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"Moorschutz zieht uns den Boden weg"

06. November 2014

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Landvolkvizepräsident Heinz Korte im Interview mit Sat 1.

LROP Auf Moorstandorten im nördlichen Landesteil gibt es unter Bauern zurzeit nur eine existenzielle Frage: Wie wird sich die Änderung des Landesraumordnungsprogrammes mit den Vorgaben zum Moorschutz auf ihren Hof auswirken? Stellvertretend für viele Betroffene haben Stephan Warnken und Carsten Lück aus Grasberg im Landkreis Osterholz ihre Sorgen vor der Presse geschildert.

Landesweit sehen sich aktuell und noch mehr in ihrer zukünftigen Entwicklung rund 1.000 Landwirte massiv bedroht. Vom Emsland bis in die Heide und von der Nordseeküste bis zum Wiehengebirge ist die Betroffenheit groß, verdeutlicht Vizepräsident Heinz  Korte auf der vom Landvolk organisierten Pressekonferenz. Die geplanten Änderungen betreffen rund 650.000 ha humusreiche Böden, davon 102.000 ha Moorböden mit besonders strengen Zielen. Zudem plant das Land, weitere 25.000 ha vornehmlich mit EU-Geldern aufzukaufen.

Korte spricht von einem „Entsiedlungsprogramm“ und kritisiert die Landesregierung: „Sie spielt nicht mit offenen Karten“. Ohne vorherigen Dia-
log und Meinungsaustausch sei eine Gebietskulisse zur Festsetzung von Vorranggebieten für die Torferhaltung und Moorentwicklung festgesetzt worden. „Minister Meyer als zuständiger Ressortchef verniedlicht die Konsequenzen für die betroffenen Landwirte“, kritisiert Korte. Er rechnet vor, dass allein aus der Milchviehhaltung den betroffenen Regionen eine Wertschöpfung in Höhe von rund 150 Mio. Euro verloren gehen würde.

Die Bauern könnten leider nicht darauf vertrauen, dass ihnen langfristig ihre Weiden und Äcker erhalten bleiben. Das vom Land in einzelnen Regionen bereits geltend gemachte Vorkaufsrecht greife in den freien Grundstücksverkehr ein. Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes betreibe das Land staatliches „Land-Grabbing“, das Nachsehen hätten die Landwirte der Region. „Wir haben leidvolle Erfahrungen in FFH-Gebieten machen müssen, dort wurde der zugesagte Bestandsschutz leider auch schnell ausgehebelt“, verdeutlicht Korte.

Größte Bedenken äußert Stephan Warnken. Er befürchtet, dass der von Generationen urbar gemachte Moorstandort zu einer trostlosen Mondlandschaft verkommt. Für ihn und seinen Hof mit 55 Milchkühen sowie vier Ferienwohnungen wäre dann kein Platz mehr. Erst in der jüngsten Vergangenheit haben die ausgedehnten Moorregionen Niedersachsens zu anderen Gebieten aufschließen können, schildert Warnken. Er möchte sich nicht vorstellen, was es heißt, die Entwicklung umzudrehen und Gräben wieder zu verschließen, um die mittlerweile als Acker und Grünland genutzten Flächen zu vernässen. Das würde weder seinen Kühen bekommen, noch seinen Gästen gefallen. „Unsere Vorfahren wirtschafteten auf schwankendem Grund“, sagt er und fügt an: „Nun soll uns der Boden vollends unter den Füßen weggezogen werden“.

Heftige Kritik an den Plänen der Landesregierung äußert auch Carsten Lück. Der junge Familienvater hat investiert und erst vor knapp einem Jahr einen Milchviehstall  für 270 Kühe in Betrieb genommen. Im Stall hat er alles auf modernen Kuhkomfort ausgerichtet, mit Güllelagerraum für ein Jahr und festen Silagelagerplätzen hat er den Umweltschutz ebenfalls berücksichtigt. „Und jetzt kommt so ein Hammer“, empört sich Carsten Lück. Sollte das Land seine Pläne tatsächlich umsetzen, würde sein Hof so stark eingeengt, dass er nicht weitermachen könnte. Wie bei Familie Warnken sind auch auf dem Hof Lück rund ein Drittel der bewirtschafteten Flächen im Vorranggebiet.

Korte ist sich mit den betroffenen Landwirten einig: „Landwirtschaftliche Flächen müssen aus den Vorranggebieten wieder rausgenommen werden“. Das Landvolk regt vielmehr freiwillige Maßnahmen an, um die mit dem LROP angestrebten Fortschritte im Klimaschutz erreichen zu können. Empört, ja sogar wütend sind die betroffenen Landwirte über die beschwichtigten Aussagen des Ministers, es werde sich nichts ändern. „Mit dem Landesraumordnungsprogramm wird ein langer Prozess angeschoben, der auf Veränderungen zielt“, kontert Korte und fügt an: „Alle anderen Behauptungen sind Augenwischerei“. So heißt es in der Begründung zum Entwurf des LROP sehr unmissverständlich folgendermaßen: „Die Moorentwicklung als langfristiger Prozess erfordert eine Wiedervernässung und damit in der Regel die Herausnahme der Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung“. Und dagegen laufen die betroffenen Landwirte Sturm. Einen Tag vor Auslieferung dieser Zeitung wollte der Minister nach einem Jahr Anlauf endlich eine Zusage einlösen, und sich in Augustendorf im Landkreis Rotenburg einen Moorbauenhof angeschauen.  Die LAND & Forst berichtet in der kommenden Woche.
Br

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