Gläserner Hähnchenstall als Informationsangebot
08. September 2010
Geflügelhaltung Der nach einem Brandanschlag zerstörte Hähnchenmaststall in Sprötze im Landkreis Harburg soll wieder aufgebaut werden. Dort wird eine „gläserne Mastanlage" mit Besucherraum entstehen, aus dem die Tiere im Stall beobachtet werden können. Das kündigte die betroffene Landwirtsfamilie Eickhoff gegenüber Journalisten an. Derzeit laufen die Aufräumarbeiten auf dem Gelände.
Das Landvolk Lüneburger Heide und der Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft versprachen ihre Unterstützung. „Das war ein Anschlag gegen die Agrarpolitik insgesamt", betonte Rudolf Meyer, Vorsitzender des Landvolks Lüneburger Heide. In dem bundesweit einmaligen Fall gelte es, ein Signal zu setzen. „Es ist unerträglich, wenn im Zusammenhang mit gesetzeskonformen Stallungen von Tierquälerei gesprochen wird. Diese Sensationshascherei muss aufhören", forderte Meyer.
Wilhelm Hoffrogge, Vizepräsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft, sah den Neubau, bei aller Tragik, auch als Chance: „Wir wollen als Verband den Dialog über moderne Geflügelhaltung. Hier vor den Toren Hamburgs ist die Mast noch relativ unbekannt. Der neue Stall wird uns eine Gelegenheit geben, die Verbraucher offensiv zu informieren. Er schloss in seine Einladung ausdrücklich Tierschutzverbände mit ein.
Der Grüne-Ortsratpolitiker Gerhard Ulrich aus Sprötze betonte, dass sich seine Partei für den Stallbau ausgesprochen habe: „Hier wird regional erzeugt und Futter von benachbarten Flächen verwertet. Das ist für uns ein kleineres Übel als Hähnchen aus Asien."
Derzeit laufen die Abrissarbeiten an dem ausgebrannten Objekt. In der Nacht zum 30. Juli war der mit viel Eigenleistung fertig gestellte Stall Opfer der Flammen geworden. Der Schaden beträgt rund 500.000 Euro. Gutachter prüfen nun, ob die übrig gebliebenen Grundmauern und die Bodenplatte bei einem Neuaufbau genutzt werden können. Vor dem Brand hatten in Buchholz Aktivisten der Tierbefreierszene gegen den Stall demonstriert. Zur Ergreifung der Täter wurde eine Belohnung von 25.000 Euro ausgesetzt, dennoch blieb sie bisher erfolglos.
Andreas Hastedt, Geschäftsführer des Maschinenrings Harburg, koordiniert die Aufräumarbeiten und kann sich auf viele freiwillige Helfer stützen.
Gerhard und Angela Eickhoff sehen sich unterdessen immer noch Schmähbriefen und beleidigenden E-Mails ausgesetzt. Indirekt hätten einige Absender sogar gedroht, den Maststall nach dem Wiederaufbau erneut zu beschädigen. „Wir machen nichts Unrechtes und werden diesen Leuten nicht nachgeben", sagte der 23-jährige Junior Malte. Mutter Angela unterstützt ihn: „Wir behalten den Kopf oben, es muss weiter gehen."
SH