Wunschdenken ist kein guter Ratgeber
Milchpolitik „In unseren Forderungen lassen wir uns von niemanden übertreffen“ – nach diesem Motto scheint der BDM derzeit vorzugehen. Er zeichnet das Bild der deutschen Landwirtschaft als Insel, die vollkommen von den Wogen des Weltmarkts unberührt, Milchpreise von 43 Ct/kg für jeden Milcherzeuger ermöglicht. Egal, was der Markt gerade hergibt und auf welchem Standort gewirtschaftet wird. In diesem Szenario lösen sich alle Probleme der Milchviehhalter spontan in Luft auf.
Wunschdenken ist bei unternehmerischen Entscheidungen auf den Höfen jedoch kein guter Ratgeber. Das Landvolk Niedersachsen versucht deshalb, durch sachliche Informationen darzustellen, was möglich ist. Im Sinne einer nachhaltigen Interessenvertretung sollte ihm das auch zugestanden werden. Von „Blockadehaltung“ kann angesichts zahlreicher Gespräche keine Rede sein. Der Berufsstand steht bei allen Landwirten in der Pflicht, den Weg in die Zukunft zu ebnen. Plakativ konkrete Preise versprechen, kann er allerdings nicht. „Meine Verantwortung ist, dass ich die Mitglieder realistisch berate. Ich möchte keine Erwartungshaltung wecken, die ich nicht halten kann“, so hat es Reinhard Garbade, Landvolk-Kreisvorsitzender in Osterholz, sehr treffend formuliert.
Ohne Frage gibt es Verständnis und Solidarität für die schwierige Lage der Milchviehhalter. Vor allem, wenn der Wind wie derzeit aus allen Richtungen bläst: Erst der Preisverfall nach Abschluss der Frischmilchkontrakte, dann die Anzeigenkampagnen der Discounter, die die Milch zu Schleuderpreisen anbieten, und schließlich die Produktionskostensteigerungen. Dieser Cocktail hat Zukunftsängste ausgelöst und die Motivation zur Teilnahme am Lieferstreik bewirkt. Alle die wissen, wie viel Arbeit in jedem Liter Milch steckt, können diese Reaktion verstehen. Er hat die einzelnen Milcherzeuger aber auch sehr viel Geld gekostet und auf dem globalen Markt sind die Auswirkungen relativ schnell verebbt. Wer nur auf Funktionäre schimpft, kann sich aus dem Strudel aus sinkenden Preisen und steigenden Kosten nicht befreien. Einen klaren Kopf bekommt nur, wer gezielt etwas tut – den Betrieb durchcheckt und sich beraten lässt, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Denn Niedersachsens Landwirte haben im Vergleich die besten Voraussetzungen – sie können die Herausforderungen des Marktes annehmen. Dazu benötigen sie eine realistische Einschätzung der Zukunft und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Marktpartnern in der Wertschöpfungskette. Wiebke Molsen
Mittwoch, 23. Juli 2008
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