gemeinsam stark

Konflikte sind eingeplant

08. Dezember 2016

Foto: Pixabay

Wolfsmanagement Gleich mehrere Vorfälle mit Weidetieren geben der Landespolitik kein Grund zu besonderer Besorgnis. Zäune um Herden und Höfe bauen, lautet die Empfehlung des Umweltministers. „Entnahme“ ist kein Thema.

Dreimal wurde in der vorigen Woche eine Schafsherde in Südergellersen angegriffen. Zwölf Tiere kamen ums Leben, 18 weitere trugen Verletzungen davon, einige davon schwere. Ob es hier im Landkreis Lüneburg Wölfe waren, ist noch nicht erweisen. Die Bissspuren legen es jedoch nahe. Besonders beunruhigend ist für Schäfer Gerd Jahnke, dass den Angriff keine der Schutzmaßnahmen verhinderte.

Ein verletztes Jungrind, der gefährliche Ausbruch einer 26köpfigen Rinderherde, die gleich an drei Stellen den Weidezaun durchbrach, sind die Bilanz eines Vorfalls am Dienstag der Vorwoche im Goldenstedter Ortsteil Einen. Auch im Landkreis Vechta geht man von einem Wolfsangriff aus. Die Weide liegt im Streifgebiet der mehrmals auffällig gewordenen Goldenstedter Wölfin.

Trotz der aktuellen Vorfälle erwartet der zuständige Umweltminister, dass die Zahl der Zwischenfälle nicht mit der Zahl der Wölfe ansteigt – sofern die kostspieligen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Konfliktfrei werde es nicht gehen, schätzte Stephan Wenzel die Situation vorige Woche im Gespräch mit Journalisten ein.

Jan Heusmann vom Landvolk Wesermünde betont, dass die Weidetierhalter eine Regulierung auffällig gewordener Wölfe als unerlässlich ansehen. Wenzel blieb in dieser Frage sehr bedeckt, er habe aber ein massives Interesse daran, die Grünlandwirtschaft zu erhalten, versicherte er. Es müsse wieder „Erfahrungswissen“ im Umgang mit Wölfen zurückgewonnen werden, meinte der Minister und verwies auf Erfolge des Herdenschutzes im Raum Diepholz/Vechta. Dort habe der Bau von Zäunen die Zahl der Wolfsrisse reduzieren können. Im nördlichen Grünlandgürtel wird dieser Rat kritisch hinterfragt, die offene Weidelandschaft könne nicht wolfssicher eingezäunt werden, gibt Heusmann zu bedenken. Zudem würden sich die Wölfe inzwischen selbst auf den Hofstellen aufhalten, die die Landwirte auch nicht in einen Hochsicherheitstrakt verwandeln wollten.

Seit 2008 wurden nach Angaben des Umweltministeriums landesweit 162 Risse an Nutztieren durch Wölfe bestätigt, davon 47 in 2016. In 72 Fällen war keine Beurteilung möglich. 21.000 Euro hat das Umweltministerium 2016 für Nutztierrisse an Tierhalter überwiesen, für Präventionsmaßnahmen zum Herdenschutz wurden seit November 2014 rund 625.000 Euro bewilligt und knapp 550.000 Euro bereits ausgezahlt. Im Haushaltsplan des Landes sind für 2016/17 jeweils gut 800.000 Euro als Sachausgaben für das Wolfsmanagement eingeplant. Dennoch bleibt jeder Riss eines Nutztieres aus Sicht der Tierhalter einer zuviel.
Br/ste

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