Knappe Flächen - auch ohne Greening
09. Februar 2012
Landvolk im Dialog Zwei Themen beschäftigen LandwirtschaftsministerGert Lindemann: Die GAP-Reform und die gesellschaftliche Akzeptanz der Land-wirtschaft. Die Landwirte im Bezirk Hildesheim befürchten den Verlust wertvoller Ackerstandorte durch Infrastruktur-, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.
Als unaufhaltsam sieht Landvolk-Präsident Werner Hilse den Strukturwandel in der Landwirtschaft. In diese Diskussion klinke sich das Landvolk deshalb nicht ein. Klar positionieren müsse sich der Bauernverband allerdings zu der daraus resultierenden Konkurrenzsituation am Flächenmarkt. „Wenn große Unternehmen in Ostdeutschland 25.000 ha kaufen, muss der DBV sich klar äußern, ob er dies mitträgt“, sagte Hilse.
Mit Unverständnis reagieren die Landwirte in Südniedersachsen deshalb auf den geplanten grünen Anstrich der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik. Sieben Prozent ihrer Flächen im Rahmen des Greenings stilllegen zu müssen, wenn Land ohnehin der limitierende Faktor ist, ist für Gerhard Teichmann aus Göttingen unvorstellbar: „Der Verband muss sich stärker dagegen stellen!“ fordert er. „Mit dem Greening sollte das Verständnis in der Bevölkerung für die Ausgleichszahlungen erhöht werden“, erklärte der Präsident den Plan von EU-Agrarkommissar Ciolos. Der DBV habe sich deutlich dagegen ausgesprochen.
„Die Diskussion um die GAP wird außerdem sehr emotional geführt. Auch wenn wir die Entwicklungen der Reform nicht umkehren können, so verschafft sich der Bauernverband zumindest mit Sachargumenten Gehör“, sagte Landvolk-Vizepräsident Heinz Korte. Lindemann bezweifelt ebenfalls, dass sich das Greening abwenden lässt. „Mit der strikten Ablehnung dieser unentgeltlichen Stilllegung werden wir nicht durchkommen“, sagte der Landwirtschaftsminister. Deshalb hält er es auch nicht für sinnvoll, um diesen verlorenen Posten zu kämpfen. Lindemann setzt sich für einen geringeren Prozentsatz für ökologische Vorrangflächen je Betrieb und eine höhere Flexibilität ein. Er möchte erreichen, dass Eiweiß- oder Energiepflanzen, außer Mais, dort angebaut
werden dürfen.
„Die Politik müsste dafür sorgen, dass nur dort stillgelegt wird, wo auch viel Mais angebaut wird“, forderte Hartmut Haepe aus Göttingen. „Bei einem Maisanteil von sieben Prozent in der Fruchtfolge schwappe eine Diskussion nach Südniedersachsen, die andernorts verursacht wurde“, sagte auch Willi Teutsch, Landvolk-Geschäftsführer aus Northeim-Osterrode. „Vermaisung“ sei im Süden überhaupt kein Thema.
Durch den Bau von Stromtrassen und den Ausbau der A7 haben viele Landwirte in Südniedersachsen bereits Fläche verloren. „Die damit einhergehenden Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen treffen häufig eben auch genau diese Landwirte“, sagte Teutsch. Sogar Flächenenteignungen wurden den Bauern bereits angedroht. Hier hätten sie aber nichts zu befürchten, beruhigte Lindemann: „Zu einer Enteignung kommt es in den seltensten Fällen.“ Das Landvolk setzte sich seit langem mit Nachdruck für einen finanziellen Ausgleich statt des bisher praktiuzierten Flächenausgleichs ein, sagte Hilse.
Für viel Diskussionsstoff sorgte Erich Hundertmark aus Northeim. In einem der Entwässerungsgräben seiner Gemarkung wurden so hohe Bleiwerte festgestellt, dass der Aushub nicht auf den Acker ausgebracht werden darf. Die Kosten für die Entsorgung des Aushubs sollen nun die Landwirte tragen. Die Verkoppelungsinteressenten führen die Bleibelastung auf die A7 zurück und möchten nicht zahlen. „Es wird es den Landwirten schwer fallen zu beweisen, dass die Belastung von der Autobahn stammt“, sagte Lindemann.
Heike Marheineke
Artikel Übersicht