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Moorbauern bleiben sehr skeptisch

13. November 2014

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Gnarrenburg „Wir bleiben wachsam“, kündigt Heinz Korte an.
Für ihn ist im Landesraumordnungsprogramm (LROP) die Kuh noch nicht vom Eis. Landwirtschaftsminister Christian Meyer hat in Augustendorf Korrekturen angekündigt. Aber nicht nur Korte fehlt der Glaube, dass diese ausreichen werden.

Stephanie und Werner Böttjer leben mitten im Gnarrenburger Moor. Die Familie wirtschaftet auf Moorböden, neben 35 Milchkühen bringt die Moorsieglinde Geld in die Kasse. Die Familie muss also weiter ackern können. Und daher beunruhigt sie der Hinweis auf Moorschutz und Wiedervernässung in den bisherigen Formulierungen zum LROP. „Können wir zukünftig noch Dränagen legen oder Ställe bauen?“, fragt sich Werner Böttjer. Meyer sagt mehrfach zu, dass diese Entwicklungsmöglichkeiten erhalten bleiben sollen.

Erstmals stellt er sich den Landwirten vor Ort. „Es gibt missverständliche Formulierungen“, räumt er ein und spricht von einem neuen Entwurf zum LROP.  Der solle im Dialog und Konsens mit dem Berufsstand ausgehandelt werden, die Themenbereiche Torferhalt und Moorentwicklung danach getrennt und das Vorranggebiet als Gebietskulisse überprüft werden. Hier wünschen sich Jan Heusmann aus Wesermünde und der Sta-der Johann Knabbe konkretere Zusagen. „Langfristiges Ziel bleibt eindeutig die Wiedervernässung“, fassen sie die Befürchtungen der Landwirte zusammen. Landvolkvizepräsident Heinz Korte wirft Meyer vor: „Sie spülen weich!“, und fügt an: „Öffnen Sie sich unseren Argumenten!“ Der Minister und sein Haus sollten mit der statt gegen die Landwirtschaft agieren und nun umdenken. Ein neuer Entwurf zum LROP müsse ein Vorranggebiet für Landwirtschaft oder Ernährung ausweisen und damit den Torf-abbau verhindern.

Meyer beschwichtigt: Bäuerliche Familienbetriebe seien nicht betroffen, das Land setze auf Freiwilligkeit und plane keine Enteignungen. Er will jetzt das LROP im „Dialog und Konsens“ mit dem Berufsstand umsetzen und vor Ort Anhörungstermine anberaumen. Noch vor dem Termin meldete die ML-Pressestelle, dass ein zweiter Entwurf mit einem „neuen Gesicht“ in Arbeit sei und alle bis Ende des Jahres eingehenden Einwände berücksichtigt würden.
Doch die Landwirte trauen dem Minister nicht mehr. Aus Erfahrungen mit Vorrang- und Schutzgebieten fürchten sie eine Abwärtsspirale, die schon die Planung des jetzt vorliegenden LROP auslösen kann. So hält sich der Minister auch zu Vorkaufsrechten bedeckt und geht mit keinem Wort auf den Klimaschutz ein. Der aber ist für seinen Ressortkollegen Stefan Wenzel das wichtigste Argument. „Rücken krumm, Taschen leer, Christian Meyer danke sehr“, heißt es auf Transparenten. „Eigentlich möchte ich den Hof mal übernehmen“, sagt Junior Joost Böttjer. Er bleibt wie die meisten in Gnarrenburg äußerst skeptisch.
Br

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