Auf die Mischung kommt es an
01. September 2010
EIN KOMMENTAR VON Gabi von der Brelie
Vielstimmig ist der Chor, der sich derzeit zur künftigen Energieversorgung in Deutschland äußert. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht die Debatte um die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke. Darüber kommt die Diskussion über ein schlüssiges Energiekonzept für den Standort Deutschland zu kurz. Der Atomkraft fehlt in weiten Kreisen der Bevölkerung die gesellschaftliche Akzeptanz. Sie wird auch mit Blick auf die weiter ungelöste Endlagerfrage zu Recht als „Brückentechnologie" bezeichnet. Im Fokus steht daher nur die Frage, wie lange diese Brücke noch tragen kann oder muss.
Zweifelsfrei werden erneuerbare Energien zukünftig eine Schlüsselposition bei der Energieversorgung einnehmen, das gilt für Strom ebenso wie für Wärme oder Kraftstoffe. Frei von politisch ambitionierten Zielvorgaben muss aber auch deren Rolle in einem Gesamtkonzept gesehen werden. Das technisch machbare Szenario muss wirtschaftlich sinnvoll sein, und die wissenschaftlich umsetzbaren Ideen müssen gesellschaftlich akzeptiert sein. Gerade unter diesem letzten Punkt haben auch erneuerbare Energien zu leiden. Galten beispielsweise die Windmüller zunächst als Motor des Fortschritts, sahen sie sich schon bald darauf mit dem Vorwurf konfrontiert, die Landschaft zu „verspargeln". Der Begeisterung für die Bioenergie folgte die Angst schürende „Teller-oder-Tank"-Debatte. Die saubere Photovoltaik trägt den Makel hoher Kosten.
Die rein sektorale Betrachtung wird kein schlüssiges und überzeugendes Energiekonzept liefern, das zudem den Ansprüchen des Klimawandels, der Versorgungssicherheit und auch Wirtschaftlichkeit gerecht wird. Die großen Energieunternehmen werden sicherlich ihre Macht teilen und nach Alternativen zum Atomstrom Ausschau halten müssen. Innovative regionale Versorgungsunternehmen machen es ihnen vor, wie in Kooperation mit landwirtschaftlichen Unternehmen ein guter Mix erneuerbarer Energien sicher und preiswert genutzt werden kann. Und schließlich müssen auch die Verbraucher mitziehen und das noch vorhandene Einsparpotenzial intensiver ausschöpfen.
Deutschland hat unendlich viel Energie, wirbt die Agentur für erneuerbare Energien. Diese Vielfalt muss in einem überzeugenden Gesamtkonzept nur richtig genutzt werden.
Gabi von der Brelie