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Harmonie im Cuxland gestört

15. März 2012

Foto: Hildebrandt

Verbandspolitik Die Landwirtschaft genießt im Landkreis Cuxhaven eine hohe Wertschätzung. Das machten die zahlreichen Ehrengäste deutlich, die an der Kreisverbandsversammlung des Landvolks Wesermünde teilnahmen. Dennoch ist die Harmonie zwischen Bauern, Bürgern und Behörden gestört.
Helge Tienken nahm kein Blatt vor den Mund: „Es kann nicht sein, dass wir seit fünf Jahren blockiert werden.“ Der junge Landwirt versucht, seinen Betrieb in Wellen (Beverstedt) zu erweitern. Auf einer Luftaufnahme zeigte er im rappelvollen Saal, was das Problem ist – das nahe gelegene Hofgehölz. Tienken kritisierte, dass der Landkreis Cuxhaven immer neue Gutachten fordert: „Jetzt soll ich sogar eine Blatt- und Nadelanalyse vorlegen.“ Ebenso ergeht es Uwe Fenner, der in Midlum (Land Wursten) anbauen will. Auch er bekommt immer neue Auflagen von der Fachbehörde.

Diese lautstarke Kritik vor 300 Zuhörern gefiel Cuxhavens Landrat Kai-Uwe Bielefeld (parteilos) offensichtlich nicht. Er hatte zuvor betont, dass in der Kreisverwaltung nach Recht und Gesetz entschieden werde, nicht nach Zeitgeist. „Es gibt keinen Paradigmenwechsel. Die Landwirtschaft ist nach wie vor wichtig für uns“, sagte Bielefeld im Hinblick auf die neue rot-grüne Mehrheit im Kreistag. Er forderte dazu auf, den Dialog nicht abreißen zu lassen.

Die Partnerschaft zu den Agrariern unterstrich die sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Daniela Behrens: „Auch die Kollegen von SPD und Grünen haben ein Herz für die Landwirtschaft.“ Der Landvolkverband will ebenfalls die Gespräche mit der Politik intensivieren: Für Anfang Juni werden Rats- und Kreistagsmitglieder auf landwirtschaftliche Betriebe eingeladen.

Landvolk-Vorsitzender Jan Heusmann sprach noch zwei andere Konfliktpunkte an. Zum einen den Wegebau für immer größere landwirtschaftliche Fahrzeuge (wie in Uthlede) und zum anderen der Kampf um Flächen. Landwirtschaftliche Nutzflächen fallen nicht nur dem Naturschutz zum Opfer sondern werden auch als Ausgleichsflächen für Gewerbe - wie dem Hafenbau - herangezogen.
„Wir können es uns nicht mehr leisten, auf Flächen zu verzichten“, sagte Niedersachsens Landvolk-Präsident Werner Hilse. Im Hinblick auf die Agrarreform stellte er klar: „Das siebenprozentige Greening ist falsch!“ Hilse versprach, die Probleme der Wesermünder Landwirte mit dem Niedersächsischen Waldgesetz direkt im Umweltministerium zu diskutieren.

Wesermündes Landwirtschaft boomt. Landvolk-Geschäftsführer Harm Wilkens stellte beeindruckende Zahlen vor. Die Bauern im Cuxland investierten im vergangenen Jahr gut 100 Mio. Euro und erzielten einen Umsatz von annähernd einer halbe Milliarde Euro. Damit ist die Agrarbranche der wichtigste Wirtschaftszweig im Landkreis.

Die positive Entwicklung schlug sich auch bei den Geschäftspartnern nieder: „Genossenschaften verzeichnen Umsatzsteigerungen von bis zu 30 Prozent.“ Auch das Landvolk wächst: Der Verband plant in diesem Jahr an der Bremerhavener Bismarckstraße einen 1,25 Mio. Euro teuren Um- und Ausbau.
Sabine Hildebrandt
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