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Brief an die Chefredaktion der BILD zum Thema Milcherzeugung

11. März 2016


Sehr geehrte Frau Koch,

da stimmt wohl nur der Preisvergleich! Folge 4 Ihres Vergleichs „Wie gut ist Bio wirklich?“  
(BILD 10.03.2016) entbehrt in wesentlichen Fakten jeglicher Grundlage. Besonders empört hat unsere Milchviehhalter die Passage, Landwirte würden vorbeugend jeden Tag Antibiotika ins Futter mischen, damit sich die Euter der Tiere nicht entzünden.

Hierzu einige Fakten: vorbeugender Antibiotikaeinsatz ist verboten! Die Milchwirtschaft kontrolliert seit Jahren bei Abholung der Milch auf Rückstände und Schadstoffe. Antibiotika-Rückstände in der Milch sind absolut nicht zu tolerieren, Käse oder Joghurt beispielsweise wären dann gar nicht herzustellen. Eine antibiotische Behandlung des Euters von Milchkühen beim sogenannten Trockenstellen, also vor den letzten Wochen, ehe ein Kalb geboren wird, verhindert Entzündungen des Euters. Nach dieser Behandlung wird die Kuh nicht gemolken! Zu diesem Thema fügen wir Ihnen ein Faktenpapier zusätzlich an.
Der Beitrag listet im Übrigen eine Reihe häufig geäußerter Vorurteile zu und über Landwirtschaft auf, die durch regelmäßige Wiederholung nicht an Wahrheit gewinnen. Für uns stellt sich hier die Frage nach den Quellen: Wie hat Bild-Reporterin Anne Holstein recherchiert, wo hat sie nachgefragt, was hat Sie konkret verglichen

- Bild schreibt: „konventionelle Landwirte bestellen ihre Äcker meist einseitig. Der Boden laugt aus“. Richtig ist vielmehr, dass Landwirte eine Fruchtfolge beachten und in den vergangenen Jahren die Bodenfruchtbarkeit stetig verbessert haben!

-Bild schreibt: „In der Tierhaltung bedeutet Bio: Hühner, Schweine, Rinder haben Auslauf, werden nicht in engen Ställen gehalten“. Richtig ist, dass Bio-Landwirte großen Wert auf Auslauf legen, konventionelle Landwirte aber in ihren Ställen dem Tierwohl höchste Priorität beimessen, es werden keine Tiere in enge Ställe gepfercht!

-Bild schreibt: „Da Bio-Bauern keine künstlichen Pflanzenschutzmittel spritzen, enthalten Ökolebensmittel auch hier keine chemischen Giftstoffe“. Richtig ist: Die amtliche Lebensmittelüberwachung kontrolliert sehr akribisch auf Rückstände, bis auf wenige Ausnahmen gibt es keine Beanstandungen.

Wir sagen: Bild Dir Deine Meinung, aber nicht mit derart unseriösen Recherchen und falschen Behauptungen! Wir bieten Bild-Reporterin Anne Hofstein an, sich auf konventionellen Höfen umzusehen. Sie wird feststellen können, dass Landwirte verantwortungsvoll und nachhaltig mit ihren Ressourcen umgehen. Nicht zuletzt belegt dies auch die Lebensmittelüberwachung, denn unser Essen war noch sie so gut und so sicher wie heute. Der Beitrag in der Bild-Bundesausgabe bedeutet leider auch eine enorme Rufschädigung, diese trifft viele Landwirte ins Mark, da sie gerade aufgrund der absolut unbefriedigenden Preissituation mit existenziellen Sorgen zu kämpfen haben.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung, und erwarten eine umgehende Korrektur der falschen Angaben. Dabei sind wir gerne behilflich.

Mit freundlichen Grüßen

Jörn Johann Dwehus
Hauptgeschäftsführer

Faktencheck Milcherzeugung