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Leben auf dem Bauernhof – Arbeit weckt Respekt

09. Februar 2012


Wenn in den Medien über Landwirtschaft berichtet wird, dann allzu häufig in verzerrter Form. Entweder wird der Bauernhof zu einem Ort, wo das Leben beschaulich und die Welt überschaubar ist – oder die „industrielle Landwirtschaft“ steht am Pranger. Volontärin Johanna Leuschen wollte wissen, wie das Leben auf einem Bauernhof wirklich ist – und hat eine Woche auf dem Hof von Susanne und Lars Hogrefe in Neddenaverbergen gewohnt. Am Sonntag, den 12. Februar strahlt der NDR die Sendung „7 Tage… auf dem Bauernhof“ aus.

Susanne und Lars Hogrefe haben drei Töchter, bilden zwei angehende Landwirte aus und bewirtschaften einen Hof mit 130 Milchkühen und 1.700 Mastplätzen für Schweine. Die weiblichen Kälber verbleiben zu 100 Prozent im Betrieb, während die männlichen abgegeben werden. Die Ferkel kommen seit 13 Jahren von einem Sauenhalter, der Weg zum Schlachter in Zeven ist kurz. Zusätzlich bauen die Hogrefes auf 140 ha Roggen, Wintergerste und Mais an und pflegen 80 ha Grünland. Ein Bauernhof, wie er in Niedersachsen keine Seltenheit ist. Auf die Anfrage von Johanna Leuschen, ob sie sich vorstellen könnten, auf ihrem Hof eine Sendung zu drehen, reagierten die Hogrefes durchweg positiv. „Ich bin schon seit langer Zeit der Auffassung, dass mehr Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft betrieben werden muss. Hier hatte ich Gelegenheit, selbst einen Beitrag dazu zu leisten“, erläutert Lars Hogrefe seine Bereitschaft, mit Johanna Leuschen zusammenzuarbeiten. Sie habe sehr freundlich gewirkt und sie vermittelte den Hogrefes den Eindruck, Landwirtschaft „richtig herüberbringen zu wollen“.

Das erste Mal Kühemelken
Die Küche der Hogrefes wurde für eine Woche im Oktober 2011 zum zentralen Startpunkt für Johanna Leuschen und ihren Kameramann und Mit-Autor Lars Kaufmann. Von hier aus ging es mit Lars Hogrefe in den Stall zum Kühemelken. „Ich hatte das noch nie zuvor gemacht. Meine Großeltern hatten zwar einen Hof, aber das ist nur eine Erinnerung an meine Sommerferien, die ich dort als Kind verbrachte.“ Sie sei in Bonn aufgewachsen und lebe seit knapp zehn Jahren in Hamburg – ein typischer Stadtmensch. Besonders beeindruckt war Leuschen von dem Kontrast der Arbeit auf dem landwirtschaftlichen Betrieb zu ihrer Arbeit als Journalistin. Auf dem Betrieb war sie den ganzen Tag über draußen im Einsatz, von sechs bis 19 Uhr. Erstaunt war sie auch über den Abwechslungsreichtum der Arbeit auf dem Hof. „Vielleicht lag es auch am Betrieb, der mit Milchkühen, Schweinen und Ackerbau sehr viel zu bieten hat“, fügt die Volontärin hinzu.

Landwirtschaftliche Arbeit weckt Respekt
Während einige ihrer Bekannten mit Sätzen wie „Ach wie toll, eine Woche Urlaub!“ auf die Nachricht von ihren bevorstehenden sieben Tagen auf dem Bauernhof reagiert hätten, ahnte Leuschen von den Anforderungen des Berufes Landwirt. Die Ahnung bestätigte sich: „Landwirtschaft ist extrem harte Arbeit“, weiß Leuschen jetzt aus eigener Erfahrung. Während der Woche, in der sie bei den Hogrefes wohnte, habe sie großen Respekt vor deren Arbeit entwickelt. „Kurz bevor ich in den Urlaub gefahren bin, brauchte ich Milch und ich kaufte nur einen halben Liter, statt des großen Kartons, um sie nicht später wegschütten zu müssen. Dabei war die kleinere Packung sogar teurer. Manche Dinge sind mir bewusster geworden.“ Lars Hogrefes Erfahrungen als Ausbilder sind auch Johanna Leuschen zugute gekommen, denn von Landwirtschaft hatte sie „keine Ahnung“, Hogrefe habe ihr mit Geduld und Freude alles erklärt und sie anschließend „machen lassen“.

Das erste Mal vor der Kamera
Das erste Mal vor der Kamera zu stehen, sei durchaus etwas gewöhnungsbedürftig gewesen, meint Lars Hogrefe. „Aber auch wenn man das zunächst nicht glaubt, man vergisst sehr schnell, dass alles aufgenommen wird.“ Natürlich müsse man für so etwas prinzipiell offen sein – er selbst würde sich auf jeden Fall wieder zu einem Dreh bereiterklären.
Christian Podlewski

NDR-Sendung "7 Tage die auf dem Bauernhof"