Die "gelbe Gefahr" lauert am Staßenrand



Jakobskreuzkraut  Die gelben Blüten des Jakobskreuzkrautes leuchten derzeit von vielen Grabenrändern, extensiv genutzten Grünlandflächen und weniger gepflegten Weiden. Was so schön aussieht, ist jedoch hochgiftig und läßt sich nur schwer bekämpfen. Vor allem für Pferde und Rinder aber auch für Schafe und Ziegen stellt das Jakobskreuzkraut eine große Gefahr dar, erläutert Dr. Petra Wolf vom Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Welche Gefahren gehen vom Jakobskreuzkraut aus?
In Deutschland gibt es etwa 25 verschiedene Arten von Kreuzkraut, von denen das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobea) das giftigste ist. Zu den Hauptwirkstoffen im Jakobskreuzkraut zählen Pyrrolizidinalkaloide, die akut zu Nekrosen in der Leber führen. Weitaus häufiger treten jedoch chronische Formen auf, die zu fortschreitenden Leberveränderungen führen. Auch kleine Mengen können regelmäßig konsumiert zu klinischen Symptomen führen, die dann mitunter erst nach Wochen oder Monaten auftreten.

Die Seneziose oder Schweinsberger Krankheit tritt bei Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Schwein und Geflügel auf, wobei Pferd und Rind die empfindlichsten Tierarten sind.

Giftig ist die gesamte Pflanze, wobei der Alkaloidgehalt durchschnittlich 0,2 % in der Trockenmasse enthält. Der LD50-Wert (das heißt, dass 50 % der beobachteten Population an dieser Dosis sterben) wird in der Giftpflanzen-Datenbank der Universität Zürich für das Pferd mit 0,05-0,20 kg getrocknete Senecio jacobaea/kg KG angegeben. Dies entspricht der Aufnahme von 25–100 kg getrockneter Pflanze/500 kg schweres Pferd über einen Zeitraum von Tagen
bis Monaten.

Aufgrund des bitteren Geschmacks wird das Jakobskreuzkraut bei ausreichendem Weideaufwuchs allgemein gemieden. Probleme der Aufnahme treten häufig erst dann auf, wenn das Futter auf der Weide knapp ist.
Wird allerdings Heu bzw. Silage von belasteten Flächen gewonnen, sind die Tiere nicht mehr in der Lage, in diesen Futtermitteln zu selektieren. Erschwerend kommt hinzu, dass die toxischen Inhaltsstoffe auch im getrockneten bzw. silierten Material wirksam sind.

Wie äußert sich eine solche Vergiftung und was sollte man tun, wenn ein Tier diese Vergiftungserscheinungen zeigt?
Im Verlauf von Tagen (akute Vergiftung) bis Monaten (chronische Form) nach Pflanzenaufnahme zeigen die Tiere Gewichtsverlust und eine reduzierte Futteraufnahme. Mitunter kann es zu einer Photosensibilität kommen, d.h. es treten trotz mäßiger Sonneneinstrahlung klinische Symptome eines Sonnenbrandes auf. Hinweise für das Auftreten von zentralnervösen Störungen aufgrund der eingeschränkten Leberfunktion sind das längere Stehen bleiben auf der Weide mit stumpfem Gesichtausdruck und Bewusstseinstrübung. Bei Pferden wird mitunter auch ein häufiges Gähnen beschrieben.

Im weiteren Verlauf zeigen die Tiere unkoordinierte Bewegungen und ein zielloses Wandern („Walking disease“) sowie kolikartige Beschwerden bis hin zum hepatischen Koma.
Symptome bei Rindern sind zudem eine reduzierte Milchleistung, ein abnorm gefüllter Pansen aufgrund einer fehlenden Pansenmotorik, ein wässeriger oder blutiger Durchfall sowie Lethargie oder plötzliche Aufregungszustände.
Die Therapie besteht zunächst in einem sofortigen Absetzen des Pyrrolizidinalkaloid-haltigen Futters. Zudem kann eine symptomatische Leberbehandlung durchgeführt werden. Zumeist ist eine Behandlung der Vergiftung aber aussichtslos.

Wie kann die Pflanze bekämpft werden?
Die Pflanze kommt vor allem an Straßen- und Wegrändern sowie als Ackerwildkraut und auf Wiesen und Weiden vor. 
Die Ursache für die in den vergangenen Jahren massive Ausbreitung der Pflanze besteht darin, dass Grünbrachen bisher in der Zeit vom 1. April bis zum 15. Juli wegen der Brut- und Setzzeit nicht geschnitten werden durften. Die Blüte des Jakobskreuzkrauts setzt allerdings bereits ab Mitte Juni ein, sodass es bereits vor dem Schnitt zu einem Aussamen der Pflanze kommt.

Zur Bekämpfung ist Pflanze somit möglichst früh herauszuziehen oder zu mähen. Das Mähgut muss von den Weiden entfernt werden. Nicht blühendes Jacobskreuzkraut kann auf dem Mist bzw. Kompost entsorgt werden. Da die Samen über viele Jahre keimfähig sind, muss blühendes oder gar bereits samenbildendes Kraut verbrannt bzw. über den Restmüll (thermische Behandlung) entsorgt werden.

Eine chemische Behandlung ist nur bedingt erfolgsversprechend. Teilwirkung haben Kombinationen der Wirkstoffe MCPA + 2,4 D (z.B. 2,0 l/ha U 46 M Fluid, 2,0 l/ha U 46 D Fluid), wobei aber eine Wartezeit von 28 Tagen unbedingt einzuhalten ist. Diese sind aber nicht selektiv wirksam, sondern führen zu einer vollständigen Vernichtung des gesamten Grünland-Bewuchses. Ein lückiger Pflanzenbestand forciert aber die Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes. Eine rechtzeitige Nachsaat sowie die Vermeidung einer Überbeweidung sichern hingegen eine dichte Grasnarbe und verhindern so das Einsamen des Jakobskreuzkrautes.

wim









Mittwoch, 6. August 2008

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