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Schneller sein als die Krankheitserreger

02. Oktober 2014

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Foto: Bergmann

Vorsorge  Je eher Krankheiten wie die Klassische und Afrikanische Schweinepest entdeckt werden, umso schneller können effektive Bekämpfungsmaßnahmen eingeleitet werden. Damit steigt die Chance für eine rasche Tilgung. Früherkennungs- und Monitoring-Programme sollen verhindern, dass die Erreger unentdeckt in der Tierpopulation zirkulieren und sich dort ausbreiten.

Momentan kursiert die Afrikanische Schweinepest (ASP) in vielen Gebieten Ost- und Südeuropas, eine Einschleppung nach Deutschland ist zu befürchten. Auch das Risiko zur Ein-schleppung der Klassischen Schweinepest (KSP) darf nicht unterschätzt werden. Aus diesen Gründen ist das niedersächsische Früherkennungsprogramm für Schweinepest überarbeitet worden. Es besteht jetzt aus folgenden Punkten:

❶ Untersuchung von risikobasiert ausgewählten Betrieben (insbesondere Freilauf- und Auslaufhaltungen, Betriebe mit Systemferkeln, Jungsauen und Eberaufzuchten sowie Betriebe mit hoher Zukaufsrate aus unterschiedlichen Herkünften) auf KSP. Betriebe und Proben werden nach einem festgelegten Schlüssel ausgewählt.

❷  Ausschluss-Untersuchung KSP und ASP bei Sektionen und Abklärungsuntersuchun-gen nach Schweinehaltungshygieneverordnung.

❸  Neu hinzugekommen ist eine Ausschluss-Untersuchung auf KSP und ASP
- bei allen Tieren, die am Schlachthof bei der Lebenduntersuchung als schlachtuntauglich beurteilt werden sowie
- von Tierkörpern oder Organen, die bei der Schlachtung besondere Symptome aufweisen (punktförmige oder großflächige Blutungen; „blutige“ Lymphknoten, Milzbrandinfarkte). Die Probenentnahme wird von der zuständigen Behörde veranlasst.

❹ Neu ist ebenfalls die Ausschluss-Untersuchung KSP und ASP an diagnostischen Proben von kranken Schweinen mit unklaren Krankheitsgeschehen. Die Proben können, die Einwilligung des Tierhalters vorausgesetzt, in einem Labor des LAVES in der Ausschlussdiagnostik auf KSP und ASP untersucht werden. Ohne Einwilligung des Tierhalters werden keine Proben weitergeleitet!


Eindeutige Diagnose gibt es nur im Labor!
Sowohl die Haus- wie auch die Wildschweinpopulation in Deutschland ist anerkannt frei von KSP und ASP. Bei einem Eintrag der Krankheiten in die Schweinepopulation ist deshalb mit klinischen Symp-tomen zu rechnen! Beide Krankheiten zeichnen sich durch sehr unterschiedliche  Krankheitsbilder und Verlaufsformen aus und lassen sich nicht durch eine klinische Untersuchung auf dem Betrieb diagnostizieren! Sowohl die eindeutige Diagnose wie auch ein Ausschluss von ASP und KSP können nur im Labor erfolgen.
Die Ausschluss-Untersuchung KSP und ASP an dia-gnostischen Proben von kranken Schweinen eignet sich deshalb sehr gut zur Früherkennung im Rahmen des Monitoring-Programmes. Wichtig ist, dass es sich hier nicht um die Abklärung eines Verdachts auf Schweinepest handelt und diese Proben nicht vorrangig behandelt oder unaufgefordert auf weitere Erreger untersucht werden. Der Betrieb wird nicht reglementiert. Die Untersuchung dieser Proben ersetzt nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen nach §§ 8 und 9 der Schweinehaltungshygiene-Verordnung!

Eine Weiterleitung der eingesandten Proben durch das Labor erfolgt nur, wenn Tierarzt und Tierhalter informiert sind und explizit zugestimmt haben. Die Labore werden auf ihrem Formular zur Probeneinsendung eine Option zum Ankreuzen einfügen und die Möglichkeit zur Unterschrift vorsehen. Tierhalter sollten von dieser Möglichkeit Gebrauch machen und ihr Einverständnis zur Weiterleitung geben. Bei Rückfragen sollten sie das Labor ansprechen. Dort liegen weitere Information zum Schweinepest-Monitoring-Programm vor. Dem Tierhalter entstehen keine Kosten, die Teilnahme am Früherkennungs-Programm hat für ihn in aller Regel keine Folgen!

Und bei einem positiven Testergebnis?
Bei negativen Befunden erfolgt keine Rückmeldung. Erzielt eine Probe im Labor ein eindeutig positives Ergebnis, wird das zuständige Veterinäramt verständigt. Die Amtstierärzte nehmen Kontakt mit dem Betriebsleiter auf und veranlassen weitere Maßnahmen.

Von besonderer Bedeutung für die Früherkennung eines Seucheneintrags von KSP oder ASP in die Schwarzwild-Population ist die virologische Untersuchung von verendeten und krank erlegten Wildschweinen. Sowohl Fall- wie auch Unfallwild (nur Schwarzwild) sollte unbedingt zur Untersuchung gelangen. In Niedersachsen besteht zudem ein flächendeckendes Monitoring-Programm für KSP bei Wildschweinen, das auf der serologischen Untersuchung von Proben erlegter Wildschweine auf Antikörper gegen KSP beruht.

Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit (LAVES)

 

Informieren und Mitmachen!

Merkblatt Die frühe Erkennung von ASP oder KSP ist nur mit Hilfe aller Beteiligten möglich. In der Vergangenheit hat sich das Virus der KSP oft bis zu zehn Wochen ungehindert ausbreiten können, bevor die Einschleppung erkannt wurde. Tierhalter und Tierärzte sollten die Chance der Ausschluss-Diagnostik nutzen und ihre Zustimmung zur Weiterleitung diagnostischer Proben aus privaten Laboren zur Ausschlussdiagnostik Schweinepest geben. Dem Tierhalter entstehen hierdurch keine zusätzlichen Kosten. Ein Merkblatt zu dem Monitoring-Programm finden Sie im Menüpunkt Mitgliederservice unter www.landvolk.net und unter www.tierseucheninfo.niedersachsen.de. LAVES