Dialog um große und kleine Konflikte
03. Februar 2010
Präsidium: Werner Hilse, Franz-Josef Holzenkamp, Heinz Korte und Helmut Meyer
Gedankenaustausch Was denken „die da oben"? Wo drückt „die da unten" der Schuh? Das Landvolk Niedersachsen bringt das Präsidium und die große Basis der Ortsvorsitzenden ins Gespräch. Den Auftakt machten die Bezirke Ostfriesland und Oldenburg in Wardenburg, als nächstes folgen das Emsland und Osnabrück.
Nach einer sehr persönlichen Vorstellungsrunde des vierköpfigen Präsidiums mit Werner Hilse sowie Franz-Josef Holzenkamp, Heinz Korte und Helmut Meyer als seinen Vizes wurden in Wardenburg von den knapp 200 Ortsvorsitzenden ganz konkrete Fragen gestellt: Wie positioniert sich der Verband zum Biogasboom? Wird für Exporte nicht ein zu hoher Preis bezahlt? Wie geht der Verband mit der zunehmenden Regulierungsdichte des Staates um? Karsten Padeken aus der Wesermarsch sprach dazu die öffentliche Kritik an, der sich Landwirte durch Verbände und Institutionen mitunter aber auch Nachbarn ausgesetzt sehen. Vom Verband erwartet er Argumente, um dieser Kritik begegnen zu können.
Am Beispiel Biogas wurde in einer sehr intensiv und auch leidenschaftlich geführten Diskussion deutlich, dass zwischen öffentlicher Akzeptanz und dem Wunsch, Auswüchsen zu begegnen, nur ein sehr schmaler Pfad liegt. Der große Nenner zielt auf das Wirtschaften in bäuerlicher Hand und in eigener Verantwortung, damit grenzen sich Landwirte von Investoren und Kapitalgesellschaften ab.
Zu dem weiterhin unbefriedigenden Thema Lebensmittelpreise wünschten sich Bonno Focken und Konrad Onneken aus Ostfriesland „mehr Standvermögen". Einhellig verteidigte Hilse die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft und des Eigentums. Hilse sagte: „Wir können weder Aldi noch Lidl zwingen, teurer einzukaufen". Die Molkereien müssten noch enger kooperieren und eine Gegenposition zu der starken Macht des Lebensmitteleinzelhandels bilden. Letztlich bestehe zwischen Preis und Menge ein Zusammenhang, der sich aber nicht administrativ regeln lasse.
Nicht nur im Landvolk Niedersachsen, sondern auch im Deutschen Bauernverband wird nach einem agrarpolitisch sehr bewegten Jahr der Gedankenaustausch über zukünftige Leitlinien und Ziele geführt. Unverrückbarer Grundwert bleibt der Einheitsverband, betonte das Landvolkpräsidium. Darin hätten sektorale Gruppierungen ihren Platz. Aber als Brückenkopf zur Politik sei der Bauernverband zur Abwägung auch manchmal widerstreitender Interessen verpflichtet. Dem Präsidenten komme dann die schwierige Aufgabe zu, zu vermitteln und Kompromisse vorzubereiten. „Wir werden für die wirtschaftenden Betriebe kämpfen und alle anderen weiter unterstützen", wandte sich Hilse gegen eine einseitige Ausrichtung zum Unternehmerverband.
Nicht alle Konfliktfelder konnten an diesem Tag bearbeitet werden, fasste Erich Hinrichs zusammen. Der LHV-Präsident sah den großen Konsens in den Bereichen Umwelt-, Bau- oder Wasserrecht. Es gebe kleine Konflikte, wenn ein Bauer etwas plane, und der andere die-se Planung verhindern wolle. Und es gebe den großen Konflikt um die Milch, wo zwischen zwei Wegen entschieden werden müsse. Der Wohlstand der niedersächsischen Landwirte basiere auf ihrem Wissen, war sich Hinrichs sicher. Dieses Wissen wird der Verband weiter fördern.
Gabi von der Brelie
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