Aktuelles aus Land und Forst

Unakzeptable Kampagnen gegen Tierhalter

25. August 2010

Landvolk-Präsident Werner Hilse

Kommentar Über unterschiedliche Ansichten lässt sich diskutieren, sicherlich auch streiten. Polemik und rein ideologisch geprägte Kritik aber sind Ausdruck von Unwissenheit oder gar Willkür. In Niedersachsen hat sich gerade in den vergangenen Monaten gegen die moderne Tierhaltung ein Klima der Ablehnung aufgebaut, das in dem Brandanschlag von Sprötze und der Brandstiftung auf dem Betrieb des Ehemannes von Agrarministerin Astrid Grotelüschen einen verabscheuungswürdigen und unrühmlichen Höhepunkt erreicht hat. Wenn dann noch Morddrohungen hinzukommen, werden Erinnerungen an die dunkelsten Zeiten unserer Geschichte  wach. Wenn Menschen in ihrer Berufsfreiheit derart massiv und hinterhältig bedrängt werden, dass sie um Hab und Gut sowie Leib und Leben fürchten müssen, sind der Rechtsstaat und die Gesellschaft gefragt.

Selbst ernannte Tierschutzorganisationen sowie ihre politischen Sympathisanten haben eine Hatz auf investitionswillige Landwirte eröffnet. Hier fällt auch den Medien eine verantwortungsvolle Rolle zu. Es klingt wie Hohn in den Ohren der Betroffenen, wenn sich ihre Kritiker anschließend unisono mit Unschuldsmiene von der Gewalt distanzieren, die sie mit ihren Anschuldigungen zuvor geschürt haben. Agrarministerin Grotelüschen musste vor dem Agrarausschuss und im Landtag Rede und Antwort stehen. Anhaltspunkte für ein Mitverschulden an den von Peta angeprangerten  vermeintlichen Verstößen gegen den Tierschutz haben sich nicht ergeben. Deshalb gilt in Deutschland für Sie die Unschuldsvermutung.

Offensichtlich aber reiben sich ihre politischen Gegner aus einem ganz anderen Grund an der neuen Agrarministerin: Sie werfen ihr fehlende Neutralität vor.  Die Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landentwicklung hat Ernährungs- und Haushaltswissenschaften studiert und berufliche Erfahrungen in der  Ernährungswirtschaft gesammelt. Wer könnte besser als sie die Themenbereiche Ernährung und Verbraucherschutz abdecken? Die Mitarbeit im Betrieb ihres Ehemannes, einer Putenbrüterei, wird ihr als zu große Nähe zu „Agrarindustrie und Massentierhaltung“ angekreidet. Sollen etwa Fachverstand und Kompetenz in landwirtschaftlichen Fragen  im Agrarministerium  keine Rolle mehr spielen? Sollte das Justizministerium für Juristen ebenso tabu sein wie das Wirtschaftsministerium für einen Ökonomen? Immer mehr Bürger wünschen sich Fachleute in der Politik, aber offensichtlich wird hier mit zweierlei Maß gemessen.

Die Landwirtschaft hat nicht erst aus der BSE-Krise gelernt, dass Verbrauchervertrauen wichtig ist. Kritische Konsumentenstimmen sind willkommen und werden ernst genommen. Die jüngsten Angriffe gegen landwirtschaftliche Tierhalter und die Kampagne gegen die Landwirtschaftsministerin sind unakzeptabel. ,  Sie warnen uns, alle solidarisch hinter unserer Rechtstaatlichkeit zu stehen. Hier haben Fanatismus und Extremismus keinen Platz. Alle Organisationen, Parteien und wir alle, die den Frieden nicht aufs Spiel stellen, sollten uns mit aller Macht gegen die Entgleisungen stellen und sie verurteilen. Freiheit, Recht und Ordnung sind das höchste zu verteidigende Gut der Menschheit. Die bäuerliche Landwirtschaft stellt sich den Herausforderungen der Zukunft. Sie wirtschaftet im Sinne der Nachhaltigkeit. Hierzu gehören moderne Stallanlagen genauso wie moderne Technik in unserem täglichen Umfeld. Ein Höchstmaß an Tier- und Verbraucherschutz ist dabei selbstverständlich.     Werner Hilse

Weitere Kommentare zu dem Thema:

"Wir sind zu Recht stolz auf unsere Rechtsstaatlichkeit, die in Gesetzen und Normen die Grundlage für gesellschaftlichen Konsens und auch Wohlstand gelegt hat. Wer dies mit eigenen Moralvorstellungen in Frage stellt, handelt kriminell."    Erich Hinrichs, Ostfriesland

"Wir Landwirte lehnen Gewalt ab und erwarten diese Grundhaltung auch von Kritikern, aber wir diskutieren gern mit ihnen über die Zukunft der Landwirtschaft. Vor der Öffentlichkeit müssen wir nicht verbergen, wie wir Tiere züchten, halten und mästen."    Jürgen Hirschfeld, Braunschweig

"Wir erleben Entgleisungen gegen Tierhalter, die ich in unserer Gesellschaft nicht mehr für möglich gehalten habe. Mit krimineller und verbrecherischer Energie versuchen Brandstifter, Tierhalter pauschal zu verunglimpfen, das ist inakzeptabel."    Franz-Josef Holzenkamp, Oldenburg

"Die Heftigkeit, mit der aktuell Tierhalter angegriffen werden, hat uns alle überrascht. Der Widerstand in bestimmten Bevölkerungskreisen entmutigt Landwirte, sich überhaupt noch für Tierhaltung zu interessieren. Wer heute einen Stallbau plant, muss mit Widerstand im Ort rechnen."    Heiner Beermann, Lüneburger Heide

"Die weltweite Wirtschaftskrise haben wir dank der gut aufgestellten Landwirtschaft in Deutschland kaum bemerkt. Umso mehr beunruhigt uns der organisierte Widerstand gegen die landwirtschaftliche Trierhaltung."    Hermann Wester, Emsland

"Tierschutz lässt sich in großen Ställen besser realisieren. Es ist ein Irrglaube, dass kleine Tierhaltungen besser sind als große. Eher ist das Gegenteil der Fall."    Peter Cornelius, Oldenburg

Artikel Übersicht