Angespannte Versorgungsbilanzen lassen Preisspielräume zu
08. September 2010
Getreidemarkt Ein optimistisches Bild des gegenwärtigen Getreidemarktes zeichnete Landvolk-Marktreferent Werner Bosse. Gegenwärtig sei der heimische Markt zwar noch in der Preisfindungsphase, die Terminmärkte ließen vorerst aber keine starken Preissenkungen erwarten, vielmehr seien Preissteigerungen möglich. Vor dem Hintergrund weltweit angespannter Versorgungsbilanzen sei die Preiserholung an den Terminbörsen in Europa sogar weiter fortgeschritten als in den USA. Allein die niedersächsische Ernte sei um 900.000 t kleiner ausgefallen, wobei die Probleme mit dem noch nicht geernteten Weizen noch gar nicht berücksichtigt seien. Es gebe eine Konkurrenz der verschiedenen Verwertungsrichtungen um knappere Mengen.
Zwar gebe es ein umfangreiches Qualitätsproblem, wer aber gute Ware habe, könne damit in der gegenwärtigen Phase wohl „geizig" sein. Zugleich mahnte Bosse aber, den Markt trotzdem zu versorgen. Sonst drohe die Gefahr, dass bis zum Ende der Vermarktungssaison gehortetes Getreide durch Importe unter Druck gerate. Führende Exporteure wie Osteuropa, Kanada und die EU hätten in diesem Jahr weniger Ware verfügbar, die Exporte verlagerten sich aber auf die USA. Bereits jetzt sei Weizen von dort unterwegs, auch wenn dieser zur EU-Ware auf dem hiesigen Markt wegen der Transportkosten preislich noch nicht sehr konkurrenzfähig sei.
Problematisch aufgrund der massiven Qualitätsprobleme bei der diesjährigen Weizenernte sei für viele Bauern die Erfüllung von Vorverträgen. Wer im Frühjahr zu den damals noch recht niedrigen Preisen Vorverträge für die neue Ernte abgeschlossen habe und nun die vereinbarte Qualität nicht liefern könne, müsse unter Umständen sogar teure Deckungskäufe tätigen, um die Verträge zu erfüllen. Bosse bezweifelte, dass bei Erfüllungsproblemen so leicht aus den Verträgen auszusteigen sei, wie mitunter dargestellt.
Grundsätzlich sei deshalb die künftige Vertragsgestaltung zu überdenken. Auf diesem Gebiet werde es für die Winterarbeit des Verbandes noch viel zu tun geben, um gemeinsam mit Handel und Genossenschaften Lösungen zu finden, sagte Bosse.
Klaus Labahn