Wenn das Wasser zu knapp wird ...
01. September 2010
Klimawandel Waren zwei trockene Vegetationsperioden nacheinander Zufall oder Vorboten des Klimawandels? Auf jeden Fall nehmen die Bauern die Herausforderung an und stellen sich der Frage, was wäre, wenn das Wasser knapp wird. Eine Pressefahrt der Landwirtschaftskammer Niedersachen in den Raum Uelzen zeigte Möglichkeiten der Anpassung auf.
asser werde zum Dreh- und Angelpunkt, sagte Kammerpräsident Arendt Meyer zu Wehdel und wies auf Expertenprognosen hin, wonach die Niederschläge im Winter zunehmen, im Sommer aber abnehmen werden und zugleich mehr Starkregen auftritt. Die Landwirte könnten darauf reagieren, indem sie den Boden schonten und sparsam mit Wasser umgingen. Zugleich werde aber auch die Beregnung zunehmen.
Damit künftig genug Wasser zur Verfügung stehe, müsse die Grundwasserneubildung gefördert werden.Auch Wissenschaft und Politik seien gefordert, um Strategien und langfristig wirksame Maßnahmen zu entwickeln. Beispielhaft nannte Meyer zu Wehdel die Züchtung neuer Sorten, die Entwicklung neuer Landnutzungs- und Bewässerungstechniken, Maßnahmen zur Stabilisierung des Landschaftswasserhaushalts und nicht zuletzt Maßnahmen zur Speicherung der Winterniederschläge.
Fläche vervierfacht
Die Bauern im nordöstlichen Niedersachsen als der niederschlagsärmsten Region und zugleich mit leichten Böden ohne große Speicherkapazität sind schon lange mit diesen Problemen konfrontiert. So hat sich hier die Beregnung besonders intensiv und nahezu flächendeckend entwickelt. Ohne Beregnung seien Ertragsverluste bis zu 100 Prozent zu erwarten, sagte Meyer zu Wehdel. Die sechs Heidekreise sind mittlerweile das größte zusammenhängende Beregnungsgebiet in Deutschland. Niedersachsen insgesamt weist 300.000 ha Beregnungsfläche auf, das ist mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Beregnungsfläche von 560.000 ha. Seit 1959 hat sich diese Fläche in Niedersachsen mehr als vervierfacht.
Zukünftig werde mit dem Klimawandel der sparsame und effiziente Einsatz des Wassers noch größere Bedeutung erlangen, unterstrich Monika von Haaren von der Bezirksstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer. Bereits jetzt könne in Bereichen der Ostheide eine Absenkung des Grundwassers festgestellt werden. Es komme deshalb entscheidend darauf an, das vorhandene Wasser besser zu nutzen.
Effizientere Nutzung
Beispielhaft nannte von Haaren die Arten- und Sortenwahl sowie die Anbautechnik. Entsprechende Untersuchungen werden auf dem Versuchsstandort in Hamerstorf bei Uelzen im Rahmen der Modellvorhaben Klimzug-Nord sowie Aquarius gefahren, unter anderem wird dort der Anbau von Teff, einer äthiopischen Hirseart, getestet. Außerdem müsse das Wasser besser konserviert werden durch Verringerung der unproduktiven Verdunstung sowie Verbesserung des Wasserhaltevermögens der Böden und Erhöhung der Infiltration.
Allerdings erwartete von Haaren zurzeit nur geringe Fortschritte durch diese Maßnahmen, da Neuerungen auch schon in der Vergangenheit immer schnell übernommen worden seien. Zudem hänge die Kulturartenauswahl vom monetären Beitrag zum Betriebseinkommen ab. Gleichwohl müssten alle Möglichkeiten, die Landbewirtschaftung an sich ändernde Klimabedingungen anzupassen und Negativwirkungen abzuschwächen, genutzt werden. Von Haaren hielt die Bewältigung der Klimaänderungen zumindest in Mitteleuropa bei rechtzeitiger Anpassung für machbar. Allerdings gebe es keine globalen Lösungen, umso wichtiger seien regionale und lokale Anpassungsmaßnahmen.
Kreisregner sparen
Als besonders zukunftsweisend stellte von Haaren stationäre Kreis- und Linearberegnungsanlagen heraus. Sie bringen gegenüber herkömmlichen Beregnungsmaschinen eine erhebliche Einsparung an Wasser, Energie und Arbeit. Zudem seien große Synergien möglich durch Biotopvernetzung und Biotopentwicklung auf Flächen, die für die Großflächentechnik nicht geeignet sind. Allerdings erfordere der Einsatz derartiger Anlagen eine umfassende Umgestaltung der Kulturlandschaft, da pro Anlage eine Fläche von mindestens 30 ha erforderlich sei. Dies sei mit hohem Planungs- und Abstimmungsaufwand und damit Kosten verbunden.
Landwirt Lutz Meyer aus dem Suhlendorfer Ortsteil Güstau, der bereits drei Kreisberegnungsanlagen einsetzt, lobte besonders den geringen Arbeitsaufwand. Der Wasserverbrauch sei durch genauere Verteilung um 20 Prozent gesunken, der Energieaufwand durch die Verregnung mit Niederdruck sogar um 50 Prozent. Innerhalb von vier Jahren seien damit die Mehrkosten der Anlage wieder eingespielt.
Als von herausragender Bedeutung wurde bei der Pressefahrt die Förderung der Grundwasserneubildung dargestellt. Hier kommt der Forstwirtschaft eine wichtige Rolle zu. Im Mittelpunkt steht dabei der Umbau der Kiefernwälder in Mischwälder mit einem Drittel Buchenanteil. „Die Buchen sind durch ihre glatte Rinde regelrechte Regenwassersammler", sagte Bezirksförster Werner Küpker vom Forstamt Uelzen. Gegenüber Kiefern werde die Grundwasserneubildung um 60 Liter je m2 erhöht. Küpker berichtete von einer großen Bereitschaft der Waldbesitzer zum Umbau, getrieben von der Sorge, ihre Wasserentnahmerechte zu erhalten und Kürzungen zu vermeiden.
Alternative Wege
Beregnungsfachmann Ekkehard Fricke von der Landwirtschaftskammer forderte aber auch zum Nachdenken über alternative Wege auf und brachte die Zweitnutzung von bereits gefördertem Grundwasser in die Diskussion. „Warum muss gereinigtes Abwasser aus den Klärwerken in die Flüsse eingeleitet werden?", fragte er. Die Versickerung im Wald könne dagegen den Bedarf an Grundwasser mindern und zugleich die Grundwasservorräte auffüllen. Dazu müssten allerdings „behördliche Hemmnisse aufgebrochen" werden. Anderen Alternativen wie der Speicherung der Winterniederschläge in Becken oder der Entnahme von Oberflächenwasser in größerer Entfernung stünden dagegen hohe Kosten entgegen.
Klaus Labahn