Aktuelles aus Land und Forst

Mit Optimismus in das Neue Jahr!

22. Dezember 2011

Portrait des Landvolkpräsidenten Werner Hilse

Landvolkpräsident Werner Hilse

Liebe Bäuerinnen und Bauern,
liebe Leserinnen und Leser,
vieles ist im abgelaufenen Jahr auf uns eingestürmt: Dioxinkrise, Energiewende, Tierschutzplan und Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik sind nur einige der ganz großen Themen aus den vergangenen zwölf Monaten. Das Landvolk Niedersachsen hat sich intensiv mit diesen Herausforderungen auseinandergesetzt, sie als Betriebsleiter haben in Gedanken sicherlich schon die Auswirkungen auf ihre Höfe durchgespielt, oder sogar selbst zu spüren bekommen. Zusammen stellen wir am Ende des Jahres fest, nicht alle Fragezeichen konnten ausgeräumt, nicht alle Arbeitsaufträge für uns zufriedenstellend abgearbeitet werden.

Nach der Dioxinkrise bleibt für uns Landwirte die Haftungsfrage nach wie vor offen, hier werden wir die Futtermittelwirtschaft und die Politik nicht aus ihrer Verantwortung entlassen und eine befriedigende Lösung einfordern. Die Energiewende ist politisch beschlossen, die praktische Umsetzung wird gerade der Landwirtschaft und dem ländlichen Raum einiges abverlangen. Hier sind wir erneut gefordert und wollen uns, wo wir können, mit einbringen. Insbesondere dem Anspruch beim Leitungsbau und der Inanspruchnahme von wertvollen landwirtschaftlichen Nutzflächen gilt unser besonderes Augenmerk. Wie auch bei anderen Infrastrukturmaßnahmen dürfen und wollen wir nicht mehr zulassen, dass nach wie vor das wertvollste Gut dieser Erde, unser Grund und Boden, dem Flächenfraß geopfert wird. 

Einen hohen Einsatz verlangt uns allen das von den Medien  getriebene, zunehmende Unbehagen vieler Mitbürgerinnen und Mitbürger gegenüber moderner Tierhaltung ab. Landwirtschaftsminister Gert Lindemann sucht den Konsens über die Diskussion zum Niedersächsischen Tierschutzplan. Das Landvolk verweigert sich einer fachlichen und konstruktiven Mitarbeit nicht. Auch stellen wir uns der Diskussion mit Verbraucherinnen und Verbrauchern, so zum Beispiel auch wieder im kommenden Jahr beim Tag des offenen Hofes. Viele in den Raum gestellte Vorurteile sind fachlich wenig basiert. Hier sind wir alle gefordert, uns immer wieder zu Wort zu melden und im Gespräch mit Nachbarn und Kunden oder Schülern und Politikern Basisaufklärung zu betreiben. Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung ist ein  Fundament unserer Höfe und weitaus besser als ihr vermeintlicher Ruf.
Die Diskussion mit der Öffentlichkeit hat auch den Vorschlägen zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik ihren Stempel aufgedrückt. Die von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos in die Debatte eingebrachten Begriffe wie Greening oder aktiver Landwirt sollen die kritische Distanz vieler Mitbürger gegenüber der EU-Agrarpolitik verringern. Sie müssen sich allerdings auch bei der vorgeschlagenen Extensivierung, die einer Stilllegung gleichommt, fragen lassen, ob sie es verantworten können, den Hunger auf dieser Welt noch zu vergrößern. Weltweit nimmt die Ackerfläche stetig ab. Jeder Hektar Land gibt mindestens vier Menschen Nahrung. Deutschland ist sogar Nettoimporteur und bedient sich somit als Käufer an den Weltmärkten. Wer kann eigentlich eine Politik verantworten, die künstlich Flächen aus der Produktion nimmt? Hier sind von jedem, auch den NGO’s, Ethik und Moral gefordert.  Allen diesen Herausforderungen zum Trotz: Wir Bauern haben Grund zum Optimismus! Die wachsende Weltbevölkerung, der Wunsch der Gesellschaft nach Bioenergie, die Sehnsucht der Menschen nach Natur, diese mitunter widerstreitenden Ansprüche können und wollen wir alle erfüllen. Unser Berufsstand  hat in der Vergangenheit immer wieder von den Visionen einiger Pioniere profitiert. Ich vertraue darauf, dass wir auch die aktuell anstehenden Probleme im konstruktiven Dialog mit unseren Kritikern lösen. Mit Beharrungsvermögen und dem wehmütigen Blick zurück kann man nicht nach vorne marschieren. Gefragt sind heute selbstbewusste Unternehmerinnen und Unternehmer mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein und Mut zur Zukunft. Dies zeichnet unsere jungen Bäuerinnen und Bauern aus und stimmt mich so optimistisch.

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich einen harmonischen und friedvollen Start in das neue Jahr sowie Gottes Segen, Gesundheit und Glück.
Ihr Werner Hilse
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