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Landwirte müssen aktiv werden

10. April 2014

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Foto: Lemke

Kommunikation Diskussionen über die moderne Landwirtschaft werden massiv über die Medien geführt. Daher hat die Konrad-Adenauer-Stiftung erstmals die Landwirtschaft in den Mittelpunkt ihres Mittagsgespräches in Hannover gestellt.
Verbraucher seien es mittlerweile gewohnt, das ganze Jahr über das komplette Angebot zu bezahlbaren Preisen kaufen zu können, sagte Landtagsabgeordneter Helmut Dammann-Tamke zum Auftakt. „Produktion und Konsum werden jedoch zunehmend kritisch hinterfragt“, verdeutlichte er.
In einer neu eingerichteten Kommission mit Vertretern aus Verbraucherschutz, Tierschutz, Ethik und Berufsstand möchte die CDU deshalb die Frage diskutieren, auf welcher Basis in Zukunft gesunde Lebensmittel produziert werden sollen.

Schlechtes Gewissen sorgt für Unsicherheit
„Den Menschen hat es schon immer Schuldgefühle bereitet, ein Lebewesen zu töten, um es zu essen“, sagte Carl Vierboom, Wirtschaftspsychologe aus Nordrhein-Westfalen. Und auf diesen empfindlichen Resonanzboden, auf dem der Verbraucher nach Entlastung suche, träfen nun manche Publikumsmedien, mit teilweise schwach recherchierten Beiträgen.

Trotzdem wird die gesellschaftliche Bedeutung der Landwirte in Befragungen gerne als sehr hoch eingeschätzt – gleich nach Arzt und Lehrer. „Diesen Befragungen dürfen sie aber nicht glauben, und sie dürfen sich schon gar nicht darauf ausruhen!“, ermahnte Vierboom.

Denn der Verbraucher - also jeder von uns - sei widersprüchlich, naiv und unzuverlässig. Dem Nachkriegsversprechen, dass keiner mehr Hunger und Durst erleiden muss, stehen heute überquellende Kühlschränke gegenüber. „Wir sind so reich, uns faulen die Sachen in der Küche weg“, stellte der Psychologe die Situation überspitzt dar. Die Wegwerfmentalität hänge mit diesem Versprechen eng zusammen und sei nur schwer zu überwinden.

Im Gegenzug laufe seit 40 Jahren das „Erziehungsprogramm Schnäppchenjagd“. Unter dem Motto „Ich bekomme das Ganze für die Hälfte“, würden Verbraucher die Schnäppchen stolz nach Hause getragen. „Wir wissen aber alle, dass es nicht funktionieren kann“, sagte er.

Im Hinterkopf bestünde bei ihnen immer der Zweifel: „Ist das minderwertig? Bezahle ich das mit Subventionen?“ Zudem beklagten die Bauern zu Recht, dass sie zu wenig für ihre Produkte erlösen könnten.

Kommunikation gehört zum Kerngeschäft
Die Landwirte hätten ihren Produktionsstolz und meinten manchmal, dass Kommunikation nicht zu ihrem Kerngeschäft gehöre. Die Lösung der Welternährungsprobleme werde ihnen schon Anerkennung bringen. „Diese mangelnde Kundenorientierung, kann nach hinten losgehen“, warnte der Rheinländer. Und folgerte „Wer produziert, der kommuniziert automatisch!“
Das wichtigste Thema zwischen Konsument und Landwirt sei derzeit der Einsatz von Antibiotika. „Früher war es das tollste Instrument des medizinischen Fortschritts, heute führt es zu resistenten Keimen“, beschrieb Vierboom die Entwicklung des Medikaments vom Lebensretter zum Lebensfeind. Durch grenzenloses Anwenden hätten Antibiotika ihr Schutz-Image verloren.

Aber nicht nur die Landwirtschaft habe sich verändert, die ganze Gesellschaft sei mittlerweile komplizierter geworden. „Es fehlt die Erkenntnis dafür, dass man ein Tier tötet, um gut essen zu können“, sagte Vierboom. Einige Bevölkerungsgruppen, die Natur und Tiere in einer Art Ersatzreligion vergöttlichen, würden nun Fleischesser und Landwirte als Mörder und Tierquäler hinstellen. Mit diesen Schuldzuweisungen komme jedoch niemand weiter.

„Schlechte Tierhaltung muss unterbunden werden“, forderte Claus Vierboom. Den Landwirten, die ihre Arbeit im Stall und auf dem Feld guten Gewissens verantworten, riet er jedoch, mit fröhlicher Aggressivität ihren Standpunkt zu vertreten.
Wiebke Molsen

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