Bauern bauen Biogasanlage gemeinsam
L P D - Viel Kapital ist für den Bau einer Biogasanlage nötig: Bis zu 5.000 Euro kostet jedes Kilowatt installierte elektrische Leistung. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass oft branchenfremde Investoren einsteigen und die Bauern nur noch Rohstofflieferant sind, die nicht am Ertrag der Anlage teilhaben können. Anders in Hahausen bei Seesen: Dort haben 17 Bauern eine Gesellschaft gegründet und gemeinsam gebaut. Seit dem Jahreswechsel dröhnen die Motoren im Blockheizkraftwerk und liefern „grünen“ Strom aus Maissilage und Rindergülle. Mit der Abwärme wird zurzeit Brennholz und während der Ernte auch Getreide getrocknet. Ganz in der Nähe führt eine Gasleitung vorbei, die direkte Gaseinspeisung ins Netz ist deshalb eine Option für die Zukunft.
Von der Biogas-Euphorie vor drei Jahren hatten sich auch die Bauern im Lutterbecken anstecken lassen. Aber sie wollten eben nicht nur Rohstofflieferanten sein, während der Anlagenbetreiber den Gewinn einfährt. Dafür hatte der Landvolk-Bezirksverband Braunschweig das richtige Konzept: Über seine Dienstleistungsgesellschaft Landvolkdienste Braunschweig bietet er die Betreuung regenerativer Energieanlagen von der Planung bis zur Geschäftsführung an und brachte die Interessenten schnell an einen Tisch. Als es nach ersten Informationsveranstaltungen konkret „zur Kasse“ ging, trennte sich schnell die Spreu vom Weizen. Aber 17 Bauern blieben dabei und gründeten die Biogas Neiletal in der Rechtsform einer GmbH & Co. KG. Mindestens drei Hektar (ha) Maisanbaufläche musste jeder Gesellschafter einbringen und für jeden ha waren 3.000 Euro Kapitalanteil einzubringen. Damit kam bereits ein Viertel der voraussichtlichen Investitionskosten als Eigenkapital zusammen, der Rest wurde mit Hilfe von Krediten finanziert.
Die Geschäftsführung wird von Carsten Ilsemann wahrgenommen, der zugleich Geschäftsführer des Landvolk-Bezirksverbandes Braunschweig ist. Ihm zur Seite steht ein aus drei Mitgliedern bestehender Beirat. Drei der Gesellschafter teilen sich im Wechsel die tägliche Betreuung der Biogasanlage, dazu treffen sie sich einmal wöchentlich zur „Lagebesprechung“. Nachdem die Anlage in Betrieb gegangen ist, sind die Gesellschafter jetzt noch einen Schritt weiter gegangen und haben gemeinsam ein Güllefass zur Substratausbringung angeschafft. „So bleibt auch diese Wertschöpfung in der Landwirtschaft“, sagt Ilsemann. Lediglich für die Maisernte ist ein Lohnunternehmer zuständig. Der Maisanbau ist im Übrigen nicht fremd in der Gegend: Ein Drittel der Kommanditisten sind Milchviehhalter, und trotz Biogasanlage übersteigt der Maisanteil bei keinem der Beteiligten den Anteil von 20 Prozent in der Fruchtfolge. (LPD 30/2008)
Donnerstag, 31. Juli 2008
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