Aktuelles aus Land und Forst

Öffentlichkeitsarbeit als Daueraufgabe

12. Januar 2012


Landvolk im Dialog Engagiert und ausdauernd diskutierten gut
100 Delegierte des Landwirtschaftlichen Hauptvereins in Ostfriesland (LHV) jetzt in Holtrop mit dem Präsidium des Landvolkes Niedersachsen und Landwirtschaftsminister Gert Lindemann. Tierschutzplan, Flächenfraß oder das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit wurden angesprochen, fortgesetzt werden soll der ostfriesische Dialog bei den Klönabenden in den Zweigvereinen.
Einen Sonderapplaus bekam Minister Lindemann dafür, dass er sich die Zeit für diesen agrarpolitischen Frühschoppen genommen hatte und bei keiner Frage auswich. Mit seinem klaren Bekenntnis zu einer arbeitsteiligen, hoch effektiven und zugleich bäuerlich geprägten Landwirtschaft sah er eingangs keinen Grund  für eine fulminante Agrarwende. Damit sprach er den Bauern aus der Seele. Distanzierter als der Minister beurteilten die Landwirte dagegen die Debatte um den Tierschutzplan. Mit Dirk Agena aus der Krummhörn, der sich über interessierte Tierschützer ärgert, „die mir erklären wollen, wie ich meine Kühe halten soll“, lag Lindemann noch auf einer Linie. Der Minister kritisierte, dass öffentlich-rechtlich Fernsehsender ungeprüft illegal beschafftes Filmmaterial von radikalen Tierschutzorganisationen übernehmen. Manfred Tannen wünschte sich eine EU-weit abgestimmte Position zu Tierschutzthemen, „ehe wir wieder fünf Schritte vorangehen“. Als „Prüfstein“ wertete Landvolkpräsident Werner Hilse die Legehennenhaltung, wo Deutschland mit dem Käfigverbot vorausgeeilt war, viele EU-Länder nun aber nicht nachziehen.
Pestizide, Kunstdünger, Massentierhaltung und Agrarindustrie – mit diesen Begriffen werde Kindern in der Schule die Landwirtschaft erklärt, kritisierte Jörn Peters. Falsche Bilder in Schulbüchern verstimmen Bauern wie den Minister, aber auch in der Öffentlichkeit fühlen sich die Landwirte falsch dargestellt. Johannes Erchinger regte an, die angehenden Landwirte in den Fachschulen und Meisterkursen besser für öffentliche Auftritte zu schulen. In der Pflicht sahen sich in Holtrop „alle Etagen“, wenn es darum geht, um Vertrauen für die Landwirtschaft zu werben. Eine gute Gelegenheit für diese Daueraufgabe bietet der Tag des offenen Hofes am 17. Juni!
Einen „öffentlichen Aufschrei“ wünschte sich Detlev Grüßing gegen die Greening-Vorschläge, die EU-Agrarkommissar Dacin Ciolos in seinem Reformpaket formuliert hat. Aber auch Flächenfraß und weitere Kompensationsverpflichtungen nach dem Naturschutzgesetz müssen im Tempo deutlich gedrosselt werden, waren sich Landwirte und Lindemann einig. Nach Angaben von LHV-Präsident Erich Hinrichs beanspruchen allein die Vogelschutzgebiete in Ostfriesland bereits jede fünfte Fläche, und zwar die mit besten Bodenpunkten! Er wollte das Geld aus Kompensationszahlungen in Pflege und Vertragsnaturschutz lenken und befürchtete im Rahmen der Energiewende einen noch weiter steigenden Landverbrauch. Im Gespräch bleiben, Meinungen austauschen und Anregungen aufnehmen, dazu boten die vier Stunden Dialog dem Landvolkpräsidium, dem Minister und auch den Landwirten reichlich Gelegenheit.
Br
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