Aktuelles

Experten aus der Schweinehaltung in der Diskussion

01. November 2011


Osnabrücker Veredlungstag  am  20. Oktober 2011
„Es ist eine Bewährungsprobe für unsere ganze Veredlungsbranche, initiiert aus dem Wechselspiel zwischen Markt und Politik“ so beschrieb der Albert Schulte to Brinke die derzeitige Situation der landwirtschaftlichen Betriebe als er im Namen der „Arbeitsgemeinschaft des Osnabrücker Landvolkes“ die diesjährige Veranstaltung eröffnete. Weit mehr als 180 Landwirte waren der gemeinschaftlichen Einladung der Kreislandvolkverbände Osnabrück, Melle, Bersenbrück und Wittlage zum Veredlungstag am 20. Oktober 2011 gefolgt. Thematisch befassten sich die drei Vorträge des Abends mit anschließender Podiumsdiskussion neben dem Niedersächsischen Tierschutzplan auch mit den Verschärfungen im Genehmigungsverfahren von Stallbauvorhaben sowie der aktuellen Entwicklung in der Schlachtschweinevermarktung.

Dr. Heiko Janssen, Fachreferent für Schweineproduktion der LWK Niedersachsen, erläuterte in seinem Vortrag für den Tierschutzplan, den Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann vor einigen Monaten vorgestellt hat. Das Thema Tierschutzplan stellt laut Janssen auch eine große Chance dar, der kritischen Öffentlichkeit anhand von gesammelten Fakten die moderne Tierhaltung zu erklären. „Der Tierschutzplan enthält größtenteils das, was ohnehin in der Öffentlichkeit diskutiert werde, sei es das Kastrieren ohne Betäubung oder das kupieren  von Schwänzen“, so der Experte für Schweineproduktion.

Tierschutzplan – Praxis und Wirtschaftlichkeit nicht aus den Augen verlieren
Durch die breitgefächerte Beteiligung vieler Gruppen, die im Rahmen des beim Niedersächsischen Ministerium eingerichteten „Arbeitskreises Schwein“ gibt es gute Möglichkeiten, miteinander zu sprechen und über Schwierigkeiten in der Umsetzung geplanter Veränderungen zu diskutieren. Neben Landvolkverband, LAVES und LWK sind auch Vertreter der Veterinärämter, Schlachthöfe, Tierschutzbund sowie weitere Verbände eingebunden, um aktiv an den Plänen mitzuarbeiten. Ziel des bisher noch sehr umstrittenen Tierschutzplanes sei, dass Konzepte entwickelt werden müssen, die von allen Beteiligten mitgetragen werden. Von zentraler Bedeutung ist aber nach wie vor, dass bei den erarbeiteten Konzepten auch die wirtschaftlichen Auswirkungen von Maßnahmen bei deren Umsetzung auf den Betrieben Berücksichtigung finden müssen. Da die im Tierschutzplan fixierten Zeithorizonte verbindlich festgelegt seien, ist laut Janssen gerade für das Thema Schwänze kupieren das „Zieldatum“ 2016 sehr problematisch, hier gebe es noch großen Forschungs- aber vor allen Dingen auch Diskussionsbedarf.

Neue Hürden beim Stallbau
Nicht nur in der intensiven Veredlungsregion Weser-Ems ist es für unsere expansionswilligen Tierhaltungsbetriebe in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden, neue Ställe zu bauen. Dieser Trend zieht auch landesweit mittlerweile seine Kreise. Vielfach sind Neubauvorhaben vom näheren Umfeld der Hofanlage nicht gewollt, aber auch von gesetzlicher Seite tun sich immer wieder neue Hürden auf, die in der Regel extreme zeitliche Verschiebungen und darüber hinaus auch höhere Kosten für den Vorhabenträger bedeuten. Über die aktuelle Situation in Sachen „Genehmigungsverfahren bei Stallbauvorhaben“ informierte Ludger Bernhold, Leiter der Landwirtschaftskammer Bersenbrück.
„Grundsätzlich kann damit gerechnet werden, dass die Landkreise zukünftig die Zügel im Genehmigungsverfahren straffer ziehen werden, denn mittlerweile wird von Stallbaugegnern quasi gegen alle größeren Stallbauvorhaben Widerspruch eingelegt“, so Bernhold. Diese Widersprüche werden oftmals damit begründet, dass beispielsweise an bestimmten Standorten eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung in Form eines Gutachtens nachgefordert wird. Auch die Einhaltung von Mindestabständen zu sog. „schützenswerten Waldflächen“ die von Ammoniakdepositionen betroffen sein könnten, wird mittlerweile regelmäßig angezweifelt. Darüber hinaus werden von einigen Landkreisen bereits Brandschutzkonzepte und Keimgutachten verlangt. Mit der anstehenden Novellierung des Baurechts werde es voraussichtlich Einschränkungen bezüglich der Privilegierung landwirtschaftlicher Bauvorhaben geben. Hier sieht Bernhold große Probleme auf die expansionswilligen Landwirte zukommen, über die noch viel diskutiert werden müsse.

Schweinehaltung unter wirtschaftlichem Druck
In ganz Europa stehe die Schweinehaltung unter ökonomischem Druck, erklärte Dr. Albert Hortmann-Scholten, Experte im Bereich der Marktentwicklung. Rechneten bislang alle Schlachtunternehmen mit ein und derselben Abrechnungsmaske ab, so hat sich dieses ab dem 04. Oktober 2011 geändert. Die Schlachtunternehmen verwenden seitdem separate Abrechnungsmasken. Dieses birgt für den Landwirt eine weitere Unsicherheit bei der Vermarktung seiner Tiere. Eine kostendeckende Produktion ist für Ferkelerzeuger auf Grund der hohen Futter- und Energiepreise und des vergleichsweise niedrigen Erlöses momentan nicht möglich. Auch der Schlachtschweinepreis entwickelt sich in diesem Jahr nicht, wie es angesichts der Futter- und Energiepreise notwendig wäre.
Johannes Schürbrock, Vorsitzender des HOL-Veredlungsausschusses, der auch die Moderation der Podiumsdiskussion übernahm, stellte in seinem Abschlussstatement die derzeitige äußerst kritische Situation der Schweinehalter heraus. Die Veredlungsbetriebe brauchen dringend Planungssicherheit, um den wachsenden Herausforderungen, die sich aus Tierschutzplan, Baurecht und Marktentwicklung ergeben, erfolgreich meistern zu können. Glücklicherweise, so stellte Schürbrock fest, arbeiten Landkreis und Landvolkverband in enger Abstimmung gemeinsam daran, gangbare Wege zu finden, die einer zukünftigen Weiterentwicklung unserer Veredlungsregion nicht entgegenstehen.

Bericht und Foto: Karina Buller


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