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Zugespitztes ist als journalistische Ware zweifelsfrei gut gefragt

04. Dezember 2014

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Foto: Klaus Westermann

Medien Landwirte reagierten auf kritische Themen „beleidigt“, hatte Eckhart Pohl im Sommer der Deutschen Bauernkorrespondenz im Interview gesagt. Grund für das Landvolk Niedersachsen, bei dem NDR-Hörfunkchef aus Hannover nachzufragen, was er damit meint.

„Wir sind eher zu zahm“, stieg er in die Diskussion mit den Vorsitzenden des Landvolkes Niedersachsen ein. Aber er stellte einen „Rechtfertigungszwang“ fest, den er als „lähmend“ bezeichnete. Dies gelte nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für andere „große Blöcke“ wie Parteien, Gewerkschaften oder Kirchen. Drei Muster gebe es für Reaktionen auf negative Meldungen: schwarze Schafe, Medien, die aufbauschen oder Verbraucher, die nur auf den Preis schauen. „Wir decken selten auf“, hielt Pohl entgegen, zu 95 Prozent werde über Akteure berichtet. Pohl sah Medien gleichwohl in der Rolle des „Regulativ“, das öffentliche Meinung abbildet. Die Landwirtschaft biete im Gegenzug bunte Broschüren an, um zu zeigen: Wir sind die Guten. Pohl, seit mehr als 20 Jahren beim NDR in Hannover, gab keine Entwarnung: „Die kritische Welle ist nicht nur eine Modeerscheinung, hier kommt Größeres in Gang“. 40 Jahre habe die Anti-Atombewegung von Trittin in Göttingen bis zu Angela Merkel und ihrem Ausstiegsbeschluss in Berlin benötigt. Die Kritik an Landwirtschaft und Tierhaltung stufte Pohl als Anfang einer Umwälzung an, die aber wesentlich schneller ablaufen werde und nicht nur elitäre Zirkel beschäftige. Die Landwirtschaft könne auf zwei Arten reagieren, „sie lassen alles über sich ergehen, oder sie gestalten mit“, meinte Pohl. Bei letzterem müssten Ziele definiert und Prozesse angestoßen werden. Dabei solle die Landwirtschaft bedenken, dass Menschen über die Symbolik von Bildern am besten erreicht werden. Hier hakte Hauptgeschäftsführer Jörn Dwehus nach: „Wir sind durchaus selbstkritisch, aber die Medien nehmen nur die echte Wende wahr, graduelle Veränderungen werden kaum registriert“.

Intensiv hinterfragt wurde von den Vorsitzenden die journalistische Gewichtung bei der Themenauswahl: Befriedigt der Sender nur die öffentliche Meinung? Akzeptiert er die Realität auf den Höfen nicht und berichtet nur über Auffälligkeiten? Lässt er sich gar für Kampagnen sogenannter Nichtregierungsorganisationen gewinnen und räumt der schrillen Meinung die größere Chance ein? Befeuern die Nachrichten nur „den schnellen Hype“, oder wird er gebrochen? Bedient sich der Sender sogenannter Whistleblower als Quelle? Eckhart Pohl ließ keinen Zweifel aufkommen: Die Redakteure des NDR prüfen Nachrichten, sie hinterfragen, sie drehen natürlich auch Themen weiter und gestalten damit die gesellschaftliche Debatte. Der Medienprofi räumte auch ein, die Gefahr der Instrumentalisierung sei nie auszuschließen, Zugespitztes sei als journalistische Ware zweifelfrei gut. Die intensive Diskussion zwischen dem NDR-Verantwortlichen und den Landvolk-Vorsitzenden wird nicht jede Radiomeldung in ein mildes Licht rücken, sie hat aber viel zum gegenseitigen Verständnis von Landwirten und Journalisten beitragen können.
Br

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