Lidls Einlenken beendete den Streik



Milchpreise   Zehn  Tage nach Beginn des Lieferstreiks deutscher Milchbauern liefern sie ihre Milch wieder den Molkereien. Für Entspannung sorgte die Ankündigung des Discounters Lidl, die Preise für den Liter Trinkmilch um zehn und für das 250-Gramm-Stück Butter um 20 Cent anzuheben. Diese Zusage hatte er am Donnerstagabend in einem Gespräch mit DBV-Präsident Gerd Sonnleitner gegeben.

Grundsätzlich wird dieses Versprechen als ein erster Erfolg gewertet. Allerdings warnen nicht nur unabhängige Kommentatoren vor einem „Pyrrhussieg“, da sich bislang noch nicht abschätzen lässt, in welchem Umfang die Auszahlungspreise an  die Landwirte tatsächlich steigen werden. Nordmilch-Vertriebsvorstand Martin Mischel versprach, die Mehreinnahmen „zu  100 % an die Landwirte weiterzugeben“, warnte aber zugleich vor übertriebenen Erwartungen. Nur etwa 40 % der deutschen Milchprodukte würden über den Lebensmitteleinzelhandel vermarktet, zehn Prozent gehen in den Export und weitere 50 % an die Industrie.

Landvolkpräsident Werner Hilse zeigte sich ebenfalls erfreut über das Einlenken erster Handelsketten, nach Lidl zeigen sich nun auch Edeka, Aldi und Norma gesprächsbereit. Sie verknüpfen Zusagen zu Preiserhöhungen aber an folgende Bedingungen: Alle Handelsunternehmen müssen mitziehen und die Molkereien den Mehrpreis in voller Höhe an die Landwirte weitergeben. Die Landwirte müssten darauf vertrauen können, dass die Preiserhöhung nicht allein eine Werbemaßnahme sei, sondern nachhaltig umgesetzt werde, warnte Hilse. „Der gesamte Lebensmitteleinzelhandel muss die Preise für das komplette Sortiment der Milch- und Molkereiprodukte dauerhaft und verlässlich anheben, damit die Milchverarbeiter wieder in die Lage versetzt werden, unseren Landwirten Milchpreise auf einer wirtschaftlich rentablen Grundlage auszuzahlen“, kommentierte Hilse den Durchbruch in dem Streit um höhere Erzeugerpreise. Nach kurzfristig einberufenen Sitzungen von Vorstand, Milchausschuss,  sowie Vorsitzenden der Kreisverbände plant der Verband verschiedene Arbeitsgruppen einrichten, unter anderem mit den  Molkereien.

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer hat auf Bundesebene einen Milchgipfel angekündigt, von dem der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) offenbar den von ihm geforderten Systemwechsel in der Milchpolitik erwartet. Er versteht darunter eine nationale Mengensteuerung, damit sich am Markt ein besserer Preis bilden kann. Schon kommende Woche will Seehofer Milchbauern, Molkereien und Handel an einen Tisch holen, weil der BDM bereits neue Streiksangedroht hat. In Frankreich hat das Wirtschaftsministerium gerade eine seit 1997 bestehende Vereinbarung über einheitliche Milchpreise zwischen Milchproduzenten und Molkereien gestoppt.

Der BDM hat den Lieferstreik geschickt im Vorsommerloch platziert und bei den Medien eine riesige Resonanz ausgelöst. Mit Beginn der Fußball-Europameisterschaft rücken nun sportliche Themen in den Mittelpunkt. Die Verbraucher unterdes stehen offenbar verbal stärker hinter den Bauern als in ihrem Einkaufsverhalten ablesbar ist. Sie hatten im Herbst auf steigende Milchpreise mit Konsumverzicht reagiert und die aktuelle Ankündigung von Preissteigerungen für „Hamsterkäufe“ genutzt. Die „Bild am Sonntag“ veröffentlichte eine Umfrage von TNS Emnid, wonach 54 % der Verbraucher Verständnis für die Aktionen zeigten, 44 % diese aber nicht billigten. Die Milchanlieferung an die deutschen Molkereien sank nach Mitteilung der ZMP in der 22. Kalenderwoche, der ersten Streikwoche, gegenüber der Vorwoche um fast 30 %, in Niedersachsen lag der Rückgang bei 22 %. Kurz vor dem Streik hatte es in den Monaten März und Mai jeweils eine Anlieferungsspitze gegeben.

Br/dpa/Pd




Mittwoch, 11. Juni 2008

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