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Ackerbauern liebäugeln mit Hennen

10. März 2010

Foto: Big Dutchman

Eierproduktion Seit Anfang des Jahres ist der Käfig als Haltungsform für Legehennen in Deutschland verboten, zwei Jahre früher als in allen anderen EU-Staaten. Durch das Käfigverbot ist der Selbstversorgungsgrad mit Eiern hierzulande von ehemals über 70 auf 55 Prozent gesunken. Ist das die Chance für Einsteiger?

Viele Ackerbauern scheinen sich diese Frage zu stellen. Das Seminar der Landwirtschaftskammer (LWK) Hildesheim zum Einstieg in die Legehennenhaltung vergangene Woche fand großen Anklang. LWK-Geflügelexperte Dr. Peter Hiller befürchtet trotzdem nicht, dass die Ställe nun aus dem Boden schießen werden „So schnell finden die Meisten keinen passenden Standort", klärte der Spezialberater die gespannten Teilnehmer auf.

Mindestabstände zu Wohn- oder Waldgebieten und zu anderen Ställen sowie besondere Auflagen in Wasserschutzgebieten müssen eingehalten werden, zählte Hiller auf. Dies verzögere und erschwere den Stallbau. „Nur langsam wird sich der deutsche Selbstversorgungsgrad wieder bei etwa 60 Prozent einpendeln", prognostizierte auch LWK-Wirtschaftsexperte Henning Pieper. „Vielleicht wird er aber auch noch weiter sinken", räumte er ein. Derzeit fehlten, nach Piepers Ansicht, wegen des Käfigverbots etwa 10 Mio. Legehennen in Deutschland.

Die Frage nach der Investitionssumme stand bei vielen Seminarteilnehmern natürlich im Vordergrund. „Bei einem Neubau für 20.000 Tiere betragen die Kosten pro Tierplatz 35 bis 45 Euro, das ist aber abhängig von der Haltungsform uns Stallbauweise", hatte Hiller errechnet. Die Erzeugung von Bio-Eiern nach EU-Standard ist immer ungefähr ein Drittel teurer als die konventionelle Produktion, da unter anderem der Platzbedarf je Tier höher ist. Hiller vermutet, dass sich die Stallneubauten in einer Größenordnung zwischen 12.000 und 20.000 Tieren bewegen werden, um eine Kostendegression zu erreichen. „In den neuen Bundesländern werden allerdings auch Ställe mit 30.000 und mehr Tieren gebaut", räumte er ein.

Landwirte sollten beachten, dass die Legehennenhaltung ab einer Anzahl von 350 Tieren, oder Betriebe die Eier kennzeichnungspflichtig vermarkten, registriert sein müssen. Eine selbstverpflichtende, nicht amtliche Salmonellenbeprobung muss, in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Tierarzt oder der LWK, vier Mal jährlich durchgeführt werden. Ab 1.000 Tieren wird eine Teilnahme am Salmonellenmonitorin und somit eine amtliche Salmonellenbeprobung durch den Amtstierarzt verlangt.

Neben dem Stall müssen auch der Vorraum und die Technik in die Kalkulation eingehen. 60.000 bis 80.000 Euro für die Belüftung, die Sortieranlage und vieles mehr muss der Landwirt nach Hillers Berechnungen einplanen. Die Gestaltung des Vorraums ist wichtig, da dies der Arbeitsplatz des Legehennenhalters ist. Täglich fünf bis sieben Stunden Arbeit müsse ein Landwirt kalkulieren. Diese Zahlen wurden erstaunt aufgenommen. Viele Seminarteilnehmer hatten offensichtlich mit deutlich weniger Arbeitseinsatz gerechnet.

Sparen sollte der Landwirt nicht bei der Junghenne, sie sei ausschlaggebend für den Erfolg eines ganzen Jahres, legte Hiller den Bauern ans Herz. Bei der Planung eines Stalls muss der Landwirt die Tiere frühzeitig beim Züchter bestellen, empfiehlt der Geflügelspezialberater. Aus dem Käfigverbot hat sich auch ein Engpass bei der Versorgung mit Junghennen ergeben.

Individuelle Betriebseigenschaften sowie die Haltungsform und die Vermarktungswege seien unmittelbar mit dem Erfolg verbunden, darin waren sich die Experten der Landwirtschaftskammer einig. Gerade Neuseinsteiger müssten sich in dieses Berufsfeld ausgiebig einarbeiten und einen offiziellen Sachkundenachweis vorlegen, klärte der Pieper auf. „Der Erfolg der Legehennenhaltung steht und fällt einzelbetrieblich mit der Vermarktung", sagte er. Nach seiner Erfahrung seien Einsteiger aber nicht unbedingt schlechter gestellt, als erfahrene Berufskollegen. „Gute Vermarktungsstrukturen überdecken oft hausgemachte Leistungsunterschiede auf den Betrieben", erläuterte er.

Die Haltungsform ist eine einzelbetriebliche Entscheidung. Für die Direktvermarktung oder die Abgabe an den Lebensmitteleinzelhandel kommen nur Eier aus Boden- oder Freilandhaltung in Frage. Eier aus der Kleinvoliere, die wie die bisherigen Käfigeier mit einer 3 bedruckt sind, werden überwiegend als Verarbeitungseier in der Lebensmittelindustrie genutzt. „Bei diesen Eiern kommt es darauf an, dass sie intakt, salmonellenfrei und günstig sind", sagte Hiller. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel habe Eier aus der Kleinvoliere ausgelistet, stellte Hiller fest.

Eier aus biologischer Landwirtschaft fänden derzeit noch sehr guten Absatz. „Die Nachfrage ist gut", sagte Hiller, „wird sich vermutlich ab August aber abschäwchen", prognostizierte der Geflügelexperte. Die Vorgaben der ökologischen Legehennenhaltung werden derzeit vom LAVES und Tierschutzverbänden überprüft. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob diese besondere Haltungsform den Grundsätzen der ökologischen Tierhaltung entspricht.
Heike Marheineke

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