten Austausch des haMRSA-Stammes und damit zu Resistenzen führt, schlussfolgert Delbeck.

Die Übertragung von multiresistenten Erregern durch den Verzehr von Fleisch zweifelt er dagegen an. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten gezeigt, dass nur bei 1,2 Prozent der verglichenen resistenten Echerichia coli von Mensch und Tier Ähnlichkeiten auftreten und dies zu maximal 70 Prozent des Erbgutes. Ebenso zeige eine Studie von Humanmedizinern des Universitair Medisch Center (UMC) in Utrecht, das das Erbgut von ESBL-Keimen auf Menschen sich von dem beim Geflügel unterscheidet. „Die resistenten E. coli, die die Menschen krankmachen, stammen also nicht aus der Tierhaltung“, stellt Delbeck klar. Auch dem Vorwurf Tieremissionen (Abluft und Gülle) führten zur Verbreitung resistenter Keime oder zur Verschärfung des Resistenzdrucks wegen der beinhalteten Antibiotika, erteilt Delbeck eine Absage. „Tatsache ist, dass die meisten Leitkeime in der Abluft bisher nicht nachgewiesen wurden“, sagt der Tiermediziner.

Er lenkt den Blick vielmehr auf eine bislang wenig beachtete Tatsache: Etwa 80 Prozent (ca. 640 t) der rezeptpflichtigen antibiotisch wirksamen Stoffe werden in den hausärztlichen Praxen verschrieben und 20 Prozent (160 t) in den Krankenhäusern. Wobei eine Vorreinigung in Krankenhäusern nicht verpflichtend ist. „Abseits vom Thema Antibiotika gibt es keine öffentliche Diskussion darüber, wie stark belastet unsere Abwässer mit diversen Medikamenten aus dem Humanbereich sind“, wundert sich Delbeck. Da in Deutschland die Resistenzen gerade im Bereich der sogenannten Reserveantibiotika steigen, könne dies rein mengenmäßig nicht aus dem Bereich der Tiermedizin stammen. Trotzdem will Delbeck keine Schwarz-Weiß-Malerei zwischen Tier- und Humanmedizin aufbauen. Vielmehr fordert er übergreifende Grundregeln um dieses Problem gemeinsam zu lösen. (LPD 60/2014)

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