Unsicherheiten am Getreidemarkt
Getreiderundfahrt „Man sieht jeden Bodenpunkt und jedes Schauer Regen.“ Gerhard Rott, Vorsitzender des Getreideausschusses im Landvolk Niedersachsen, brachte es auf den Punkt: Die Ertragserwartungen an die Getreideernte variieren in diesem Jahr sehr stark. Bei den Preisen hoffen die Landwirte noch auf Spielraum nach oben, hieß es auf der Getreiderundfahrt bei Hoya.
Etwas höhere Einstandspreise als im Vorjahr bekräftigen diese Hoffnung. Für erste Wintergerste wurden 165 bis 185 €/t gezahlt, je nach Marktentfernung. Eine gewisse Dynamik erwartete Landvolkpräsident Werner Hilse in einem Erntegespräch mit Journalisten in Hannover durch Währungsverschiebungen, anziehende Energiepreise und auch den unvorhersehbaren Einfluss der Witterung. „Unsere Landwirte sind gut beraten, zunächst mit Zurückhaltung zu reagieren und Lagerkapazitäten zu nutzen“, spekulierte er auf anziehende Preise nach der Ernte. Die höheren Preise wertete Hilse aus landwirtschaftlicher Sicht als „dringend notwendig“, da auch alle Betriebsmittel im Preis sehr deutlich gestiegen seien.
Auch der Verbraucher müsse sich auf längere Sicht auf ein höheres Preisniveau bei Lebensmitteln einstellen. Die noch mit großen Unsicherheiten behafteten Ernteschätzungen, aber auch die enge Verknüpfung der hiesigen Getreideerzeugung mit weltweiten Warenströmen, veranlasse Landwirte, Händler und auch Verarbeiter zu sehr vorsichtigen Dispositionen. Hilse riet den Landwirten den Markt sehr genau zu beobachten, um den richtigen Zeitpunkt abschätzen zu können. Dazu gibt das Landvolk über die Kreisverbände wöchentlich Informationen zur Entwicklung des Getreidemarktes, wie auch den Marktverlauf aller anderen landwirtschaftlichen Erzeugnisse an seine Mitglieder weiter.
Der Einfluss des Weltmarktes wurde auch auf der Getreiderundfahrt des Landvolkes im Raum Hoya im Landkreis Nienburg diskutiert. Der Meinungsaustausch mit Landhandel, Genossenschaften sowie Verarbeitungsunternehmen orientierte sich vor allem an Trends und Einschätzungen. Die enge Verflechtung mit dem Weltmarkt wurde auch hier herausgestellt. „Die Landwirte haben den Weltmarkt gewollt – und ihn bekommen“, meinte Alfred Reisewitz von der Agravis mit Blick auf das vergangene Jahr. Ob sich die positiven Überraschungen vom Herbst 2007 wiederholen können, bliebe fraglich. Gut beraten waren nach Einschätzung von Reisewitz die Landwirte im östlichen Niedersachsen, die bereits im Winter Vorverträge auf die neue Ernte mit einem Preis von 215 €/t abschließen konnten.
Auf Nummer sicher gehen offensichtlich auch die Mühlen. Franz Engelke vom Kampffmeyer-Konzern meinte: „Wir können mit jedem Preis leben“. Entscheidend seien Spanne und Wettbewerbsfähigkeit.
Eine Rolle spielte bei der Getreiderundfahrt wie auch dem Pressegespräch in Hannover der Einfluss der Energiepreise. So wurden die Preise für Ethanol als untere Auffanglinie gewertet. Diskutiert wurde auch über den Energiewert des Getreides. Es könne nicht sein, dass der Energiewert von Getreide nur halb so hoch bewertet werde wie der im Erdöl, hieß es beim Abschlussgespräch der Getreiderundfahrt in Bücken-Dedendorf wie in Hannover vor der Presse.
Gabi von der Brelie
Mittwoch, 16. Juli 2008
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