Aktuelles aus Land und Forst

Agrarpolitik auf dem Stundenplan

16. Februar 2012


Landvolk im Dialog Spannender als manche Schulstunde gestaltete sich die Diskussion mit der Landvolkspitze und Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke in Meppen. Öffentlichkeitsarbeit, Tierhaltung und Antibiotikaeinsatz waren Themen, die bei dem intensiven Meinungsaustausch im Mittelpunkt standen.
Auffallend viele junge Menschen, darunter auch einige Schulklassen, waren der Einladung des Emsländischen Landvolkes und des Kreisvereins Grafschaft Bentheim gefolgt. Mäuschenstill war es im Emslandsaal, wie VEL-Präsident Hermann Wester feststellte, als es in der Veredelungsregion um die Tierhaltung ging. Bei den Nährstoffströmen sei nicht alles richtig gelaufen, meinte Ripke und sah hier auch den Pferdefuß für die Überarbeitung des Baugesetzbuches. Als „überholt und von gestern“ bezeichnete Vizepräsident Heinz Korte die maximale Stickstoffgabe in Höhe von 170 kg/ha auf dem Grünland. Höhere Erträge rechtfertigten eine höhere Düngung von bis zu 230 kg N/ha, regte er an.

Mit großer Sorge verfolgen der Berufsstand und die Politik die öffentliche Auseinandersetzung um die Themen Antibiotika, Keimbelastung und auch Tierschutz. „Unsere Akten mit den Antibiotikadaten verstauben“, sagte Landvolkpräsident Werner Hilse und signalisierte Bereitschaft zur Einsicht in  vorhandene Aufzeichnungen. Vom Tierschutzplan erhofft sich Ripke eine „Ausstrahlung“ weit über Niedersachsen hinaus. Weitere Auflagen dürften aber nicht dazu führen, dass die Betriebe aus der Tierhaltung aussteigen. Genau diese Gefahr sah Heinrich Hus aus Herzlake. Die bei der einzelbetrieblichen Förderung notwendige Mindestsumme hätten Sauenhalter als „miese“, diese Betriebe müssten aber häufig investieren, um überleben zu können. 

Ausgiebig wurde das Thema Öffentlichkeitsarbeit angesprochen. Als ganz wichtig stufte es Hermann Heilker aus der Grafschaft ein. Die Bürger seien an landwirtschaftlichen Themen interessiert, aber Öffentlichkeitsarbeit müsse nachhaltig angeboten werden. Albert Grote aus Lingen bedauerte die heutige veterinärrechtlich verordnete „Abschottung“ vieler Höfe durch hohe Zäune. Früher dagegen seien seine Nachbarn zu einem Besuch über die Diele gekommen und hätten dabei auch einen Blick in die Ställe geworfen. Ripke bedauerte die zunehmend unsachliche Debatte zu landwirtschaftlichen Themen im Landtag. Das systematische Vorgehen einzelner ablehnender Gruppen trage hier Früchte. Kritisch äußerten sich die Landwirte in Meppen aber auch zu einigen Werbebotschaften der Lebensmittelindustrie, die mit der Realität auf den Höfen nicht mehr übereinstimmten.

Für Unruhe sorgte schließlich neben der großen EU-Agrarpolitik noch der im Zuge der Energiewende notwendige Trassenbau. Der Bauernverband habe die Landwirtschaft hier „gut in Stellung gebracht“, lobte Ripke das vom DBV angeregte Nachverhandlungsrecht für Entschädigungszahlungen an Grundeigentümer. Neue Wege will das Land über ein sogenanntes Ampelkataster bei der Suche nach Kompensationsflächen  gehen. Wenn hier die Ampel auf rot steht, sollen wertvolle Landwirtschaftsflächen für den naturschutzrechtlichen Ausgleich tabu sein!
Gabi von der Brelie
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