Saison endet mit zufriedenen Gesichtern
Frühkartoffeln Die Ernte der Frühkartoffeln endete mit dem 10. August und viele Erzeuger und Händler konnten bei Abschluss der Kampagne ein positives Resümee ziehen. Die Preise für Speiseware bewegten sich zum Saisonende zwischen 25 € für gesackte und 20 € für lose verladene Kartoffeln und lagen damit deutlich über dem Preisniveau der Vorjahre.
Durch die konsequente Umsetzung des Programms zur Festschaligkeit und einem disziplinierten Angebotsverhalten von Landwirten und Kartoffelhandel bestand während des gesamten Saisonverlaufes eine relative Preisstabilität.
Gute Voraussetzungen
Der diesjährige Frühkartoffelmarkt zeichnete sich durch ein von Beginn an ausgeglichenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage aus. Die durchaus gute deutsche Kartoffelernte 2007 konnte bis in das Frühjahr 2008 mit vermeintlich hohen Erzeugerpreisen um 12,50 € je dt vermarktet werden. Voraussetzung dafür war allerdings, dass die Qualität stimmte. Da dies oftmals nicht der Fall war, wurde schon früh Importware zu hohen Preisen in das Sortiment des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) aufgenommen. Vor allem durch die frühe Nachfrage und ein verringertes Angebot erzielten ausländische Kartoffeln bis zum Ende der Vermarktung stabile Preise.
Im Vergleich zum Vorjahr kamen aus dem südlichen und östlichen Mittelmeerraum ca. 25 % weniger Kartoffeln, weil Länder wie Ägypten die Anbaufläche dem Durchschnitt der Vorjahre angepasst hatten oder es zu witterungsbedingten Ausfällen wie Frost und Trockenheit in Israel und Zypern kam. Auch der Streik der LKW-Fahrer in Spanien trug dazu bei, dass die Kartoffeln nicht zu stark auf den deutschen Markt drängten.
Qualitätsoffensive
Auf Anregung des Deutschen Kartoffel Handelsverband e.V. (DKHV) hatten sich schon zum Herbst 2007 Vertreter der Frühkartoffelerzeugergemeinschaften und des Handels getroffen und sich dafür ausgesprochen, 2008 ausschließlich schalenfeste Kartoffeln für die Abpackung anzubieten. Durch intensive Gespräche, aber auch Vorträge und Publikationen in der Fachpresse wurden die Frühkartoffelerzeuger in den verschiedenen Region Deutschlands zur Festschaligkeit informiert und aufgefordert ihre Frühkartoffelerzeugung darauf auszurichten.
Die Bedingungen zur Auspflanzung 2008 schienen jedoch diesen Bestrebungen zunächst entgegen zu stehen. Die Temperaturen in den Monaten März und April waren zu niedrig und die Auspflanzungen wurden immer wieder durch Niederschläge behindert. Trotzdem konnte in Niedersachsen von normalen Startbedingungen für die Frühkartoffeln gesprochen werden. Ganz im Gegensatz zu anderen Frühkartoffelregionen, wie zum Beispiel der Pfalz, in der zu Ostern flächendeckend Kartoffelbestände durch starke Nachtfröste geschädigt wurden.
Im Rheinland wurden die Auspflanzungen aufgrund von Regen im Frühjahr erst spät abgeschlossen. Auch dort haben Starkniederschläge im Mai und Juni erhebliche Schäden in den Beständen verursacht.
Gestaffeltes Angebot
Die Verzögerungen bei den Auspflanzungen in allen Frühkartoffelregionen hatten aber den Vorteil, dass das Angebot von Kartoffeln in diesem Jahr gestaffelt war. So konnten nicht alle Regionen gleichzeitig mit großen Mengen in die Kampagne starten. Auch gab es signifikante Vegetationsunterschiede bei den mit Folie oder Vlies ernteverfrühten Kartoffeln zu den Freilandbeständen. Dadurch wurde das regionale Angebot ebenfalls entzerrt.
In Niedersachsen konnten die ersten Kartoffelbestände, die um den 20. Februar ausgepflanzt wurden, überraschend um den 9. Mai gerodet werden.
Optimale Witterungsbedingungen im Mai und Juni sorgten für ein zügiges Wachstum der Knollen, so dass um den 10. Juni der Kartoffelhandel und die Erzeugergemeinschaft die Mitglieder aufforderten, bei entsprechendem Stärkegehalt der Bestände die Reife zu fördern.
In Württemberg und in der Pfalz erfolgten erste Verladungen zu den Packbetrieben zum 16. Juni. Neben diesen ersten deutschen Kartoffeln waren Frühkartoffeln aus Ägypten und Spanien weiter mit nennenswerten Mengen am Markt vertreten.
Disziplinierte Erzeuger
Obwohl aufgrund des Programms zur Festschaligkeit nur geringe Mengen von losschaligen Kartoffeln für die Großmärkte, die Direktvermarktung und für die Verarbeitung gerodet werden konnten, verhielten sich Händler und Erzeuger diszipliniert und drängten nicht mit unreifer Ware auf den Markt.
Packbetriebe im Raum der Frühkartoffel-Erzeugergemeinschaft wurden zum 7. Juli mit den ersten schalenfesten niedersächsischen Frühkartoffeln beliefert. Bereits mit den ersten Verladungen und Abpackungen zeigte sich, dass mit dem Programm zur Festschaligkeit die Qualität der Kartoffeln wesentlich verbessert wurde. Insbesondere bei der Warenpräsentation in den Supermärkten machte sich dies positiv bemerkbar.
Waren die Kartoffelregale in den Supermärkten in den Vorjahren Orte des „Grauens“ gewesen, um die der Kartoffelkenner einen großen Bogen machte, fand man in diesem Jahr dort trockene und schalenfeste Kartoffeln, die von den Kunden gerne in den Einkaufswagen gelegt wurden.
Durch kontinuierliche Reifeförderung der Bestände kam es zu keinem Angebotsdruck, auch etwaige Qualitätsbeeinträchtigungen bei den reifegeförderten Kartoffeln hielten sich in Grenzen. Ausgezahlt hat sich in diesem Jahr auch die Möglichkeit die Kartoffeln trocknen zu können. Es kam so bei nach Niederschlägen gerodeten und gelüfteten Kartoffeln kaum zu Beanstandungen und der Markt konnte durchgehend beliefert werden.
Wie geht es weiter?
Die Kampagne 2008 hat gezeigt, dass sich bei entsprechendem Angebotsverhalten und guten Qualitäten der Kartoffeln überdurchschnittliche Preise erzielen lassen. Die Sorgen der Erzeuger, dass ihre Vorleistungen zur Festschaligkeit nicht honoriert werden, erwiesen sich in diesem Jahr als unbegründet.
Es gilt aber für die Zukunft, sich nicht nur auf die oben beschriebenen glücklichen Marktgegebenheiten zu verlassen sondern Mindestpreisaufschläge oder Abnahmezusagen für schalenfeste Kartoffeln zu vereinbaren. Auch muss der Lebensmitteleinzelhandel geschlossen die Bereitschaft erklären, nur noch schalenfeste Kartoffeln zu ordern. Preisunterbietungen würden so relativiert werden, da Festschaligkeit ihren Preis hat. Ein Fortbestand der Qualitätsoffensive „Festschaligkeit“ wird nur möglich sein, wenn das Frühkartoffelpreisniveau auf Dauer angehoben wird.
Neben den Marktbedingungen müssen sich Kartoffelhandel und Landwirte weiteren Herausforderungen stellen. So sollten das Sortenspektrum und die Anbaufläche überdacht werden. Bei der Produktionstechnik müssen die zur Pflanztiefe, Dammaufbau und Reifeförderung gemachten Erfahrungen ausgewertet und publiziert werden. Die diesjährige Kampagne hat zudem gezeigt, dass alle Betriebe in der Lage sein müssen die Kartoffeln zu trocknen. Die Verschiebung der Ernte um etwa drei Wochen sollte bei den Betriebsplanungen in Bezug auf Arbeitskräfte, Rodekapazitäten und Finanzplanung beachtet werden. Betrieben, die mit ihrer Frühkartoffelfläche, Arbeits- und Rodekapazitäten an eine Grenze gestoßen sind, müssen von Seiten des Handels und der Erzeugergemeinschaft neue Vermarktungsperspektiven aufgezeigt werden.
Der Frühkartoffelanbau wird sich mehr und mehr auf die Betriebe verlagern, die natürliche Standortvorteile vorweisen können und die Produktionstechnik sowie die Vermarktung beherrschen. Hierbei wird – anders als in der Vergangenheit – Qualität konkret in der Form von Festschaligkeit vorgegeben und eingefordert. Auch müssen sich die Kartoffelerzeuger langfristig den verändernden Verzehrsgewohnheiten stellen. Da die Kundschaft sprichwörtlich wegstirbt und junge Menschen immer weniger Frischkartoffeln kochen, gilt es die Speisefrühkartoffelfläche anzupassen oder sich neue Absatzwege im Bereich der Verarbeitung zu suchen.
Ausblick auf die Ernte 2008
Wie in den Vorjahren werden mehr und mehr Regionen im August mit schalenfesten Kartoffeln am Markt vertreten sein. Von Seiten der Erzeuger besteht das große Interesse bei einem attraktiven Preis die Kartoffeln zu vermarkten. Hohe Betriebsmittelkosten, geringere Getreidepreise als eingeplant und Pachtzahlungen zum 1. Oktober werden die Betriebe zusätzlich motivieren. Die Preise werden entsprechend reagieren.
Die gute Räumung in den Frühkartoffelregionen und die Aussicht auf eine bestenfalls normale Ernte werden frühzeitig Signale für eine frühe Einlagerung setzen und somit wird ein „guter“ Kartoffelerzeugerpreis bis in den Herbst fortbestehen.
Joachim Hasberg, Geschäftsführer Frühkartoffeleerzeugergemeinschaft Burgdorf
Mittwoch, 13. August 2008
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