gemeinsam stark

Veränderungen selbst gestalten

26. Januar 2017

Foto: Landvolk

Grüne Woche Zwei unterschiedliche Positionspapiere präsentierten Bauernverband und DLG zur Grünen Woche in Berlin. Die einen sehen die Landwirtschaft im ständigen Wandel, die anderen erwarten abrupte Einschnitte.

Deutschlands Bauern haben viel erreicht und sind offen für notwendige Veränderungen. Das ist die Kernbotschaft des Positionspapiers, das der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, zur Eröffnung der Internationalen Grünen Woche in Berlin vorstellte. Handlungsbedarf wird darin sowohl in der Tierhaltung als auch im Pflanzenbau dokumentiert. Unter anderem werde man die Vitalität der Nutztiere erhöhen und vorrangig die Langlebigkeit und Nutzungsdauer bei Milchkühen und Sauen fördern. Der Ausstieg aus nicht-kurativen Eingriffen werde erfolgen, sobald praxistaugliche Lösungen zur Verfügung stehen.

Chancen im Vordergrund
Hervorgehoben werden die Marktchancen, die sich aus einer freiwilligen Kennzeichnung von Erzeugnissen nach Herkunft und Art der Erzeugung ergeben. Über die bedarfsgerechte Düngung werde man eine umweltgerechte und standortangepasste Nährstoffbilanz sicherstellen, heißt es weiter. Probleme mit Nährstoffüberschüssen müssten in Kooperation mit den Landwirten vor Ort gelöst werden. Das Papier enthält ein Bekenntnis zum „effizienten und verantwortlichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bei Minimierung möglicher Risiken“. Geboten sei ihre zurückhaltende Nutzung nach dem Grundsatz „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“.

„Wir sind offen für eine kritische Diskussion“, erklärte Rukwied. Man sei bereit, sich mit allen gesellschaftlichen Gruppen auseinanderzusetzen. Das Positionspapier „Veränderung gestalten“ ist das Ergebnis eines über eineinhalbjährigen verbandsinternen Diskussionsprozesses, der auf dem Erfurter Bauerntag 2015 begann.

Vor tiefgreifenden Veränderungen sieht dagegen die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) die Agrarbranche. Dies gelte für die verschiedenen Produktionsbereiche ebenso wie für die Agrarpolitik, heißt es in einem Thesenpapier des DLG-Vorstands mit dem Titel „Landwirtschaft 2030“.

Klarer Handlungsbedarf
So müssten sich die Betriebe angesichts der zu erwartenden Kürzung des EU-Budgets auf geringere Direktzahlungen einstellen. EU-Zahlungen sollten an öffentliche Leistungen gekoppelt werden. Handlungsbedarf bestehe im Pflanzenbau wie in der Tierhaltung. Die auf dem Acker erreichten Produktivitätsschübe der letzten Jahrzehnte gingen einher mit Artenverlust, Nährstoffüberschüssen und Resistenzen. Empfohlen werden eine Sensibilisierung der Akteure, der Einsatz innovativer Technik, ein Rückgriff auf klassische ackerbauliche Prinzipien sowie präzise Dünge- und umweltverträgliche Pflanzenschutzmittel. In der Tierhaltung gehe es darum, Leistung und Tierwohl auszubalancieren. Darauf seien die Zuchtziele auszurichten. Haltungsbedingungen müssten wesentliche Bedingungen der Tiergerechtheit erfüllen. Gefordert werden einfache und handhabbare Tierwohlindikatoren und -kriterien sowie konsequente Sanktionen. Zukunftsfähig sei nur der, „der zur Selbstkritik fähig ist, der die Zeichen der Zeit erkennt“, erklärte Präsident Carl-Albrecht Bartmer zur Veröffentlichung der zehn Thesen. Er nannte es fatal, würde man Dritten „mit mitunter durchsichtigen Motivationen die Gestaltungshoheit für eine ‚Agrarwende‘ überlassen“.

DBV-Präsident Rukwied beurteilte das Thesenpapier vor Agrarjournalisten in Berlin zurückhaltend. Zwar sei es richtig, gegenwärtige Wirtschaftsweisen kritisch zu hinterfragen, daraus müssten dann allerdings die richtigen Schlüsse gezogen werden. Er sei für die Weiterentwicklung der Landwirtschaft, aber gegen einen Systemwechsel.
AgE/red

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