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Mit Treckern gegen kalte Enteignung

17. April 2013

Foto: Mühlhausen

Protest Unruhe im Eichsfeld: Rund 250 Landwirte aus Niedersachsen, Thüringen und Hessen demonstrierten mit 70 Schleppern am vergangenen Donnerstag in Duderstadt (Landkreis Göttingen) gegen das geplante Naturschutz-Großprojekt „Grünes Band Eichsfeld-Werratal“.  LAND & Forst verfolgte die Demo vor Ort.

Sie wehren sich gegen Bestrebungen, großflächig Schutzgebiete entlang der 130 Kilometer langen einstigen innerdeutschen Grenze auszuweisen. Zeitgleich tagte dort die aus 60 Akteuren bestehende projektbegleitende Arbeitsgruppe. Sie ließ sich von der Heinz-Sielmann-Stiftung als Projektträger über die verkleinerte Gebietskulisse informieren.

Das ursprünglich mit 18.000  Hektar angesetzte Areal beträgt jetzt 9.600 Hektar, von denen 1.800 Hektar in Niedersachsen liegen. 29 Prozent stehen bereits unter Schutz.

Die Transparente, die von den Landwirten während der Demonstration hoch gehalten wurden, sprachen eine deutliche Sprache: „40 Jahre Grenze reicht!“, „Kalte Enteignung durch Grünes Band - ohne uns!“ und „Eigentum verpflichtet - Grünes Band vernichtet“.

Während der Veranstaltung wurde deutlich, dass die Nerven bei einigen Betroffenen blank liegen. „Einen Kompromiss wird es mit uns daher nicht geben“, stellte Landwirt Gerhard Teichmann klar. Die Ausweisung eines großflächigen Naturschutzgebietes unterbinde jegliche Entwicklung in den Dörfern in der strukturschwachen Region.

Die von der Stiftung als Projektträger immer wieder genannten Chancen für die Landwirtschaft sehe er nicht:  So solle man nach Ideen der Initiatoren etwa Schafe halten und damit den Lebensunterhalt verdienen - aber mit Schafen ließe sich einfach kein Geld verdienen:  „Der Wollerlös deckt noch nicht einmal den Lohn fürs Scheren“, so Teichmann zu den Demonstranten.

Teichmann betonte, dass die Landwirte dem Naturschutz generell offen gegenüber stünden und auf großen Flächen freiwillig an Vertragsnaturschutzkooperationen teilnehmen würden - aber eben freiwillig, man wehre sich hingegen gegen ein „Überstülpen“ von oben.

Achim Hübner, Geschäftsführer des Landvolks Göttingen und Mitglied der begleitenden  Arbeitsgruppe, bescheinigte dem Projekt nach der Reduzierung auf jetzt 9.600 Hektar „erkennbare Fortschritte“. „Das muss sich allerdings auch im Förderantrag widerspiegeln.“ Hübner sieht durchaus noch Möglichkeiten, zum Kompromiss zu kommen. Man wolle die Situation jetzt in Ruhe bewerten.
Christian Mühlhausen