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Pfiffige Ideen sichern die Zukunft

06. Dezember 2018

Neue Wege gehen: Referenten und Politiker tauschten sich über Einkommensalternativen aus. Foto: Marketing Gesellschaft Niedersachsen

Lohne  Welche Chancen bieten sich Junglandwirten heute auf den Höfen? Der Berufsnachwuchs kam nach Lohne (Landkreis Vechta) und Landtagsabgeordnete aller Parteien nahmen sich Zeit, um dieser Frage auf den Grund zu gehen.

Von Daunenbetten über die Pilzzucht bis zur Chipsfabrik reichten die ungewöhnlichen Betriebszweige der Referenten beim siebten Teil der Vortragsreihe „Perspektiven des (Land-)Wirtschaftens“. Die Veranstalter trafen mit dem Thema „Einkommensalternativen“ offensichtlich den Nerv der Zeit. Für die angemeldeten 170 Teilnehmer musste kurzfristig ein größerer Saal angemietet werden. Eingeladen hatten die Niedersächsische Marketinggesellschaft gemeinsam mit der niedersächsischen Landjugend, den Junglandwirten und der katholischen Landjugend (KLJB) im Bistum Oldenburg.

Ihre Nische gefunden haben Iris Tapphorn und Heiner Johanning. „Ich bin mit meinem Betrieb heute schon ein kleiner Teil der Zukunft“, ist die Unternehmerin aus Lohne überzeugt. Auf ihrem Gänsehof wird das ganze Produkt größtenteils direkt vermarktet. Kartoffelbauer Heiner Johanning aus Rehden im Kreis Diepholz hat mit seinem Cousin Martin die Marke „Heimart“ gegründet und produziert unter dem Namen „Krosse Kerle“ Kartoffelchips auf dem eigenen Hof.

Die beiden Betriebsnachfolger Johannes Ritz und Dierk Brandt stellten dem größtenteils jungen Publikum ihre Ideen vor. Johannes Ritz aus Kirchtlinteln bei Verden sucht sein Glück im Anbau von Austernpilzen und nutzt dafür den alten Sauenstall. „Die Investitionssumme war nicht sehr hoch und der zusätzliche Nährstoffanfall gering“, beschreibt er die Vorteile des Betriebszweiges für den elterlichen Schweinebetrieb. Dierk Brandt hat sich in und um Walsrode als Direktvermarkter von Hühnereiern und Obst etabliert und will schon bald in ein zweites Hühnermobil investieren.

Im Gespräch mit den Politikern ging es nicht in erster Linie um die Möglichkeiten, sondern vielmehr um die Einschränkungen, mit denen junge Landwirte zu kämpfen haben. Die Abgeordneten der verschiedenen Parteien waren sich zwar einig, dass es zukünftig verlässliche Rahmenbedingungen für die Landwirte geben soll, wie diese jedoch aussehen könnten, blieb unklar. Uneinig waren sich die Podiumsteilnehmer auch in Bezug auf die Vermarktung der Lebensmittel. Während Miriam Staudte von den Grünen vor allem an Regionalität glaubt, pocht FDP-Mann Hermann Gruppe auf die hohe Bedeutung des Exports: „Regionalität ist gut, kann aber nicht alles sein. Wir müssen auch weiterhin internationale Märkte nutzen.“

Niklas Behrens, Vorsitzender der Junglandwirte Niedersachsens, fühlt sich von der Politik nicht verstanden. Er wandte sich mit seiner Kritik an einem vorangegangenen Kommentar direkt an die Grünen-Abgeordnete Miriam Staudte: „Wenn Sie für die Landwirtschaft den großen Wurf planen und dabei die Ökonomie als nicht entscheidend ansehen, dann reden wir aneinander vorbei.“
Friederike Husmann

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