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Schäfer-Demo vor dem Landtag

22. Dezember 2016

Foto: Holm

Wolf­ Niedersachsens Weidetierhalter fordern von der Landesregierung ein besseres Wolfsmanagement. Dazu griffen sie zu ungewöhnlichen Mitteln. Der Umweltminister sagte mehr Unterstützung zu. Das reicht nicht, meint die FDP.

Angesichts der wachsenden Wolfsbestände und dem ihrer Meinung nach unzureichenden Wolfsmanagement der Landesregierung haben Niedersachsens Weidetierhalter am Mittwoch voriger Woche mit einer besonderen Demonstration auf ihre schwierige Situation aufmerksam gemacht.

Vor dem Hannoverschen Landtag wollten sie von Wölfen getötete Weidetiere ablegen: drei Damhirsche, ein Schaf sowie einen Galloway-Jungbullen. Da die Polizei dem Zugang zum Parlament sperrte, fand die Aktion unter großer Medienbeteiligung auf dem Weihnachtsmarkt statt.

Regulierung gefordert
Auf Transparenten machten die Halter ihrer Wut Luft. „Wölfe zerstören meine Zukunft“ und „Ist der Wolf wichtiger als der Mensch?“ stand dort zu lesen. „Wir fordern ganz klar, dass Wölfe, die Herdenschutzzäune überwinden, entnommen werden“, sagte der Vorsitzende der Schafzuchtverbände Niedersachsen, Joachim Rehse. Schäfer würden zum Schutz nachts bei ihren Herden schlafen. In einer Stellungnahme forderten die Weidetierhalter eine Regulierung der Wolfspopulation.

Das Vorgehen in Deutschland habe mit einem professionellen Wolfsmanagement nichts zu tun, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung, Gerd Dumke. Im Ausland würden beispielsweise schon auffällige Rudel getötet. Eine Regulierung sei dringend nötig, Vergrämung bringe nichts und Zäune seien auch nicht immer eine Lösung. „Der Wolf springt aus dem Stand zwei Meter hoch.“

In ihrer Stellungnahme weisen die Weidetierhalter darauf hin, dass der Schutz von Weidetieren vor dem Wolf zwar möglich ist, die Kosten für Schutzmaßnahmen aber nicht zu unterschätzen sind (siehe Kasten). Sie fordern Dialog und Diskussion mit der Gesellschaft, ob man in naher Zukunft noch Weidetiere in Niedersachsen haben wolle. Für sie liege die Lösung des Wolfsproblems darin, umgekehrt ein Gebiet für den Wolf einzuzäunen und im Rest des Landes die Weidetierhaltung zu erhalten.

Im Notfall schnell handeln
Kurz zuvor hatte Umweltminister Stefan Wenzel im Landtag angekündigt, nach den jüngsten Wolfsangriffen eine schnellere Beratung und praxisnähere Unterstützung für Tierhalter zum Schutz ihrer Herden anzubieten.
„Fakt ist aber auch, dass eine rechtzeitige Vorsorge der Weidehalter unabdingbar ist“, sagte der Grünen-Politiker. Grundsätzlich habe sich gezeigt, dass ein wirksamer Herdenschutz möglich sei. Herdenschutztiere oder elek­trifizierte Zäune würden die Sicherheit erhöhen.

Der FDP-Abgeordnete Gero Hocker betonte: „Wir haben so viele Wölfe in Niedersachsen, dass wir eingreifen müssen.“ Die Raubtiere hätten die Furcht vor den Menschen verloren. Vor sechs Jahren sei man davon ausgegangen, dass die Population wesentlich langsamer wachse. Vorsorglich müsse der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden, um im Notfall schnell reagieren zu können. Man werde in Zukunft um eine Regulierung nicht herum kommen.
red/PI/dpa

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