Export ist kein Selbstläufer
10. März 2010
EIN KOMMENTAR VON Gabi von der Brelie
Gegessen wird immer. Mit dieser Begründung haben sich viele Landwirte in der Krise getröstet. Und so ganz falsch liegen sie offensichtlich nicht. Mit nur wenigen Blessuren hat sich die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft im vergangenen Jahr auf den Auslandsmärkten behauptet. Das spricht für die starke Stellung der Branche im weltweiten Vergleich und ist zugleich ein Beweis für international anerkannte Qualität. Der Export der gesamten deutschen Wirtschaft erlitt dagegen einen Einbruch von mehr als 18 Prozent.
Jeden fünften Euro verdienen deutsche Bauern mittlerweile mit dem Verkauf ihrer Produkte auf Märkten jenseits der deutschen Grenze. Der Anteil ist fast ebenso groß wie der Anteil, den Direktzahlungen zum bäuerlichen Einkommen beisteuern. Noch stärker sind im Export lediglich die USA und die Niederlande, die zugleich auch wichtige Zielländer deutscher Agrargüter sind. Damit wird zugleich die Vielfalt der Handelsbeziehungen und internationalen Warenströme deutlich. Sie können nur funktionieren, wenn sie ständig gepflegt werden.
Traditionell nimmt Niedersachsens Agrar- und Ernährungsindustrie eine herausgehobene Stellung unter den international gefragten Produzenten von Agrar- und Ernährungsgütern ein. Der Erfolg der niedersächsischen Agrar- wie auch der Ernährungsindustrie ist ohne starken Export undenkbar. Die herausgehobene Position für die Wirtschaftskraft des ganzen Landes basiert zu einem guten Teil auf dem Erfolg auf ausländischen Märkten, und zwar zunehmend ohne Exportförderung der EU. In Ausnahmesituation – im vergangenen Jahr traf dies für den Milchmarkt zu – sind sie weiter legitimiert. Die EU wacht zudem streng darüber, dass ihre Exportpolitik zu keinen Problemen in Entwicklungsländern führt.
Die Freude über den trotz Wirtschaftskrise recht gut laufenden Agrarexport kann nicht davon ablenken, dass weitere Anstrengungen zur Exportförderung in Anghriff genommen werden müssen. Deutsche Erzeugnisse brauchen bei den Konsumenten eine gute Ausgangsposition, und zwar weltweit. Während in Deutschland die Nachfrage eher mit negativen Vorzeichen versehen ist, gibt es insbesondere im asiatischen Raum ein erhebliches Steigerungspotenzial.
Hier muss sich die deutsche Agrar- und Ernährungsindustrie eine gute Startposition sichern. Dazu gehört vor allem, die Werbetrommel zu rühren und auch auf politischem Wege ein gutes Klima für Wirtschaftsbeziehungen zu schaffen. Im abgelaufenen Jahr wurde die Lücke, die nach dem Wegfall der CMA entstanden ist, nicht ausgefüllt. Der Export zehrte noch von deren Arbeit. Die neuen Exportorganisationen müssen nun umgehend an alte Erfolge anknüpfen, sie sind kein Selbstläufer.
Einen Einbruch im Exportgeschäft können sich weder die deutschen Landwirte noch ihre Verarbeitungsunternehmen leisten. Gegessen wird zwar immer, aber nicht zwingend das Gute aus deutschen Landen.
Gabi von der Brelie