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Zukunft auch ohne Real gesichert

12. Januar 2017

Foto: ZDG

Tierwohl Finanziell ist die Zukunft der Initiative Tierwohl in trockenen Tüchern. Das Gründungsmitglied Real verlässt das Bündnis jedoch. Steigende Kosten und der Ausstieg der Tierschützer sind nicht die einzigen Gründe für den Rückzug.

Der Fortbestand der Initiative Tierwohl (ITW) ist bis 2020 gesichert, auch wenn das Handelsunternehmen Real bald nicht mehr zu den Unterstützern zählt. Der Programmentwurf, der über das Ende der ersten Vertragsperiode 2017 hinaus für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung sorgen soll, wurde von den verbliebenen Partnern jetzt unterzeichnet. Real wird sein Engagement jedoch 2018 beenden.

„Diese Unterzeichnung ist Bestätigung, dass die Beteiligten hinter unserem Konzept zur Fortentwicklung der Ini­tiative Tierwohl stehen und damit noch mehr Tiere von verbesserten Haltungsbedingungen profitieren können“, erklärte ITW-Geschäftsführer Alexander Hinrichs. Er wies ausdrücklich dar­auf hin, dass Empfehlungen aus dem Beraterausschuss berücksichtigt wurden. Aus diesem Gremium waren 2016 der Deutsche Tierschutzbund und ProVieh ausgeschieden, weil ihnen die Tierwohlkriterien nicht ausreichend erschienen.

Im Förderzeitraum 2018 bis 2020 wird es dank höherer Entgelte des Lebensmitteleinzelhandels eine deutlich verbesserte Finanzausstattung des Tierwohlfonds geben. Im Bereich Schwein sollen pro verkauftem Kilogramm Fleisch und Wurst in Zukunft 6,25 Cent statt bisher 4,0 Cent an die ITW fließen und dadurch jährlich 100 Mio. Euro für Tierwohlmaßnahmen zur Verfügung stehen. Presseberichten zufolge dürften durch den Ausstieg von Real allerdings rund sechs Millionen Euro verlorengehen.

Höhere Anforderungen
Die Weiterentwicklung sieht zudem eine Anhebung der Mindestanforderungen für Landwirte sowie die Straffung der Kriterienkataloge vor. Details dazu will die ITW auf der Grünen Woche bekanntgeben. Eine Änderung soll allerdings ab sofort in Kraft treten: die erhöhte Frequenz der Audits. Bislang wurden Betriebe einmal pro Jahr kontrolliert; ab jetzt werden die unabhängigen Auditoren jeweils zwei Mal unangekündigt begutachten.

Real begründete seinen Ausstieg mit der aus seiner Sicht nicht zufriedenstellenden Entwicklung. Zum einen halte man eine Mitgliedschaft nur bei gleichzeitiger Unterstützung durch maßgebliche Tierschutzorganisationen für sinnvoll. Zum anderen moniert das Unternehmen, dass nicht alle Einzelhändler in der Initiative engagiert sind. Dadurch könnten sich nicht alle interessierten Landwirte beteiligen. Statt einer Ausweitung auf möglichst viele Händler solle es für die bereits teilnehmenden Unternehmen zu einer höheren finanziellen Belastung kommen, moniert Real und sieht eine Wettbewerbsverzerrung: „Die teilnehmenden LEH-Unternehmen sind mit großem Engagement dabei und tragen hohe Kosten. Von der branchenweiten Kommunikation profitieren jedoch auch die Unternehmen, die gar nicht an der Initiative Tierwohl teilnehmen.“ Größere Hoffnungen setzt Real daher in das angekündigte staatliche Tierwohllabel.
AgE/PI/red

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