Gut vernetzt ging der NON an den Start
Fusion Gemeinsam sind wir stärker. Dieses Motto haben sich offensichtlich einige Kreisverbände des Landvolkes Niedersachsen zu Eigen gemacht und Zusammenschlüsse organisiert. Kürzlich wurde im Norden der Bauernverband Nordostniedersachsen (NoN) aus der Taufe gehoben. Die LAND & Forst fragte nach, mit welcher Motivation diese „Ehe“ eingegangen wurde.
Wir wollen unser Expertenwissen noch besser rüber bringen, sagt Vorsitzender Thorsten Riggert. Der 40-Jährige aus Klein Süstedt im Landkreis Uelzen steht dem Bauernverband Nordostniedersachsen vor, seine Stellvertreter sind die Vorsitzenden der Kreisverbände Lüneburg und Lüchow-Dannenberg, Jens Wischmann und Henning Harms. Rund 3.500 Mitglieder zählt der Zusammenschluss und schließt damit zu den größeren Einheiten in Niedersachsen auf. Noch größer sind der Kreisverband Mittelweser mit 5.500 oder die traditionellen Zusammenschlüsse im Landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland und der Vereinigung des Emsländischen Landvolkes mit um die 7.000 beziehungsweise knapp 9.000 Mitgliedern.
Die Verantwortlichen im Nordosten des Landes haben die Gunst der Stunde genutzt, da ohnehin im Haupt- und Ehrenamt ein Generationswechsel anstand. Auf den Mitgliederversammlungen der beteiligten Kreisverbände wurden die Pläne im vergangenen Jahr dargestellt und erläutert und erhielten schließlich die erforderlichen Mehrheiten. „Organisatorisch haben wir dann alle drei Verbände gleich geschaltet“, erläutern Wolf Winkelmann und Matthias Mollenhauer, die Geschäftsführer in Lüneburg und Uelzen. In Lüchow-Dannenberg hält Kerstin Marschner die Fäden in der Hand. Alle drei Kreisgeschäftsstellen blieben als gewohnte Anlaufstelle für die Mitglieder erhalten, bei Bedarf pendeln die Experten zu den Kunden.
Relativ unproblematisch ging auch die einheitliche Beitragsstruktur über die Bühne. Zudem wurden Telefon- und EDV-Anlagen vernetzt, um organisatorisch eine Einheit zuschmieden. Die Struktur unterhalb der Kreisverbandsebene bleibt in der Verantwortung der ehemals selbständigen Kreisverbände, schildert Riggert die Umsetzung der Fusion. Eine Herzensangelegenheit ist dem Vorsitzenden des NON die Vernetzung der Geschäftsstellen und der Zugewinn an Kompetenz, den sich einzelne Mitarbeiter durch die neue Aufgabenteilung erarbeiten können. Die Geschäftsführer müssten sich stetig in neue Aufgabenfelder reinknien, „dieses Wissen bieten sie jetzt allen Mitgliedern an“, sagt Riggert. Die Mitglieder profitieren hier sehr direkt. Zudem wurde auch eine gewisse Aufgabenverteilung vereinbart. Wolf Winkelmann ist der Fachmann für das Thema Naturschutz, immerhin gibt es gleich zwei Naturparke in der Region, den Naturpark Elbtal und den Naturpark Lüneburger Heide. Aber auch die Probleme rund um FFH- und Landschaftsschutzgebiete sind bei ihm in den richtigen Händen. Der Jurist Matthias Mollenhauer ist Ansprechpartner für Hofübergaben und alle weiteren rechtlichen Fälle, Kerstin Marschner in Lüchow ist Expertin für alle sozialen Fragen und Fachfrau für Milchpolitik sowie Tierhaltung.
Damit können sich die hauptamtlichen Kräfte des NoN bei kreisübergreifenden Veranstaltungen absprechen und Aufgaben delegieren. Im Gegenzug wird das Dienstleistungsangebot überarbeitet und weiter ausgebaut, die Landwirte in Uelzenbeispielsweise profitieren von der Steuerberatungsgesellschaft als neuem Angebot. Philosophie des NoN ist es, allen Mitgliedern in allen Regionen dieselben Angebote bieten zu können. In Lüchow wurde die Geschäftsstelle sogar aufgestockt. Auch das Informationsnetz wurde enger geknüpft: „Über Fax und E-mail pflegen wie heute einen intensiveren Kontakt zu den Landwirten als früher“, sagt Riggert.
Inhaltliche Schwerpunkte des NoN liegen ganz eindeutig bei der Beregung. Die Ackerfläche kann auf den vorherrschenden Sandböden zu rund 90Prozent mit dem künstlichen Nass versorgt werden. „Wir wollen den Landwirten möglichst mehr Wasser zur Verfügung stellen“, beschreibt Riggert ein aktuelles Anliegen. Im Durchschnitt von sieben Jahren dürfen die Landwirte jeweils 70 mm Grundwasser für die Beregnung nutzen, mit Aufgabe der Stilllegung und mit Blick auf den Klimawandel sehen die Landwirte diese Menge kritisch. Eine weitere Entnahme aus dem Grundwasser würde aber mit der Wasser-Rahmen-Richtlinie kollidieren, so dass man auf der Suche nach neuen Infrastrukturen ist. Arbeitsbedarf sieht Winkelmann in der Absicht des Landkreises, die Landschaftsschutzgebiete überarbeiten zu wollen. Dies betreffe Inhalte und auch Abgrenzungen, wobei der NoN sich deutlich gegen einen zusätzlichen Schutz auf Ackerflächen positioniert. Vollen Einsatz verlangt zudem die Diskussion um das integrierte Auenmanagement im Elbtal, mit der für alle die Landwirte eine spürbare Risikoentlastung erreicht werden soll, die von der Dioxinbelastung der Elbe betroffen sind.
Ein vielfältiges Aufgabenspektrum wird von Experten angepackt, die sich auf bestimmte Themenfelder spezialisieren können - in dem großen Verbund profitieren davon viele Landwirte. Und durch die Vernetzung kann jeder Landwirt diesen Erfahrungsschatz für sich nutzen. „Herr O. ist nicht da“, verdeutlicht Vorsitzender Riggert, „gibt es bei uns nicht mehr“.
Gabi von der Brelie
Mittwoch, 30. Juli 2008
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