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Immer zu wenig Aufklärung

08. Februar 2018

Foto: Landvolk

Gastkommentar von Frank Feuerriegel, Landesvereinigung der Milchwirtschaft
Das Februarheft der Zeitschrift Ökotest beschäftigt sich mit dem Quark. Schon die Überschrift „Immer zu wenig“ führt in die Irre. Denn es werden weder die Füllmengen der Verpackungen kritisiert noch Inhaltsstoffe vermisst.

Was angeblich fehlt, ist Transparenz. „Mehr als 300 Höfe liefern Milch für eine einzige Charge Quark - die riesigen Produktionsmengen verschleiern die Herkunft bis zur Unkenntlichkeit. Wer fragt da noch, wie die Kühe gelebt haben?“ Dass das Produkt von guter Qualität ist, erwähnt das Magazin nur mit einem Halbsatz.

Verschleiert die Milchwirtschaft absichtlich die Herkunft der Milch? Das heute meist verwendete Thermoquarkverfahren bringt es mit sich, dass die Chargen relativ groß sind. Das ist einerseits sehr effizient und erlaubt es andererseits, die für die Ernährung wertvollen Eiweiße besser in das Endprodukt einzubinden als früher. Der Rohstoff Milch wird somit optimal verwertet, die Qualität ist gleichbleibend hoch.

Klassische Herstellungsverfahren haben in Nischen ihren Platz. Schichtkäse und Topfenquark finden ihre Liebhaber und bewahren die handwerkliche Molkereikultur. Doch gerade beim Quark haben Innovationen in den letzten Jahrzehnten riesige Vorteile für Produktqualität und -sicherheit sowie Ressourceneffizienz gebracht. Auch bei großen Chargen kann ein Unternehmen übrigens nachweisen, welche Milch von welchen Landwirten stammt. Das ist lebensmittelrechtlich vorgeschrieben. Die Forderung nach Informationen zu Betrieben und Haltungsformen auf jeder Packung ist dennoch realitätsfern.

Ökotest meint: Landwirte, die mehr für den Tierschutz tun, sind aus ökonomischer Sicht die Verlierer. Dabei setzen sich deutsche Milcherzeuger schon lange freiwillig für bessere Haltungsbedingungen ein. Unabhängig vom Markt gibt sich die Branche eigene Standards. Das Qualitätssicherungssystem QM-Milch 2.0 ist ein Beispiel dafür. Es enthält Anforderungen an Haltung, Tiergesundheit und Tierschutz, die deutlich über den gesetzlichen Rahmen hinausgehen. Über 30 Molkereien und ihre Lieferanten beteiligen sich zudem an dem vom Thünen-Institut Braunschweig und von QM Milch koordinierten Nachhaltigkeitsprojekt.

Diese Beispiele belegen: Die gesamte Milchbranche ist schon lange auf dem Weg zu einer nachhaltigen Ausrichtung ihrer Wertschöpfungskette. Selbstverständlich ist es wünschenswert, dass Milcherzeuger mehr für ihre Arbeit erlösen und mehr Geld zur Entwicklung ihrer Betriebe zur Verfügung haben. Dazu könnte mehr Aufklärung durch die Ökotest-Redaktion einen Beitrag leisten. Ihre Interpretation der Testergebnisse bewirkt eher das Gegenteil. Sie verunsichert Verbraucher und kann zur Konsumzurückhaltung führen. Genau dies hilft keinem Landwirt weiter.

Frank Feuerriegel,
Landesvereinigung der Milchwirtschaft

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