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Silberstreif am Einkommenshimmel

22. Dezember 2016


Situationsbericht Nach gravierenden Rückgängen konnten sich 2015/16 die Unternehmensergebnisse leicht erholen. Doch Investitionen halbierten sich. Der Bauernverband hofft auf die Trendwende für Milch- und Veredlungsbetriebe.

Zumindest bei den heimischen Milchvieh- und Veredlungsbetrieben zeichnet sich für 2016/17 eine Trendumkehr ab. Bei der Vorstellung des alljährlichen Situationsberichtes des Deutschen Bauernverbandes warnte DBV-Präsident Joachim Rukwied allerdings vor übertriebenem Optimismus. Zwar gebe es Anzeichen für eine Erholung auf wichtigen Märkten; allerdings bleibe abzuwarten, wie stabil die Entwicklung sei.

Im Ackerbau bleibt die Lage angespannt. Laut Situationsbericht sind die Unternehmensergebnisse der Haupterwerbsbetriebe im abgelaufenen Wirtschaftsjahr um 8 % auf durchschnittlich rund 39.700 Euro gesunken. Im Jahr davor hatte das Minus rund ein Drittel betragen. Die größten Einbußen mussten die Veredlungs- und die Ackerbaubetriebe mit einem Rückgang um jeweils rund 13 % auf etwa 40.000 Euro beziehungsweise 55.700 Euro hinnehmen. Mit rund 5 % fielen die Verluste bei den Milchviehbetrieben überraschend moderat aus. Sie kamen auf nur noch gut 34.000 Euro je Unternehmen. Dem Rückgang der Erzeugerpreise um 17 % standen Kostenentlastungen bei Futtermitteln sowie der Wegfall der Quotenkosten gegenüber. Ohne den „Quoteneffekt“ wären die Gewinne um 25 % eingebrochen.

Rukwied sprach von einem sehr schwierigen Wirtschaftsjahr, dass in den Bilanzen der meisten Betriebe „tiefe Spuren“ hinterlassen habe. Die Liquidität sei in vielen Betrieben stark angespannt gewesen, so dass mehr Fremdkapital aufgenommen worden sei. Investitionen seien deutlich zurückgefahren worden. Eine ausreichende Eigenkapitalbildung zur Sicherung der betrieblichen Existenz sei in den meisten Fällen nicht möglich gewesen. Ausdrücklich hob der Präsident den Stellenwert der Direktzahlungen hervor. Mit durchschnittlich 24.300 Euro je Haupterwerbsbetrieb hätten sie sich in den zurückliegenden Preistälern einmal mehr als „überlebenswichtig“ erwiesen. Erneut sprach sich Rukwied gegen eine stärkere Umschichtung der Ersten in die Zweite Säule aus. Dies würde nach seiner Überzeugung die Betriebe „ins Mark treffen“.

Der DBV-Präsident nannte die Talfahrt bei Erzeugerpreisen als Grund für das erneute Einkommensminus. Neben der Milch hätten den Landwirten Preisrückgänge bei Ferkeln um 9 %, bei Schlachtschweinen um 6 % und bei Brotweizen ebenfalls um 9 % zu schaffen gemacht.

Dem Bericht zufolge betrug das Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft im Durchschnitt rund 27.500 Euro; dies entspricht einem Bruttomonatseinkommen von rund 2.300 Euro. Die gesunkenen Unternehmensergebnisse zeigten deutliche Spuren in der Liquidität der Betriebe. Der durchschnittliche Fremdkapitaleinsatz je Haupterwerbsbetrieb erhöhte sich um gut 5 % auf 207.000 Euro zu. Nur 30 % der Haupterwerbsbetriebe konnten in den letzten drei Wirtschaftsjahren ausreichend Eigenkapital bilden.
Zudem führte die negative Einkommensentwicklung zu einem starken Rückgang der Investitionstätigkeit. Bruttoinvestitionen der Haupterwerbsbetriebe sanken um 16 % auf durchschnittlich 49.900 Euro je Betrieb. Nettoinvestitionen halbierten sich annähernd. Allerdings sind Investitionen in erneuerbare Energien dabei nicht oder nur teilweise berücksichtigt.
AgE/red

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