Vom Kampfverband zum "Einflüsterer"



60 Jahre Bauernverband  Mit weiser Voraussicht haben die Gründungsväter des Deutschen Bauernverbandes in den Nachkriegsjahren einen Zusammenschluss aller Bauern organisiert: Über alle Produktionsarten und alle Betriebsgrößen hinweg. Zudem legten sie Wert auf konfessionelle und noch mehr politische Unabhängigkeit. Diese Linie hat sich über sechs Jahrzehnte bewährt. Der große gemeinsame Nenner war und bleibt die Verteidigung des Eigentums. Hinter diesem Selbstverständnis des Deutschen Bauernverbandes (DBV) stehen so viele Mitglieder wie in keinem anderen auf Freiwilligkeit organisiertem Berufsverband. Das verdient Anerkennung und ist ein Grund zum Feiern.

Die große Geschlossenheit stellt daher das große Pfund dar, mit dem der Bauernverband wuchern kann. Selbst kritische Zeitgenossen, denen bäuerliche Interessen eher fremd sind, würdigen den DBV als „starken Lobbyisten“. Der Bauernverband ist in unserer Gesellschaft anerkannt, seine Meinung wird respektiert.

Und die Einschätzung des DBV zählt heute mehr als je zuvor in dem weit gespannten Netzwerk von politischen Entscheidungsträgern, Menschen mit wirtschaftlichem Einfluss und auch in den Medien. Zweifelsfrei gilt das Wort des Berufsverbandes bei ihnen allen, weil er neben den bäuerlichen Mitgliedern für viele Menschen im ländlichen Raum steht. Partikularinteressen dürfen nicht vernachlässigt werden, sie sollten aber kein Sprengsatz für die gemeinsamen Anliegen sein.

Mit seinen Präsidenten – dem weitsichtigen Andreas Hermes, dem kämpferischen Edmund Rehwinkel, dem gesellschaftspolitisch engagierten Constantin Freiherr Heereman und dem unternehmerisch denkenden Gerd Sonnleitner – hat sich der DBV vom Kampfverband zum „Einflüsterer“ gewandelt. Er hat sich mit den Ansprüchen seiner Mitglieder gewandelt und agiert immer auf der Höhe der Zeit.

Fast 50 assoziierte Verbände und Institutionen gehören heute unter das Dach des DBV und stärken seinen Einfluss zusätzlich. Auch über den europäischen Bauernverband COPA und den Weltbauernverband dringt die Meinung der Bauern und Bäuerinnen auf allen Ebenen der Politik durch. Zweifelsfrei ist es im immer vielstimmiger klingenden Konzert der Lobbyisten und Meinungsmacher schwieriger geworden, Gehör zu finden. Umso wichtiger ist es auch in Zukunft, gemeinsame Ziele zu definieren, damit die Belange der bäuerlichen Familien und der Menschen in den Dörfern von unserer Gesellschaft geachtet werden.

Gabi von der Brelie








Mittwoch, 2. Juli 2008

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