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Skepsis vor neuem Bergbauprojekt

16. April 2015

Sorge um Äcker, Wege und Gräben haben die Landwirte Norbert Beike, Bernhard Löffler und Christian Isensee aus Giesen, Jürgen Noyer aus Giften und Friedrich Kämpfer aus Rössing.

Kaliabbau Politisch gewollt, aber von der Bevölkerung skeptisch betrachtet und von Landwirten hinterfragt. Die geplante Wiederaufnahme des Kalibergbaus im Landkreis Hildesheim durch das Unternehmen K+S bringt Unruhe in die Region.

Wirtschaftlich betrachtet stechen die Vorteile dieses Plans ins Auge: 500 Arbeitsplätze, direkt oder indirekt mit der Bergbautätigkeit verbunden, könnte die Region westlich von Hildesheim in den Gemeinden Giesen, Sarstedt, Nordstemmen und Harsum über 40 Jahre dazugewinnen. Landwirtschaftlich betrachtet ist die Förderung von Kalium und die regionale Produktion von Düngemitteln aus Kaliumchlorid und Kieserit bei steigenden Düngerpreisen nicht uninteressant.

Die Menschen in der Region stehen dem größten Bergbau-Projekt in der Geschichte Niedersachsens dennoch skeptisch gegenüber. Sie leben seit Jahrzehnten mit dem Kaliberg, einer alten Abraumhalde, vor Augen. Eine neue Halde auf einer Fläche von 600 mal 900 Metern und bis zu 75 Meter hoch, auch wenn sie nach und nach begrünt werden soll, würde das Landschaftsbild einschneidend verändern. Hinzu kommt die Sorge um Staub und Lärm, Versalzung des Flusses Innerste und anderer Gewässer, zusätzlich anfallenden Verkehr sowie Erdabsenkungen.

Letzteres beschäftigt auch Landwirte wie Friedrich Kämpfer: „Bis zu 40 Zentimeter in den nächsten 200 Jahren werden erwartet“ sagt der Realverbandsvorsitzende aus Rössing im Landkreis Hildesheim. Er sorgt sich um die Entwässerung der tiefer gelegenen Flächen und die Funktionsfähigkeit der Drainagen. Zudem könnten Wege beschädigt werden. K+S befürchtet keine Gefahr für Gebäude oder Infrastruktur. Die Absenkungen im Kalibergbau seien erfahrungsgemäß minimal. Das Unternehmen sieht auch die Belange des Gesundheits- und Umweltschutzes berücksichtigt, die jedem Genehmigungsverfahren zugrunde liegen und verweist auf modernste Förder- und Produktionsmethoden.

Noch bis zum 22. April können zum Planfeststellungsverfahren (www.lbeg.niedersachsen.de), in dem K+S die Pläne der Wiederaufnahme des seit 1987 ruhenden Bergwerks darlegt, Eingaben gemacht werden. „Die Realverbände haben dies getan“, sagt Jürgen Noyer, Realverbandsvorsitzender aus Giften. Damit sind nur die Verbandsinteressen abgedeckt. „Einzelinteressen müssen betroffene Landwirte selbst vertreten“, sagt er. Giftener Grundeigentümern gehen insgesamt 40 ha verloren. Außerdem bangen die Landwirte um die Zuwegung zu ihren Flächen. „K+S möchte Ausgleichsmaßnahmen am Wegesrand durch beidseitige Bepflanzung vornehmen und Wege mutwillig verengen“, dies ist für Noyer und seine Berufskollegen nicht akzeptabel. Insgesamt werden 210 ha Acker für den Bau von Werksanlagen, die neue Halde, sowie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen verloren gehen. 130 ha davon liegen in der Gemarkung Giesen.

„Da sich Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies klar für das Projekt ausgesprochen hat und Land und Bund großes Interesse daran haben, könnte das Land aus dem eigenen Flächenpool schöpfen und zum Beispiel Ländereien der öffentlichen Hand als Ausgleich zur Verfügung stellen“, fordert Bernward Löffler vom Realverband Giesen. Er schlägt außerdem die Umsiedlung eines Landwirts als Alternative vor: „Dies würde den lokalen Markt entlasten. Dazu müsste aber ein entsprechendes Angebot kommen.“ Neben dem Flächenverlust sorgen sich die Landwirte um die Pflege, Erreichbarkeit und Funktionsfähigkeit der Gräben an Biotop- und Ausgleichsflächen. Außerdem wird ein Feldweg komplett unter der neuen Halde verschwinden und einige Flächen nicht mehr erreichbar sein. Dazu hat K+S den Landwirten noch keine Lösung angeboten.
Heike Bollmann,
Landvolk Niedersachsen

 

Das sagt das Landvolk Hildesheim

Flächenverbrauch „Weder die Landwirte noch das Landvolk möchten das Projekt grundsätzlich verhindern“, sagt Johannes Willerding, Vorstandsmitglied im Landvolk Hildesheim: „Wir wollen aber erreichen, dass die Landwirte angemessen entschädigt werden und nicht mehr wertvoller Ackerboden verloren geht als unbedingt nötig. Der Flächenmarkt in der Region, im Umfeld von Hannover und Hildesheim, ist ohnehin sehr angespannt. Und einmal mehr wird deutlich, wie durch landschaftspflegerische Maßnahmen wertvollstes und unvermehrbares Ackerland vergeudet wird.“

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