Akzeptanz wird zum Erfolgsfaktor
15. Dezember 2011
Landvolk Von Verantwortung sprach Landvolkpräsident Werner Hilse, aber auch von Akzeptanz und sachlichen Auseinandersetzungen. Unübersehbar beherrschte die in Teilen der Gesellschaft geäußerte und von vielen Medien aufgegriffene Kritik an der Tierhaltung die Mitgliederversammlung des Landvolkes Niedersachsen in Hannover. Umso mehr Beifall gab es, als Landwirtschaftsminister Gert Lindemann zusicherte, bei den in seinem Tierschutzplan vorgegebenen Themen „Lösungen im Konsens“ erarbeiten zu wollen.Nachhaltig und verantwortlich wirtschafteten moderne und weltoffene Landwirte, stellte der alte und neue Landvolkpräsident heraus. Er betonte aber zugleich, die unternehmerische Freiheit sei eng mit Verantwortung verknüpft. Und zwar mit der Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Verbrauchern, Umwelt und Tieren. Moderne Betriebe mit einer hoch technisierten Präzisionslandwirtschaft seien besser in der Lage, die neuen Herausforderungen der heutigen Gesellschaft anzunehmen. Und jeder neue Stall bedeute auch Fortschritt in Sachen Tierschutz. Umso mehr schmerzten die von einigen Organisationen geschürten Angriffe gegen die moderne Landwirtschaft. In der Spitze äußerten sie sich in persönlichen Anfeindungen und jüngster Zeit sogar Brandanschlägen auf Betriebe. „Das tut weh“, sagte Hilse und fügte unter dem Beifall der Delegierten an: „Das dürfen wir nicht zulassen“. Hauptgeschäftsführer Jörn Dwehus hatte in seinem Geschäftsbericht dazu auch den Schutz und die Solidarität der Politik eingefordert, gleichwohl die Landwirte zu mehr Sensibilität gegenüber Nichtlandwirten aufgerufen.
Hilse rief die Landwirte dazu auf, sich mit Kritikern sachlich auseinander zu setzen, um Akzeptanz zu werben und Meinungen umzudrehen. Der Bauernverband macht dies auf Initiative Hilses im Rahmen der Diskussion zum Leitbild. Akzeptanz in der Gesellschaft sei notwendig für die Entwicklung der Betriebe, aber auch für Politiker, um vernünftige Rahmenbedingungen setzen zu können. Von der Politik forderte Hilse mehr Klarheit und Nachhaltigkeit, auch über die Wahlperiode und den Politikwechsel hinaus. Im Rückblick auf das Jahr 2011 meinte der Landvolkpräsident, Krisen kämen manchmal so schnell, dass die Politik sie kaum abarbeiten könne.
Keine Sonntagsrede, sondern einordnende Worte versprach Minister Gert Lindemann und widmete diese zunächst der anstehenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Heftige Kritik äußerte er in diesem Zusammenhang an den Greening-Vorschlägen: „Zwangsstilllegungen passen einfach nicht in die Zeit“, lag er mit dem Berufsstand auf einer Linie. Er distanzierte sich von fundamentaler Kritik an moderner landwirtschaftlicher Tierhaltung und sah keine Notwendigkeit für eine grundsätzliche Abkehr von einer arbeitsteiligen hoch intensiven Tierproduktion. Dem Verbraucher müsse vermittelt werden, dass moderne Landwirtschaft neben ökonomischen Vorteilen auch Verbesserungen im Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutz ermöglicht hätten. „Diese Tatsache hat bislang keinen Eingang in die gesellschaftliche Betrachtung gefunden“, bedauerte der Minister.
Den von ihm initiierten Tierschutzplan wertete er als einen Baustein auf dem Weg zu mehr Akzeptanz, betonte aber als ausdrückliches Ziel, „Lösungen im Konsens“ zu erarbeiten und diese ohne totalen Systemwechsel zu erreichen. Zum Antibiotika-Einsatz stellte er klar, es gebe keine Hinweise, dass diese über das Fleisch auch auf dem Teller des Verbrauchers ankämen. Das Problem seien vielmehr Resistenzen bei Krankheitserregern, denen Lindemann über Minimierungsstrategien begegnen will.
Als überzeugter Europäer ging DBV-Präsident Gerd Sonnleitner zunächst auf die Vorschläge von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos zur GAP-Reform ein. Er distanzierte sich von Formulierungen wie ökologische Vorrangflächen, damit werde Landnutzung einer Verschmutzung gleich gestellt. Attraktive Landschaften sah der Bauernpräsident aber genau dort, wo auch eine intensive Landwirtschaft betrieben werde, die zudem sehr sichere Nahrungsmittel erzeuge. Sonnleitner bezeichnete den Vorschlag des Agrarkommissars schlicht als Stilllegung und hielt dagegen: „Wir brauchen heute jeden Hektar“.
Wie Hilse und Lindemann reichte Sonnleitner Kritikern der modernen Tierhaltung symbolisch die Hand. Die Landwirte müssten sich mit ihnen zusammensetzen, damit man einander verstehe und Bereitschaft zu Korrekturen in der Tierhaltung anbieten. Keine Abstriche dagegen wollte der Bauernpräsident am Baurecht zulassen: „Die Privilegieriung ist mit heilig“. Lindemann unterstrich dies nur für die bäuerliche Landwirtschaft.
Vieles bekämen die Landwirte in den Griff: Markt, Produktion und auch Witterung, verdeutlichte Vizepräsident Franz-Josef Holzenkamp in seinem Schlusswort. Schwieriger werde es mit der Politik, sagte er, selbst als Bundestagsabgeordneter gewählt. Im Dialog mit der Gesellschaft müsse die Landwirtschaft für mehr Transparenz sorgen, damit sie Zukunfts- und Wachstumsbranche bleibe.
Gabi von der Brelie
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