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Aldi spielt Marktmacht aus

15. Mai 2015

Foto: Mühlhausen/landpixel.de

Milchpreise Die Discounter zahlen weniger für Trinkmilch, Schlagsahne und Butter - wegen angeblicher Überschüsse nach dem Quotenende. Das aber bezeichnet Landvolkvize Heinz Korte als „dreiste Lüge“.

Der Discounter Aldi hat am Donnerstag voriger Woche seine Preise für Trinkmilch um 4 Cent je Liter gesenkt und bietet Vollmilch nun für 0,55 Euro/l an. Der Preis für das 250-g-Päckchen Butter wurde um zehn Cent auf 0,89 Euro herabgesetzt. Die Verbrauch lässt man wissen, dass gesunkene Rohwarenpreise er ermöglichen, „unsere gewohnt hervorragenden Produkte günstiger einzukaufen“.

Kein Überangebot
„Eine dreiste Lüge“, sagt Landvolk-Vizepräsident Heinz Korte dazu. Denn: Es gebe derzeit nämlich keine Gründe für sinkende Preise. Die aktuelle Milchanlieferung liegt unter dem Niveau des Vorjahres; ein höherer Verbrauch von Milchprodukten hat die Nachfrage stimuliert, und Lagerbestände gibt es nicht. Vor diesem Hintergrund spiele der Discounter mit seiner Preisgestaltung lediglich seine Marktmacht zum Schaden der Milcherzeuger aus, monierte Korte.
Nach seinen Angaben erhielten die niedersächsischen Milcherzeuger im März 2015 lediglich um die 28 Cent für das Kilogramm Rohmilch; das waren rund zehn Cent weniger als vor Jahresfrist. “

Für den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) kommen die niedrigeren Preise nicht überraschend. Bereits seit Wochen würden die Börsennotierungen nachgeben. Dies könnten auch Einkäufer des Handels ablesen. Nach Einschätzung des BDM befinde man sich „längst in einer weiteren Milchkrise“.
Beim Deutschen Tierschutzbund gab es scharfe Kritik am Handel. Dies sei „Preisdumping auf dem Rücken der Landwirte“ und gehe zu Lasten der Tiere, teilte der Verband mit. Der Tierschutzbund warnte, dass die von einer breiten Mehrheit der Gesellschaft geforderten höheren Tierschutzstandards mit Dumpingpreisen nicht möglich seien. Der Handel handelt immer dreister, wenn er höhere Tierschutzstandards fordern und gleichzeitig mit niedrigen Abnahmepreisen knebele.

Produktion gedrosselt
Der Deutsche Bauernverband verweist indes auf den Umstand, dass derzeit EU-weit die Milchproduktion weiter gedrosselt werde. Dennoch droht weiterer Druck. Die Exporte der EU-Anbieter liefen in den ersten beiden Monaten des Jahres 2015 nicht so rund, wie sich das mancher aufgrund des schwachen Euros erhofft hatte. Der Drittlandsabsatz von Käse leidet nach Angaben von Marktbeobachtern noch immer unter dem russischen Einfuhrembargo. Nur der Export von Magermilchpulver brummt und nahm im Vergleich zu den ersten beiden Monaten 2014 um fast ein Viertel auf 117.800 t zu. Vor allem Ägypten, Thailand und Vietnam kauften größere Mengen in der EU, während sich die Lieferungen nach China halbierten. Im Gegenzug wird mit Produktionsteigerungen in anderen Regionen der Welt, wie den USA und Australien, gerechnet.
AgE/red

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