gemeinsam stark

Ab in den Stall und zur Biogasanlage

20. März 2014

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Foto: Suling

Öffentlichkeitsarbeit „Sonst riechen wir Nordbruchs immer nur, jetzt haben wir hier alles mal gesehen“, freute sich Margret Schlenz aus Moordeich. Der Milchviehbetrieb von Familie Nordbruch öffnete jetzt seine Stalltore. Anlass war die Aktion „Bauer sucht Besucher“ des Landvolks Mittelweser. Sie soll Verbrauchern vermitteln, wie Landwirtschaft heute funktioniert.
Bislang beteiligen sich die Landwirte Lars Nordbruch, Johann Wüllmers (Uenzen) und Wilken Hartje (Heiligenfelde) und zeigten Besuchergruppen Kuh- und Schweinemastställe sowie eine Biogasanlage. Das Ziel der Aktion: Verbraucher bekommen unmittelbaren Zugang zu Landwirten – und die wiederum stellen sich ihren Fragen. Die dann gar nicht so kritisch ausfallen, wie die Bauern zuvor erwartet hatten.

Milchvieh
Lars Nordbruch und seine Familie erläuterten den Besuchern die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit. So nehmen weltweit die Ackerflächen ab und sollen im Jahr 2050 schätzungsweise nur noch 1.800 Quadratmeter pro Person betragen. „Da sind wir in der Gemeinde Stuhr heute schon: Wir haben 1.589 Quadratmeter pro Person“, hat Nordbruch ausgerechnet. Dass jede seiner 136 Kühe bis zu 50 Kilogramm Futter pro Tag verputzt, erstaunte die Gäste. „Wir mischen jeden Morgen rund sechs Tonnen Futter an“, berichtete Lars Nordbruch. Zum Abschluss der Tour warteten Milch und Käse auf Nordbruchs Besucher. Für die hatte sich der Besuch gelohnt: Sie stellten ihre Fragen direkt, bekamen ohne Umschweife Antworten. „Ich war zuletzt vor 50 Jahren auf einem Hof“, sagte Rainer Schlenz, der befand, dass „über die Landwirtschaft immer viel zu negativ berichtet wird.“

In Uenzen tippte Johann Wüllmers auf seinen Tablet-PC und füllte auf diese Weise den Anmischbottich in seiner Futterküche mit Frischwasser, Molke und Mehl. „Viele Arbeiten kann man schon mit dem Rechner erledigen“, erklärte der Landwirt. Die Besucher nutzten die Gelegenheit, sich alle technischen Finessen der Ställe erläutern zu lassen und auch einen Blick hinein zu werfen. „Den Schweinen soll es bei mir gut gehen“, sagte Johann Wüllmers, während er eine leere Bucht zeigte: Dort ziehen in Kürze 17 neue Ferkel ein.

Schweinemast
Wenn sie zu ihm kommen, bringen sie rund 30 Kilogramm auf die Waage und haben pro Tier 0,9 Quadratmeter Platz, mehr als vorgeschrieben. „Die Ferkel stammen aus dem Nachbarort“, erklärte Wüllmers. Das garantiere kurze Transportwege. „Außerdem bleiben die Gruppen gleich, und es gibt kaum Rangkämpfe.“ Johann Wüllmers zeigte seinen Besuchern Schweine in unterschiedlichen Gewichtsklassen und beantwortete auch kritische Fragen, zum Beispiel die nach dem Medikamenteneinsatz. „Bei mir gibt es in der Regel keine Einstallprophylaxe“, sagte Wüllmers, unterstrich aber: „Wenn ein Tier krank ist, muss ich es in Absprache mit einem Tierarzt behandeln.“ Die Offenheit und die ausführliche Führung gefielen den Gästen. So wie Karsten Dierks, der vom Fach ist und sehen wollte, wie Schweine heutzutage gehalten werden. „Vor 20 Jahren hatten wir auch noch Schweine. Die hatten es aber noch nicht so gut wie die Tiere hier“, bilanzierte er nach dem Rundgang.

Biogasanlage
„Unsere Anlage wird 48 Mal am Tag gefüttert, damit die Bakterien gut drauf sind“, sagte Wilken Hartje. Er zeigte auf die Fermenter, in denen die Bakterien Maissilage und Schweinegülle in Biogas verwandeln. Der Landwirt führte Ende Februar 15 Gäste zwei Stunden lang über die Biogasanlage in Syke-Henstedt, die er gemeinsam mit vier anderen Landwirten seit 2011 betreibt.
Die 500 KWh-Anlage versorgt unter anderem das Schulzentrum Süd in Syke. Wichtig ist dem Landwirts-Quintett, dass es unabhängig von Dritten bleibt: „Zusammen bewirtschaften wir eine Fläche von rund 900 Hektar, davon bauen wir auf rund 160 Hektar Mais an“, erzählte Wilken Hartje. Ihm und seinen Mitstreitern liegt eine gesunde Fruchtfolge auf den Äckern am Herzen.
Das gilt auch für die Öffentlichkeitsarbeit: „Man muss das verzerrte Bild zurecht rücken, dass die Verbraucher oft von der Landwirtschaft haben“, sagt Lars Nordbruch. Für ihn liegt deshalb auf der Hand: „Da ist jeder Landwirt vor Ort gefragt.“
Regine Suling

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