Bauern brauchen Luft zum Leben
L P D - Die Ackerarbeiten drängen in diesem späten Frühjahr, aber Milchviehhalter, Sauenhalter und Schweinemäster bedrängt eine noch größere Sorge: Die Preise lassen ihnen kaum Luft zum Leben. So drastisch formulierte es der Wittlager Landvolkvorsitzende Andreas Kroll, selbst Sauenhalter und von der Preismisere bereits zum dritten Mal und dieses Mal besonders hart getroffen. Aber auch den Milchbauern droht nach einem nur kurzen Zwischenhoch im vergangenen Herbst ein erneuter Absturz. Der Lebensmitteleinzelhandel verhandelt zurzeit mit den Molkereien über die Einkaufsbedingungen für Trinkmilch und möchte eine saisonale Marktschwäche knallhart ausnutzen. 3.000 Landwirte aus ganz Niedersachsen waren am Mittwoch einem Protestaufruf des Landvolk Niedersachsen in die EWE-Arena nach Oldenburg gefolgt und forderten ihre Verarbeitungsunternehmen auf: Hart bleiben und faire Preise aushandeln!
„Tiefpreise kosten uns Bauern ein Vermögen – und das haben wir nicht“, verdeutlichte Landvolkpräsident Werner Hilse. Aus wenigen Cent, die der Verbraucher an der Ladentheke weniger für die Milch zahlen müsste, werden für die Bauern Tausende Euro im Jahr, hat der Bauernverband ausgerechnet. Einen Rückgang von 15 ct/l bei der Trinkmilch beispielsweise müssen die 100.000 deutschen Milchbauern im Schnitt mit 7.500 Euro im Jahr „bezahlen“. Die Landwirte stehen in der zweiten Reihe, verdeutlichte in Oldenburg der Schweinehalter Martin Roberg aus Cloppenburg und forderte von Schlachtunternehmen harte Verhandlungen, so dass sie den Landwirten wieder faire Preise zahlen können. „Wir liefern ein besonderes Produkt, und das Besondere hat seinen Preis“, schilderten die Milchbauern Jörn Stubbemann aus Delmenhorst und Eyke Cornelius-Meyer aus Schiffdorf sehr selbstbewusst. Bäuerin Cornelius-Meyer sprach dem Publikum aus der Seele, als sie sagte: „Landwirtschaft ist eine Tradition, eine Kultur und ein unwahrscheinlich wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft“ und nicht allein Wirtschaft! Sie wünschte sich gleichwohl wirtschaftlichen Rückenwind für ihre Kinder, damit diese so Landwirt werden können, wie sie es sich heute schon vorstellen.
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Die Kundgebung in Oldenburg richtete sich nicht allein an die Marktpartner der Landwirte. Landvolkpräsident Werner Hilse machte eine „eindeutige Ansage“ an die Politik und forderte mit Blick auf die weltweit wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln ein Ende der Stilllegungs- und Extensivierungsprogramme. Dr. Heinz Schweer vom Schlachtunternehmen Vion wünschte sich endlich Veterinärabkommen der Bundesrepublik mit Ländern wie Südkorea, Südafrika, Japan oder China. Derzeit lägen die Drittlandsexporte nur bei acht Prozent, diese Marke müsse steigen. Sönke Voss von der Molkerei Ammerland sah wie viele Marktbeobachter mittel- bis langfristig eine anziehende Nachfrage nach Milchprodukten und appellierte an die Landwirte, ihre Anlieferung strikt zu disziplinieren. (LPD 15/2008)
Wortbeiträge der Kundgebungsredner
Präsident Werner Hilse, Landvolk Niedersachsen - Landesbauernverband e.V.
Eyke Cornelius-Meyer, Schweinezüchterin und -mast aus Schiffdorf-Wehdel im Landkreis Cuxhaven und Jörg Stubbemann, Milchbauer aus Delmenhorst-Hasbergen im Landkreis Oldenburg
Martin Roberg, Schweinehalter aus dem Landkreis Cloppenburg
Donnerstag, 17. April 2008
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